ORF-„Gefälligkeitsinterviews“ ein Fall für den Presserat?

„Sapperlot, mit der Entscheidung bekommt der @Presserat aber viel zu tun: ,Gefälligkeitsinterviews’ als Ethik-Verstoß“, twitterte Armin Wolf nach einer Presseaussendung des Presserates. Worüber sich der begeisterte Twitterer Wolf halb amüsierte und halb mokierte, waren drei in der Tageszeitung Heute am 23. Jänner 2015 abgedruckte Interviews mit den Chefs von „easybank“, von „Novomatic“ und von „T-Mobile“.

ORF ebenfalls bekannt für „Gefälligkeitsinterviews“

Dass es sich dabei um „Gefälligkeitsinterviews“ gehandelt hat, konnte jeder Leser unschwer erkennen. Und Armin Wolf hat recht, dass der Presserat mit derartigen Interviews noch viel zu tun bekommen wird. Das würde besonders dann gelten, falls sich dieser Grundsatz auch auf Politiker-Interviews beziehen sollte. Da sollte aber ein ORF-Interviewer wie Wolf nicht außer Acht lassen, dass er mitten im Glashaus sitzt. Und bekanntlich sollte man im Glashaus sitzend nicht mit Steinen werfen.

Wer gelegentlich ORF-Interviews mit Michael Häupl (insbesondere in Vorwahlzeiten), Eva Glawischnig, Werner Faymann, Maria Vassilakou oder Peter Pilz über sich ergehen lässt, der weiß, wovon hier die Rede ist.

Presserat sollte ORF-Interviews unter die Lupe nehmen

Natürlich wirken ORF-Gefälligkeitsinterviews in TV oder Hörfunk nicht so plump wie jene (mit ziemlicher Sicherheit bezahlten) Einschaltungen in Gratiszeitungen. Manche ORF-Fragen an rote oder grüne Politiker wirken boshaft, man merkt aber an den Antworten, dass die eine oder andere Frage vom Interviewten (oder dessen Pressebetreuer) bestellt gewesen sein dürfte. Am deutlichsten erkennt man die freundliche Gefälligkeit, wenn man die Interview der Genannten mit jenen vergleicht, die Armin Wolf oder Lou Lorenz-Dittlbacher mit Vertretern anderer Parteien führen.

Der Presserat soll Gefälligkeitsinterviews an den Pranger stellen. Er soll aber dabei auf die subtilen Gefälligkeiten des ORF gegenüber manchen Politikern nicht vergessen und auch bei diesem auf den offensichtlichen Ethik-Verstoß hinweisen.

Der Artikel von Kurt Ceipek ist am 10. April 2015 auf der Internetseite www.orf-watch.at erschienen, auf der renommierte Journalisten es sich zur Aufgabe gesetzt haben, eine unabhängige Kontrolle des ORF und seines Gebührenmonopols auszuüben.

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