Grazer Amokfahrt: Diese Indizien deuten auf islamistischen Terroranschlag hin

Alen R. folgte auf Twitter mehr als 2.700 Profilen, davon zahlreichen arabischen. Sind darunter auch Dschihadisten? Foto: @Rizvan_RCG / Twitter
Alen R. folgte auf Twitter mehr als 2.700 Profilen, davon zahlreichen arabischen. Sind darunter auch Dschihadisten?
Foto: @Rizvan_RCG / Twitter
23. Juni 2015 - 23:36

Mehr zum Thema

Allzu eilig schloss die Exekutive wenige Stunden nach dem Grazer Amoklauf einen religiösen Hintergrund aus. Blitzartig fiel die Diagnose auf eine Psychose des jungen Täters. Er sei bei dem Amoklauf in der Grazer Innenstadt möglicherweise unzurechnungsfähig gewesen, hieß es. Doch diese Theorie wird immer löchriger. Denn jetzt interessieren sich sogar Interpol und der Verfassungsschutz für den mutmaßlichen Täter mit bosnischen Wurzeln. Die Tageszeitung Die Presse schreibt über Behauptungen von Zeugen, die bei Alen R. zumindest eine Zuwendung zu einer strengeren Auslegung des Islam beobachtet haben wollen.

Während der 26-Jährige derzeit mit der Exekutive Katz und Maus spielt, um offensichtlich auf Unzurechnungsfähigkeit hinzuarbeiten, gibt es zahlreiche weitere Indizien, die einen geplanten islamistischen Terroranschlag möglich erscheinen lassen. Unzensuriert.at hat diese Umstände zusammengetragen:

1.) Ähnliche islamistische Anschläge

Am 8. Jänner, einen Tag nach dem Paris-Attentat, rief der prominente Austro-Islamist Mohamed Mahmoud von Syrien aus via Twitter zum „Abschlachten von Ungläubigen“ in Deutschland und Österreich auf. Unter dem Pseudonym „Abu Usama Al Gharib“ schrieb er unter anderem: „Überfahre einfach die Kuffar [Ungläubigen, Anm.] in einer vollen Einkaufsstraße oder schlachte sie herumschleichend.“ Auch französische IS-Lämpfer veröffentlichten einen derartigen Aufruf, dem auch entsprechende Anschläge folgten.

2.) Viele Twitter-Kontakte aus dem arabischen Raum

Bevor Alen R. am Samstag in seinen Geländewagen stieg, hat er auf seine Einträge auf Twitter komplett gelöscht, ebenso fast alle Einträge auf Facebook. Unzensuriert.at hat bereits am Montag darauf aufmerksam gemacht. Die Kriminalisten sehen das als Indiz für eine länger geplante Tat. Besonders auffällig: Unter seiner für einen kleinen steirischen Autohändler ungewöhnlich hohen Zahl von über 2.500 Twitter-Followern, finden sich neben Fans des arabischen Fußballvereins Al-Nasr in Dubai auch andere zahlreiche arabischstämmige User, die aus dem Koran zitieren. Manche posieren auf ihren Profilen mit Maschinenpistolen oder sind vermummt, schreibt die Kronen Zeitung.

3.) Spendenaufruf auf der Firmen-Webseite

Auf der Webseite seiner Rizvan Consulting Group gab es früher - wie das Internet-Archiv - zeigt - wesentlich mehr Inhalte. Der spätere Amoklenker erwähnte darauf nicht nur sein Auto Center, sondern auch ein Caffe Bar Rizvan und suchte eine weibliche Mitarbeiterin. Neben der Firmenzentrale präsentierte er auch eine Filiale in Bosnien nahe der kroatischen Grenze. Nach der Tat blieben von diesen Inhalten nur die Kontonummer und ein Paypal-Spendenbutton übrig. Wusste Alen R., dass er - zur Strafverteidigung - bald Geld brauchen würde und spekulierte er darauf, dieses von bestimmten Kreisen als Dank für seine Tat auch zu erhalten?

