Wiz Khalifa als letzte Botschaft: Die Internet-Spuren des Amokfahrers von Graz | Unzensuriert.at

Wiz Khalifa als letzte Botschaft: Die Internet-Spuren des Amokfahrers von Graz

Der afro-amerikanische Rapper Wiz Khalifa: Was wollte der Amokfahrer mit dem Facebook-Link auf dessen Song ausdrücken? Foto: Thecomeupshow / Wikimedia (CC BY 2.0)
Der afro-amerikanische Rapper Wiz Khalifa: Was wollte der Amokfahrer mit dem Facebook-Link auf dessen Song ausdrücken?
Foto: Thecomeupshow / Wikimedia (CC BY 2.0)
23. Juni 2015 - 0:15

Drei Tage nach der Amokfahrt eines 26-jährigen Bosniers mit österreichischem Pass in Graz mit drei Toten und als drei Dutzend verletzten ist noch immer wenig Licht ins Dunkel des Tatmotivs gekommen. Die Mainstream-Medien haben die Recherche eingestellt, warten geduldig auf die Happen, die ihnen die Behörden vorwerfen. Bei der Einvernahme habe der Verdächtige wirr geredet, dann wieder geschwiegen, dann geschrien, heißt es. Offenbar legt er es darauf an, für unzurechnungsfähig erklärt zu werden. Auch der Regierungspolitik wäre damit ein guter Dienst erwiesen, denn nach wie vor lässt sich – trotz gegenteiliger Beteuerungen der Polizei – ein islamistischer Terrorhintergrund nicht ausschließen.

Unzensuriert.at springt für die großen, staatlich subventionierten Medien ein. Gestern machten wir bekannt, dass eine angebliche Augenzeugin behauptete, der Täter habe, als er seine Amokfahrt unterbrach, „Allahu akbar“ gerufen. Zudem wiesen wir auf die Aussagen des bosnischen Außenministeriums hin, wonach es sich beim Tatverdächtigen Alen R. (auch) um einen bosnischen Staatsbürger handle.

Mysteriöse Firma: Nur Kontonummer auf der Homepage

Heute haben wir nach zahlreichen Hinweisen von Lesern die Spuren des in Kalsdorf bei Graz beheimateten Alen R. im Internet und insbesondere in den sozialen Medien unter die Lupe genommen. Auf Facebook führte er ein Profil unter dem Namen „Rizvan Consulting Group“ – offenbar ein Firmenname, der zwar nicht in der Firmendatenbank der Wirtschaftskammer aufscheint, sich aber bis vor kurzem in einer Liste steirischer Lehrlingsausbildungsbetriebe befand. Ebenso mysteriös die auf Facebook verlinkte „Firmen-Homepage“, die nur aus dem Namen des Inhabers, seinen Kontodaten bei der Raiffeisenbank Graz-Thalerhof, einer Mailadresse und einem Paypal-Spendenbutton besteht.

Aufschlussreicher ist da der einzige Eintrag auf dem Facebook-Profil, der nur rund eine Stunde vor der Amokfahrt in der Grazer Innenstadt veröffentlicht wurde. Über einem YouTube-Link zum Rap-Song „Beat It“ von Sean Kingston ft. Chris Brown, Wiz Khalifa schrieb der Amoklenker „Hurensöhne Not In My name“

„Not in My Name“ – In wessen Namen sonst?

Die Botschaft ist ebenso doppeldeutig wie der Song. Einerseits steht „Not in My Name“ für eine Kampagne gemäßigte britischer Muslime gegen die Morde der Terrorgruppe Islamischer Staat. Andererseits könnte Alen R. damit auch angedeutet haben, dass er die darauf folgende Tat nicht in seinem Namen, sonder eventuell im Namen eines anderen, vielleicht im Namen des islamischen Gottes verüben werde. Auch der Name eines der am Song beteiligten Interpreten – Wiz Khalifa – könnte als islamistische Botschaft verstanden werden. Der Kalif ist der islamische Stellvertreter Gottes auf Erden. Andererseits ist von dem afro-amerikanischen Rapper Wiz Khalifa nicht bekannt, ob er überhaupt Moslem ist, und seine Texte drehen sich hauptsächlich um den Cannabis-Missbrauch.

Abgesehen von dem merkwürdigen Eintrag erweckt das Facebook-Profil den Eindruck, als „letzte Botschaft“ präpariert worden zu sein. Bis auf den YouTube-Link sind auf der seit mindestens 2009 bestehenden Facebook-Seite keine Einträge vorhanden, vermutlich wurden sie alle gelöscht. Dass es davor Inhalte  gab, dafür sprechen insgesamt 1.179 „Gefällt mir“-Angaben. Das Veröffentlichen dieser einen einzigen Facebook-Nachricht deutet auf eine planmäßige Vorbereitung des Verbrechens hin und erschüttert die Theorie der „Psychose“, die von einer Polizeiärztin im Schnellverfahren gestellt worden war.

Schweigsamer Twitterer mit 2.584 Followern

Rätsel gibt auch ein Twitter-Account unter dem Namen der „Rizvan Consulting Group“ auf. Obwohl vor mehr als zwei Jahren – im Mai 2013 – beigetreten, gibt es keinen einzigen Tweet. Wurden auch diese Nachrichten gelöscht? Dennoch folgen 2.584 andere Twitter-Nutzer dem Account, selbst folgt @Rizvan_RCG 2.780 anderen Twitter-Nutzern, hauptsächlich arabischen Accounts. Auf mehreren Profilbildern tragen Nutzer die sogenannte Kufiya, ein in der arabischen Welt von Männern verwendetes Koptuch, wie man es vom verstorbenen Palästinenser-Führer Yassir Arafat oder dem saudi-arabischen Königshaus kennt. Zu prüfen, ob sich darunter auch radikale Islamisten befinden, wäre nun eine wesentliche Aufgabe der ermittelnden Behörden.

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