“Gendergerechtigkeit” als Diktat der Gleichheit

Frauenministerin Heinisch-Hosek hat bei der OECD eine Studie in Auftrag gegeben. Thema: „Gendergerechtigkeit in Österreich“. Und wie das bei in Auftrag gegebenen Studien so ist: das Ergebnis soll vor allem auch dem Auftraggeber gefallen. Da kann es dann schon passieren, dass sich nicht alles widerspruchsfrei mit der Realität zusammen fügen lässt.

Kolumne von Barbara Rosenkranz 

1. Bei der Präsentation der Studie am Dienstag geißelt die Ministerin das „konservative“ Rollenbild der österreichischen Frauen: Hier müsse ein Umdenken her. So ein Unfug! Die aktuelle Generation der jungen Mütter vertritt ein entspanntes, selbstbewusstes Frauenbild jenseits der alten verbiesterten feministischen Ideologie. Junge Frauen wollen ihr Leben mit ihren Familien so gestalten, wie sie es für richtig halten. Dazu brauchen sie nicht die Vorschriften der Alt-68erinnen in Politik und Medien.  Und schon gar nicht verdienen sie es, dafür als "Retro-Weibchen" (wir erinnern uns an die Profil-Titelgeschichte) verhöhnt zu werden. Ganz einfach.

„Berufsschädliche“ Babypause soll Väter treffen

2. Laut OECD-Studie besteht ein großes Problem darin, dass Mütter nach der Geburt ihrer Kinder in die Babypause gehen. Dies stehe dem Verdienst und der Karriere im Wege. Doch anstatt Familien in ihrer Erziehungsarbeit anzuerkennen und diese im Rahmen des Steuerrechts und des Familienlastenausgleichs gerecht zu bewerten und den Wiedereinstieg zu fördern, hat Heinisch-Hosek einen ganz patenten Vorschlag parat: Die „berufsschädliche“ Babypause soll nun weniger die Mütter, sondern vielmehr auch die Väter treffen. Die OECD-Studie schlägt vor, dass ein Drittel von Zeit und Geld der Eltern-Karenz für Väter zu reservieren ist. Geht „er“ nicht in die Babypause, verfällt der Anteil. Na, damit wäre das Problem ja gelöst….

Teilzeitarbeit wird verteufelt

3. Teilzeitarbeit von Frauen wird in der Studie besonders verteufelt, denn Frauen würden als Arbeitskräfte fehlen. (Unbestritten ist, dass die meisten Mütter diese Option gerne und freiwillig wählen, um neben der Arbeit auch Zeit für ihre Kinder zu haben.) Es müsse Ziel der Politik sein, alle Frauen in eine Vollzeitstelle zu bringen. Einen Widerspruch zur steigenden Arbeitslosigkeit wollen die Experten in ihrer Forderung nicht erkennen. Denn diese sei vor allem dem Zustrom von Migranten mit geringer Qualifikation geschuldet, die nicht in Konkurrenz zu den Frauen treten würden. Wie bitte? Erklärt uns nicht die politische Klasse  tagtäglich, wie dringend wir auf weitere Einwanderung angewiesen sind, um den Bedarf an Fachkräften für die Wirtschaft zu decken, und unseren Wohlstand zu erhalten? Reichlich widersprüchlich auch das.

 

Dass es der Ministerin mit ihrer Studie ganz und gar nicht darum geht, Frauen und Familien in ihrer freigewählten Lebenssituation zu unterstützen und zu entlasten, wird sehr deutlich, wenn es heißt: Es genügt nicht, wenn die Politik für gleiche Chancen zwischen den Geschlechtern sorgt. Nein, sie muss auch, im Sinne einer „Gleichheit der Autonomie“, Rollenbilder aufbrechen, die Gleichstellung behindern könnten. So haben wir uns ein selbstbestimmtes Leben in einer freiheitlichen Demokratie immer schon vorgestellt!

Barbara Rosenkranz ist Nationalratsabgeordnete der FPÖ und betreibt den Blog www.zurueckzurvernunft.at.

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