50 Shades of Grey: Frauen erteilen Feminismus eine Absage

Massenhaft Frauen scheinen Gefallen an masochistischer Unterwerfung Männern gegenüber zu finden. Foto: Flickr/Javier Pais
Massenhaft Frauen scheinen Gefallen an masochistischer Unterwerfung Männern gegenüber zu finden.
Foto: Flickr/Javier Pais
25. Februar 2015 - 22:00

Anhänger des Gendermainstreamings versuchen seit Jahren, feministische Pornofilme zu etablieren, wobei sie offenbar wenig Erfolg haben. Der Erfolg der Bestseller-Triologie "Fifty Shades of Grey" hingegen legt offen, dass es einerseits massenhaft Frauen gibt, die das Bedürfnis haben, Pornografisches zu konsumieren, andererseits, dass Emanzipation darin kaum etwas verloren hat.

Seit 12. Februar läuft der Softporno im Kino und war von Anfang an über Wochen ausgebucht. Baumärkte bereiteten sich auf einen möglichen, durch den Film ausgelösten Ansturm vor. Sie deckten sich verstärkt mit Utensilien ein, die in sado-masochistischen Sexualpraktiken Verwendung finden, wie Klebeband, Seile oder etwa Kabelbinder. Der Verkauf von Sexspielzeug soll bereits durch die Veröffentlichung der Bücher extrem angekurbelt worden sein.

In "Fifty Shades of Grey" lässt die Autorin E. L. James die magersüchtige Literaturstudentin Anastasia Steele ihre ersten sexuellen Erfahrungen mit dem Millionär und Sadisten Christian Grey äußerst demütigend verlaufen. Die masochistische Studentin lässt sich sogar auf einen Vertrag ein, der dem Liebhaber gewährt, sie zu misshandeln. Erfolg, Reichtum und gutes Aussehen sowie die teuren Geschenke, die er an Anastasia macht, scheinen für sie die damit festgelegte Unterwerfung erträglich zu machen.

Schlecht für die Gesundheit

Wie eine Studie der Michigan State University ergab, litten Leserinnen im Vergleich zu Frauen, die die Bücher nicht gelesen hatten, vermehrt unter Magersucht, neigten zu häufigen Alkoholexzessen und durchlebten im Durchschnitt problematischere Beziehungen mit häufiger wechselnden Sexualpartnern. Dass der Zusammenhang zwischen dem Roman und gravierenden Problemen seiner Leserinnen gegeben ist, steht außer Frage. Allerdings ist unklar, ob die Probleme erst nach dem Lesen vermehrt auftraten oder ob Frauen mit einer problematischeren Persönlichkeitsstuktur eher zum Konsum jenes Softpornos neigten.

Weibliche Begierde, oder sexuelle Abstumpfung?

Soziologen, Psychologen und andere wissenschaftlich daran Interessierte rätseln seit Jahren über den Erfolg dieses Buches. Richtig schlüssig scheinen sie dabei nicht zu werden, so sehen die einen darin ein Manifest für die weibliche Unterdrückung und andere nahezu das Gegenteil. Immerhin würde Anastasia den Millionär, der geschüttelt von traumatischen Erlebnissen in der Kindheit ist - ausgelöst durch eine cracksüchtige Mutter -, umerziehen, während er sie von ihrer Magersucht heilt. Dass sich hauptsächlich junge Frauen zu den Fans dieser Sadomasogeschichte zählen, könnte darin begründet sein, dass sie in einer Gesellschaft aufwuchsen, in der Pornografie seit den siebziger Jahren immer allgegenwärtiger wird.

Jugendliche machen ihre ersten sexuellen Erfahrungen mit Internetpornografie, die Grenzen vom „Normalen“ zum „Unnormalen“ werden im Sinne der sexuellen Selbstbestimmung immer mehr abgeschafft. Dass der freie, unproblematische Zugang zu Pornos beispielsweise über das Internet erst bei Kinderpornografie und Splatterfilmen, in denen Menschen im Zuge sexueller Handlungen verstümmelt oder gar getötet werden, endet und sich viele oft öffentlich zum Konsum aller möglicher Pornos bekennen, zeigt, wie weit die gesellschaftliche Akzeptanz in dieser Hinsicht fortgeschritten ist.

Die Moral fängt daher erst beim Strafgesetzbuch an und verdient diese Bezeichnung im eigentlichen Sinne nicht mehr, da sie sich ursprünglich dadurch auszeichnet, ungeschriebene, gesellschaftliche Normen und Wertvorstellungen festzulegen. Seit Jahren wird immer wieder die Frage gestellt, ob sich Frauen durch die starke Präsenz der Pornografie zu manchen sexuellen Handlungen gesellschaftlich gezwungen fühlten. Ob der "Fifty Shades of Grey"-Boom eine Aussage über die sexuellen Wünsche von Frauen im Allgemeinen trifft oder ein Produkt gesellschaftlicher Abstumpfung ist, lässt sich schwerlich ermitteln.

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