Während Österreich weit von einem herzeigbaren Sportland entfernt ist, sprudelt es Geld für aller Herren Länder.

Foto: Bild: See-ming Lee / flickr (CC BY 2.0)
Entwicklungszusammenarbeit: Sportministerium schreibt 200.000 Euro Projektförderung aus

„Wer regelmäßig Sport betreibt, lebt nicht nur gesünder sondern ist auch viel glücklicher“ – Ein Satz, den man so oder ähnlich regelmäßig über Medien, Schule oder Eltern vermittelt bekommt, um die sportliche Motivation in den Menschen zu wecken. Aber auch die Politik hat schon vor Jahrzehnten die Wichtigkeit des Sports erkannt und sich dazu entschlossen, diesen über diverse Kanäle zu fördern. Die Effizienz dieses Mitteleinsatzes ist allerdings fraglich.   

Sportminister Klug zeigt sich spendierfreudig

Das Problem der in Österreich seit 1969 getätigten Sportförderungen ist nicht das Volumen, sondern die Verteilung. Verteilt wird nämlich nicht nur innerhalb der Alpenrepublik, sondern auch ins ferne Ausland. Das Sportministerium unter der Führung von SPÖ-Minister Gerald Klug unterstützte im Jahr 2014 – wie auch schon in den Jahren davor – Projekte, die Sport als Mittel der Entwicklungszusammenarbeit verwenden. Knapp über 205.000 Euro wurden an Länder wie Mosambik, Tansania oder Kenia im vergangenen Jahr überwiesen. Seit 2007 förderte das Sportministerium rund 60 Projekte mit insgesamt über einer Million Euro. Für Klugs Spendierfreudigkeit darf selbstverständlich der österreichische Steuerzahler aufkommen. Auf der Webseite des Sportministeriums sorgt eine Aufstellung aller getätigter Sport- und Entwicklungsprojekte für die notwendige Transparenz.

30.000 Euro für Bau eines Sportkäfigs

In der Auflistung finden sich 13 Projekte. Beispielsweise förderte man mit 30.000 Euro den Bau eines Sportkäfigs in Nairobi (Kenia). Aber auch Südafrika ging nicht leer aus. Mit 20.000 Euro wurde es Kindern in ländlichen Gebieten mittels transportfähigen Schwimmbecken ermöglicht, schwimmen zu lernen. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzten. Während Österreich weit von einem herzeigbaren Sportland entfernt ist, sprudelt es Geld für aller Herren Länder. In der Bundeshauptstadt Wien wurde den Profi- und Hobbysportlern schon seit Jahren eine dringend notwendige Mehrzwecksporthalle versprochen, Wiens Bürgermeister Michael Häupl kündigte diese bereits im Jahr 2005 an, warten muss man auf diese jedoch noch bis heute. Auch der Skandal rund um die Sanierung des Wiener Stadthallenbads zeigte, wie es tatsächlich um den Sport in Österreich steht.

Sportministerium schreibt 200.000 Euro Projektförderung aus

In Österreich gibt es also noch jede Menge Hausaufgaben zu erledigen, sei es bei der Sportinfrastruktur als auch bei der Verbandsförderung. Trotzdem werden auch in diesem Jahr wieder Fördergelder für Entwicklungsländer zur Verfügung gestellt. Der „Internationale Tag des Sports für Entwicklung und Frieden“ am 6. April wurde zum Anlass genommen, um andere Länder zur Einreichung von Förderprojekten zu motivieren. Klug stellt insgesamt 200.000 Euro zur Verfügung und erhofft sich dadurch, die Probleme des afrikanischen Kontinents zu lösen. Dazu meinte der Sportminister folgendes:

Sport ist ein wichtiges Vehikel für gesellschaftliche Entwicklung. Über Sport können wir zum Beispiel Anreize für Kinder schaffen, sozialen Anschluss zu finden und die Schule zu besuchen. Sport vermittelt positive Werte und kann auch dabei unterstützen, Inhalte zu Themen wie Gesundheit, Konfliktprävention oder Selbstschutz zu transportieren.

Unzensuriert.at bat die freiheitliche Sportsprecherin Petra Steger um eine Stellungnahme. Neben ihrer Tätigkeit als Politikerin ist sie als Basketball-Spielerin beim Verein „Flying-Foxes SVS Post“ (amtierender österreichischer Staatsmeister) als Teamkapitän aktiv und somit eine Kennerin der österreichischen Sportszene. Steger zeigt kein Verständnis für die Freigiebigkeit des ohnehin krisengebeutelten Bundesministeriums für Landesverteidigung und Sport:

Es ist für mich unverständlich, dass es in Zeiten wie diesen zu derartigen Förderungen kommt. Bei der heimischen Sportinfrastruktur fehlt es an allen Ecken und Enden, während teils fragwürdige Projekte im Ausland durch Steuergelder der Österreicher finanziert werden. Viele Sportler in Österreich trainieren in desolaten Trainingshallen, oder sie müssen aufgrund fehlender Gelder auf Turnierteilnahmen im Ausland verzichten. Auch die Förderung unserer Nachwuchssportler ist mit anderen Ländern nicht vergleichbar. Für die „Sportnation Österreich“ ist das jetzige Angebot einfach zu wenig!

Kein Geld für Sport in Österreich

Erst vor kurzem wurde ein Antrag Stegers im parlamentarischen Sportausschuss von Vertretern der Regierungsparteien mit fadenscheinigen Argumenten vertagt. Die FPÖ-Sportsprecherin trat dafür ein, Rücklagen des Sportministeriums für die Bezahlung unerwarteter Mehrkosten bei sportlichen Großveranstaltungen zur Verfügung zu stellen, wenn es einem betroffenen Sportverband nicht möglich ist, das Geld selbst aufzubringen. Gerade in einer schnelllebigen Zeit wie heute ist es nichts Außergewöhnliches, wenn es zu kurzfristigen Änderungen bei Sportveranstaltung kommt. Für kleinere, oftmals finanzschwache Fachverbände ist dieser Umstand mit großen Belastungen verbunden.

Football-Nationalteam kann nicht zur WM

Klug meinte im Ausschuss, dass er für Vereine und Verbände mit finanziellen Problemen ohnehin jederzeit ein offenes Ohr habe und ihnen jederzeit zur Verfügung stehe, um die Schwierigkeiten zu beseitigen. Positive Worte für Stegers Anliegen gab es von Sportminister Klug keine. Offenbar ist es in Österreich üblich, dass Sportler zuerst „betteln“ gehen müssen, um finanzielle Hilfe zu erhalten.

Für das österreichische Football-Nationalteam reichte Klugs „Hilfe“ dann anscheinend doch nicht. Dieses kann aus finanziellen Gründen nicht an der American Football WM 2015 teilnehmen, nachdem der Austragungsort von Schweden in die USA verlegt wurde – obwohl die Mannschaft qualifiziert gewesen wäre. Die Anreise- und Logistik-Kosten sind um ein Vielfaches höher und somit für das Team nicht mehr finanzierbar. Für Minister Klug und seinen Parteifreunde stellt dies offenbar kein Problem dar, stattdessen werden lieber weiter Sportprojekte am afrikanischen Kontinent subventioniert.

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