Tunesien-Attentate zeigen: “Arabischer Frühling” in Trümmern

Vier Jahre nach den ersten regierungskritischen Protesten in Tunesien sind die Regionen des Nahen Ostens sowie Nordafrikas instabiler als jemals zuvor. Nutznießer der Umstürze waren bisher islamistische Bewegungen und die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS). Die Neue Freie Zeitung bringt in ihrer aktuellen Ausgabe eine Analyse der Lage in den nordafirkanischen Staaten.

Tunesien: Rekrutierungsgebiet für Dschihadisten

Die jüngsten Terroranschläge auf Touristen in Tunesien mit mehr als 20 Toten zeigen einmal mehr die Fehlentwicklungen, die mit den Regierungsumstürzen des „Arabischen Frühlings“ einhergegangen sind. Nach dem Sturz des tunesischen Präsidenten Ben Ali vor vier Jahren kamen bei den ersten freien Wahlen Islamisten in dem als Tourismusgebiet überaus beliebten Land an die Macht.

Mittlerweile rekrutieren die Dschihadisten des „Islamischen Staates“ (IS) aus keinem anderen Staat mehr Kämpfer als aus Tunesien. Radikale Muslime wussten das Machtvakuum nach dem Sturz des vermeintlichen Diktators perfekt zu nutzen. Nun kämpft Tunesien mit einer enorm wachsenden Islamistenszene. Und das vor den Toren Europas, was den Blick auch auf Ägypten und Libyen lenkt.

Ägypten: Rückkehr des Militärs

Auch in Ägypten kamen nach dem Sturz des „Diktators“ Hosni Mubarak bei den ersten freien Wahlen Islamisten an die Macht. Die vorher verbotene „Muslimbruderschaft“ unter der Führung des mittlerweile in Haft befindlichen Mohammed Mursi zeichnete sich durch die Verfolgung der christlichen Minderheit der Kopten ebenso aus wie durch die schleichende Implementierung der islamischen Rechtsprechung, der Scharia. Wegen der rasch wachsenden Szene von radikalen Muslimen im Land griff schließlich das Militär ein und verbot die „Muslimbruderschaft“ erneut. In der Folge wurde etwa der einstige Touristenmagnet Ägyptens, der Sinai, zu einem bedeutenden Rückzugsort für Islamisten aus ganz Nordafrika. Mittlerweile meinen die meisten Ägypter, der „Arabische Frühling“ sei gescheitert, zumindest in ihrem Land.

Libyen, ein Land im Chaos

In wohl keinem anderen Land Nordafrikas zeitigte der „Arabische Frühling“ so negative Folgen wie in Libyen. Nach dem mehr als fragwürdigen Kriegseinsatz der NATO gegen Muammar al-Gaddafi kam es zu dessen Sturz. Ohne Gerichtsprozess und vor den Augen der Weltöffentlichkeit wurde der Machthaber auf offener Straße von Demonstranten gelyncht. Danach versank das einst sehr reiche Land in Chaos und Anarchie.
Die zahlreichen Stämme des Landes konnten ohne Führung nicht mehr geeint werden und so nutzten auch hier Islamistenmilizen das Machtvakuum zu ihren Gunsten aus. Zudem brach die Kontrolle der Grenzen und Küstenregionen völlig zusammen, was Europa die seit Monaten anhaltende Massenflucht von Afrikanern in die EU bescherte. Der Osten des Landes ist mittlerweile weitgehend unter Kontrolle des IS.

Islamisten auch in Algerien

Einzig verschont von den Umbrüchen blieb Algerien. Doch auch dort sollen die im syrischen Bügerkrieg erprobten Islamisten bereits weitflächig operieren. Der „Islamische Staat“ hat sogar bereits mit der Ausweitung seiner Terror-Aktivitäten auf das nahe Italien und ganz Europa gedroht.

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