4.) Ehefrau zu Kopftuch gezwungen

Alen R. war wegen seiner Gewaltausbrüche polizeibekannt. Sie richteten sich gegen seine Ehefrau, auch aus religiösen Gründen: Laut Kronen Zeitung soll er sie „zuletzt unter Schlägen gezwungen haben, ein Kopftuch zu tragen“. Die Frau wehrte sich, zeigte ihren Mann an und erwirkte eine Wegweisung aus der gemeinsamen Wohnung in Kalsdorf bei Graz. Alen R. soll danach neue Freunde kennengelernt haben und öfters in eine Moschee gegangen sein. Dort könnte er sich radikalisiert haben.

5.) Familie als Paradebeispiel verweigerter Integration

Obwohl Alen R. mit seinen Eltern schon vor mehr als zwanzig Jahren vor dem Balkan-Krieg aus der bosnischen Stadt Bihac nach Kalsdorf bei Graz flüchtete, gilt die Familie als „abgeschottet und nicht integriert“. Immer wieder kam es zu Konfrontationen mit den Nachbarn. Kinder sollen beschimpft und mit Steinen beworfen worden sein. X-mal habe die Polizei einschreiten müssen, erzählen die Anrainer. „Wir wundern uns nicht, dass etwas passiert ist, damit haben wir gerechnet“, sagen sie übereinstimmend. In der Kleinen Zeitung heißt es dazu:

Der Vater und die Mutter des Beschuldigten hätten mit Messern zwei Hunde verletzt. Autoreifen seien durchgestochen worden. Es habe Drohungen gehagelt. Einmal habe die Polizei einschreiten müssen, weil im Umfeld des Wohnhauses der Familie Schüsse gefallen seien. Damals sei der Sohn unter Verdacht gestanden.

6.) Eintrag von Augenzeugin aus Kondolenzbuch gelöscht

Warum folgender Eintrag einer Frau in das von der Stadt Graz eingerichtete Online-Kondolenzbuch kommentarlos gelöscht wurde, ist fraglich:

Auch ich musste Zeuge dieser schrecklichen Tat werden. Als er das Auto aufgrund des Radfahrers kurzzeitig verließ, konnte ich gemeinsam mit 2 weiteren geschockten Personen warnehmen, dass er Allah u Agbar rief. Und nun wollen uns Gutmenschen einreden, dass dies nichts mit der Religion zu tun hat.

7.) Hass-Eintrag im Kondolenzbuch

Während ein möglicher Eindruck einer Augenzeugin rasch gelöscht wurde, blieben völlig pietätlose Einträge wesentlich länger stehen. Ein „Saddam Al-Kashraf“ schrieb am 21. Juni 2015 um 21:45 Uhr folgendes in das Online-Kondolenzbuch:

MEIN NICHT TIEFSTES MITLEID IHR SCHEIß ABFUCKER. ALLAHU AKBARRRRRRRRRRRRRRRRR

8.) Verfassungsschutz und Interpol ermitteln

Über Interpol recherchiert die Polizei das Umfeld des Täters. Sie will über Verbindungen in sein Geburtsland mehr über ihn erfahren. Auch der Verfassungsschutz versucht, das Leben des 26-Jährigen zu rekonstruieren. Laut Tageszeitung Die Presse gibt es Behauptungen von Zeugen, die bei Alen R. zumindest eine Zuwendung zu einer strengeren Auslegung des Islam beobachtet haben wollen.

Wollen Sie täglich per Mail über die neuesten Artikel informiert werden? Hier können Sie sich anmelden.
Gefällt Ihnen unsere Berichterstattung? Dann unterstützen Sie uns mit einer Spende:
IBAN: AT581420020010863865, BIC: EASYATW1, Unzensuriert.at
SPENDEN
Loading...
in

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.