In Korneuburg wird jedes Jahr Theater gespielt. Als Schauspieler fungieren Bürgermeister, Stadtpfarrer und Polizeischef.

Foto: Bild: Bwag/Wikimedia (CC BY-SA 3.0 AT)
Theater: ÖVP-Bürgermeister betet als Moslem zu Allah, Kulturstadtrat erschießt sich

Es ist eines der wenigen ausverkauften Theaterstücke in der Werftbühne in Korneuburg, wenn jedes Jahr für einen einzigen Auftritt der Bürgermeister, der Stadtpfarrer und der Polizeichef in die Rolle von Schauspielern schlüpfen. Heuer am 21. Mai wurde Maxim Gorkis "Nachtasyl" aufgeführt – und leider konnte es Regisseur Karl Wozek nicht lassen, als einzige Partei die Freiheitlichen zu denunzieren.

Freiheitlicher Politiker zusammengeschlagen

Völlig unpassend zum Stück marschierte plötzlich ein Mann mit einem langen Schal auf die Bühne, schwafelte etwas über die "ordentliche Beschäftigungspolitik", damit das Publikum sofort den Konnex zur FPÖ oder zumindest zu Jörg Haider herstellen konnte, und gab schwachsinnige politische Statements ab. Solange bis die Schauspieler im Chor riefen: "Gib ihm die Decke". Tatsächlich sprang einer auf, stülpte eine Decke über den "Eindringling" und schlug ihn zusammen.

Selbstmord aus Liebeskummer

Ein ziemlich verwirrendes Schauspiel, das Gorkis hundert Jahre altes Drama über die Frage nach Wert und Wertlosigkeit der menschlichen Existenz wohl Aktualität verleihen sollte. Diesen Zweck hätte vielleicht auch die Rolle des ÖVP-Bürgermeisters Christian Gepp erfüllen sollen, der – eigentlich christlich-sozial – als Hassan zu Allah betete und den Moslem in dieser illustren Theaterrunde mimte. Da passte es gut, dass sich sein Kulturstadtrat, Andreas Minnich (ÖVP) auf der Bühne erschoss. Allerdings nicht, weil sein Chef zum Islam konvertierte, sondern aus Liebeskummer, weil die Heirat mit einer Prostituierten nicht klappte.

Am Ende ließen sich alle feiern, auch der FPÖ-Gemeinderat Johann Pirgmayer, der ebenfalls eine kleine Rolle bekam. Auf die Frage, warum er in einem Stück mitspielt, in dem die FPÖ denunziert wird, sagte er gegenüber Unzensuriert: "Wir haben in Blöcken geprobt. Von dem Auftritt des unsympathsichen Poltikers, der einen FPÖ-Mann darstellen sollte, habe ich erst am Veranstaltungstag erfahren. Ich nehme das aber nicht ernst, es zeigt mir nur, wie groß die Angst vor den Freiheitlichen ist."

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