Belgien: Euthanasie ohne Einverständnis der Betroffenen

Viele Menschen werden auf Entscheidung der Ärzte hin getötet. Foto: Jon Gesch / Wikimedia (PD)
Viele Menschen werden auf Entscheidung der Ärzte hin getötet.
Foto: Jon Gesch / Wikimedia (PD)
27. Juni 2015 - 15:30

In Belgien wurde 2002 – entgegen der Warnungen aller Kritiker – die aktive Sterbehilfe legalisiert. Nun kommt ans Licht, was von Anfang an befürchtet wurde: Die Euthanasie wird auch an Personen angewandt, die nicht ihr Einverständnis dazu gegeben haben.

Laut Raphael Cohen-Almagor, Professor für Philosophie und Ethik an der britischen Hull University, wurden die tödlichen Medikamente in 1,7 Prozent aller Fälle an Patienten verabreicht, die nicht darum gebeten hatten. 

Alte Menschen wegen Demenz ungefragt getötet

Von den unfreiwillig euthanisierten Personen waren über die Hälfte älter als 80 Jahre. Die Entscheidung wurde nicht diskutiert, weil die Patienten im Koma lagen, dement waren oder "weil die Diskussion über die Medikamente gegen die Interessen der Patienten wirken würde".

Dies widerspricht eindeutig dem belgischen Recht, nach dem die Euthanasie erbeten werden muss, und die Bitte "freiwillig, wohlüberlegt, wiederholt und nicht das Ergebnis äußeren Drucks" sein muss, so die russische Zeitung Pravda.

Tödliche Dosis Morphin "keine Euthanasie"

Rund die Hälfte der Euthanasie-Fälle werden nicht einmal dem Belgischen Kontroll- und Überprüfungskommitee gemeldet, weil die Ärzte die Erhöhung der Schmerzmittel auf eine tödliche Dosis nicht als Euthanasie betrachten. Oft werden die Medikamente nur durch eine Krankenschwester verabreicht, so zitiert cnsnews.com eine Studie aus 2010. "Absichtlich oder nicht, die Ärzte bezeichnen die lebensbeendende Entscheidung als eine normale medizinische Praxis", bemerkt Cohen-Almagor.

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