Kurz hält Österreicher für dümmer als Zuwanderer

Das Herz von Sebastian Kurz gehört offenbar Migranten, Österreicher sind ihm wohl zu dumm.  Foto: Österreichisches Außenministerium/Flickr (CC BY 2.0)
Das Herz von Sebastian Kurz gehört offenbar Migranten, Österreicher sind ihm wohl zu dumm.
Foto: Österreichisches Außenministerium/Flickr (CC BY 2.0)
21. Januar 2015 - 10:37

Was spricht der österreichische Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) so, wenn er - einmal nicht auf dem internationalen Parkett und nicht von Kameras umgeben - zu einem Neujahrsbrunch bei Parteifreund und Landtagsabgeordneten Lukas Mandl in Gerasdorf bei Wien zu Gast ist? Na ja, jedenfalls nichts Schmeichelhaftes über die Österreicher, denn die sind nach Meinung des 28-jährigen Politikers durchschnittlich dümmer als die Zuwanderer.

Kurz gab sich zu Beginn der Veranstaltung in Gerasdorf sehr inlandsfreundlich. Er durfte in Gerasdorf schon öfter zu Besuch sein, "da ich mit Kristina und Lukas Mandl gut befreundet bin", sagte der Außenminister. Als aber Integration zum Thema wurde, meinte er wortwörtlich: "Der durchschnittliche Zuwanderer von heute ist gebildeter als der durchschnittliche Österreicher." Das Bezirksblatt druckte den Satz irgendwo mitten im Artikel ab, sodass diese Feststellung des Regierungsmitgliedes kaum Beachtung fand.

Kurz schweigt zu seiner Aussage

Unzensuriert.at konfrontierte den Außenminister mit seiner Aussage in Gerasdorf. Von seinem Pressesprecher, Gerald Fleischmann, kam auch nach vier Tagen keine Antwort. Daher ist anzunehmen, dass sich Sebastian Kurz dazu nicht äußern möchte. Vielleicht ist er inzwischen selbst draufgekommen, was er da von sich gab. Denn auf seiner eigenen Homepage, dem Österreichischen Integrations Fonds (ÖIF), ist unter der Rubrik "Zahlen und Fakten: Wie gebildet sind Migranten?" nachzulesen:
 

Die Probleme junger Migranten zeigen sich schon zu Beginn ihrer Bildungskarriere:

58 Prozent der Kindergartenkinder mit nichtdeutscher Umgangssprache brauchten 2008 extra Sprachförderung. Unter denen, die keine Kinderbetreuungseinrichtung besuchten, waren es sogar 80 Prozent.
Der Bildungsrückstand setzt sich im Lauf der Schulzeit weiter fort:
14 Prozent der Schüler mit nichtdeutscher Umgangssprache brachen 2009 die Schule nach der 8. Schulstufe ab – gegenüber 4,3 Prozent der Muttersprachler. Migranten bleiben auch häufiger sitzen: Unter den bei PISA 2006 getesteten Schülern am Ende der Schulpflicht hatten 23 Prozent der Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache bereits einmal eine Klasse wiederholen müssen, jedoch nur 13 Prozent mit deutscher Muttersprache.

Ähnlich das Bild auf höchster Bildungsebene:

Nur 6 Prozent der ex-jugoslawischen und 4 Prozent der türkischen Migranten haben einen Uni-Abschluss.

So also macht Sebastian Kurz Integrationspolitik, wenn Kameras ausgeschaltet sind. In einer kleinen Stadt Niederösterreichs kann man schon mal was erzählen, was den Angaben auf der eigenen Homepage widerspricht. Denn kaum jemand der Zuhörer wird nachprüfen wollen, ob Sebastian Kurz bei Nennung von Fakten alles so genau im Kopf hat.

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