Schule als Experimentierfeld der Bildungspolitik. Der Weg zur Zentralmatura war bis zuletzt mit Pannen gepflastert.

Foto: Bild: onnola / flickr (CC BY-SA 2.0)
Schummeln möglich? Zentralmatura beginnt zu unterschiedlichen Uhrzeiten

Am 5. Mai ist es soweit: Die von etablierten Politikern hoch bejubelte und mit allen Mitteln durchgesetzte Zentralmatura stellt sich ihrer ersten Nagelprobe. Betroffene Schüler, Eltern, Lehrer und die Oppositionspartei FPÖ bleiben skeptisch, während die Prüfungsunterlagen fast so gut beschützt wie Banknoten zu den Prüfungsorten gebracht wurden.

26.000 Schüler stellen sich erstmals der Zentralmatura

Zwischen dem 5. und dem 13. Mai stehen für mehr als 26.000 Maturakandidaten (19.200 AHS-Schüler und 7.000 Schüler an berufsbildenden höheren Schulen) an 427 österreichischen Schulen die schriftlichen Prüfungen auf dem Programm. Dieses Mal wird aber alles ganz anders. So ist auch die Reifeprüfung in der an „Reformen“ so reichen Zeit „umgemodelt“ worden und der neuen Zentralmatura gewichen.

Genau am Tag des Beginns der Zentralmatura erscheint übrigens die erste Ausgabe von "Unzensuriert-TV", die sich mit dem Thema Bildung auseinandersetzt.

Lange Entwicklungsläufe und Hochsicherheitstransporte

Unter der Aufsicht und Leitung des Bundesinstitutes für Bildungsforschung (BIFIE) wurden durch etwa 180 „speziell ausgebildete Lehrer“ („ItemWriters“) Aufgaben ausgetüftelt, von 50 in- und ausländischen Experten überprüft und im Jänner und Februar dieses Jahres an ca. 20.000 Schülern getestet. Die Endauswahl wurde von weiteren Experten und dem BIFIE selbst getätigt. Diese so entwickelten Beispiele kommen dann zur Matura. Die Entwicklungsdauer eines Beispieles liegt bei bis zu zwei Jahren. Jedes Jahr werden so 2.300 Beispiele entwickelt, da einmal bei der Matura verwendete Beispiele nicht wiederverwertet werden.

Die Logistik mutet ähnlich aufwändig an. Sicherheitstransporte, geheime Lieferzeiten, GPS-Ortung, die Prüfungshefte wie Geldscheine – in alarmgesicherten Paketen – zusammengeschnürt. Auch Notfallpläne wie Reservehefte und aus dem Internet herunterladbare Reservebögen wurden ausgearbeitet.

Einheitliche Matura – uneinheitliche Beginnzeiten

Die Vorbereitung für die Zentralmatura war von Anfang an begleitet von einer Serie an Pannen. Jetzt tut sich ein neues Problem auf: Die Beginnzeiten der Matura können von den Schulen individuell gestaltet werden. Und diese Möglichkeit wird auch genutzt. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) verteidigt die unterschiedlichen Beginnzeiten, sie seien aus gutem Grund flexibel geregelt, unter anderem aufgrund unterschiedlicher Fahrpläne der öffentlichen Verkehrsmittel.

Der freiheitliche Nationalratsabgeordnete und Bildungssprecher Walter Rosenkranz sieht das anders: Der Sinn einer Zentralmatura liege gerade beim zeitgleichen Beginn an allen Standorten. In Zeiten des Smartphones mit Fotoversand seien so dem Schummeln Tür und Tor geöffnet.

Landesschulrat bestätigt Problem

Eine Befürchtung, die man im Büro des Wiener Landesschulrats offenbar teilt:  "Ja, das ist tatsächlich ein Problem. Diese Schummelei wäre möglich", wird ein Mitarbeiter in der Gratiszeitung Heute zitiert. Verbockt habe das das Bildungsministerium. "Man war dort in den vergangenen Wochen nicht fähig, eine Beginnzeit festzulegen. Jetzt starten die Prüfungen um acht Uhr – oder auch um zehn Uhr", heißt es weiters. Heinisch-Hosek versuchte solche Bedenken mit der Aussage vom Tisch zu wischen, dass Smartphones ohnehin ein „altbekanntes Problem“ seien.

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