Jemen: Stellvertreterkrieg um Vorherrschaft in islamischer Welt

Im Jemen zeichnet sich ein Kampf um die religiös-politische Führung in der von „Glaubenskriegen“ ohnehin erschütterten islamischen Welt ab.  Die sunnitische Führungsmacht Saudi-Arabien interveniert gegen die vom schiitischen Iran unterstützen Houthi-Rebellen. Über die Hintergründe berichtet die aktuelle Ausgabe der Neuen Freien Zeitung (Seiten 8/9).

Am 22. Jänner erklärte Abd Rabbo Mansur al-Hadi seinen Rücktritt vom Amt des jemenitischen Staatspräsidenten, die gesamte Regierung folgte ihm nach. Seither ist der Konflikt zwischen den beiden erst 1992 vereinten Landesteilen quasi offiziell. Der ehemalige Nordjemen mit seiner mehrheitlich schiitischen Bevölkerung kämpft gegen den sunnitischen Süden um die Macht im Land. Bis zum Eingreifen der von Saudi-Arabien geführten sunnitischen Militärallianz vergangene Woche hatten die schiitischen Houthi-Milizen die Hauptstadt Sanaa unter ihre Kontrolle gebracht und griffen die wichtige Hafenstadt Aden an.

Sunnitische Allianz

Beim Treffen der Arabischen Liga am vergangenen Wochenende im ägyptischen Badeort Sharm el Sheikh konnte der saudische König Salman neun Mitglieder für die Militäraktion „Sturm der Entschlossenheit“ gewinnen. Neben den Golfstaaten beteiligen sich Ägypten, Jordanien und Marokko an der Militäraktion, ebenso wie die sunnitischen Glaubensbrüder aus dem Sudan und Pakistan.

Derzeit beschränkt sich die Militäraktion auf Luftschläge gegen die Houthi-Milizen. Saudi-Arabien und Ägypten haben zwar auch schon Bodentruppen in Stellung gebracht, scheuen aber den Bodenkampf gegen die bürgerkriegserfahrenen schiitischen Verbände.

Die Schätzungen zur Zahl der schiitischen Milizionäre schwanken zwischen 30.000 und 100.000, die über leichte Artilleriegeschütze und Infanteriewaffen verfügen, die von den schiitischen Mullahs aus Teheran stammen. Die Milizen gelten aber auch als Verbündete der Al-Kaida, die im Jemen zahlreiche Ausbildungslager unterhält.

Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif warnte bereits Saudi-Arabien, dass „strategische Fehleinschätzungen und übermotivierte Ambitionen einiger Länder“ für die Region „verheerende Folgen“ haben könnten. Offiziell hat sich lediglich ein Land, das mit solchen „verheerenden Folgen“ zu kämpfen hat, gegen eine militärische Intervention im Jemen ausgesprochen: der Irak.

Schiiten gegen Sunniten

Und das mit gutem Grund, befürchtet die irakische Regierung  doch ein erneutes Aufbrechen dieses Glaubenskonfliktes im eigenen Land. Damit würde die derzeitige sunnitisch-schiitische Allianz im Abwehrkampf gegen die der sunnitischen Glaubensrichtung zugehörigen Terrormilizen des „Islamischen Staates“ (IS) zerbrechen.

Die verworrene Situation in den von Bürgerkriegen und Terror heimgesuchten islamischen Ländern könnte somit in einem Glaubenskrieg zwischen Sunniten und Schiiten kulminieren: Ein Machtkampf zwischen Saudi-Arabien und dem Iran um die religiöse und damit auch politische Vormachtstellung in der muslimischen Welt, der auch auf die Muslime in Europa übergreifen könnte.

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