Holocaust-Lehrstuhl in Frankfurt geplant

Der neue Lehrstuhl erforscht die Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung im Nationalsozialismus. Foto: BArchBot / wikimedia (CC BY-SA 3.0.de)
Der neue Lehrstuhl erforscht die Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung im Nationalsozialismus.
Foto: BArchBot / wikimedia (CC BY-SA 3.0.de)
2. August 2015 - 8:30

2017 wird ein neuer Lehrstuhl an der Goethe-Universität in Frankfurt eingerichtet. Dessen ausdrückliche und einzige Aufgabe wird die Aufarbeitung des Massenmords an den Juden sein. Auch die Auswirkungen bis in die heutige Zeit werdenGegenstand wissenschaftlicher Forschung werden. Wissenschafts- und Kulturminister Boris Rhein (CDU) sagte seitens des Landes finanzielle Unterstützung zu: „Im Land der Täter darf es kein Vergessen geben“. 150.000 Euro wird das Land Hessen für die Errichtung beisteuern. Zugleich übernehmen zwei private Spender die Kosten für eine fünfjährige Gastprofessur.

Holocaust-Studien

Der Holocaust-Lehrstuhl reiht sich dann nahtlos neben dem Münchener Institut für Zeitgeschichte, dem Fritz-Bauer-Institut, dem Simon-Dubnow-Insitut und dem Zentrum für jüdische Studien in Berlin ein. Sie alle haben sich dem Studium des Völkermords verschrieben und betreiben bereits eigene Forschung. Es existieren weiter vier Dutzend Holocaust-Museen, 190 Gedenkstätten und 110 Mahnmale. Aber eben noch kein einziger Lehrstuhl, wie es ihn z.B. in den USA gibt. Frankfurt macht nun in Deutschland den Anfang. Weitere sollen diesem Beispiel folgen.

EU lobt das Vorhaben

Die bloße Einrichtung soll bereits ein Zeichen sein. Die Goethe-Universität verdankt nicht zuletzt der wohlhabenden Familie Speyer, die jüdische Wurzeln hat, ihre Gründung im Jahr 1914. Aus Brüssel kommt eine sehr positive Reaktion. Mit dem Blick auf zunehmende religiös getarnte Diskriminierung und Gewalt weltweit wird dort viel Potenzial für das Frankfurter Projekt gesehen, sagte die Uni-Präsidentin Brigitta Wolff zur Jüdischen Allgemeinen. Sie wünscht sich persönlich einen religiösen Pluralismus und interreligiösen Dialog in der Gegenwart. In Frankfurt ist auch eine starke Islamwissenschaft vertreten.

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