Mikl-Leitner nährt Spekulationen über Zustandekommen des „Erdberg-Fotos“

Eine aktuelle Anfragebeantwortung an das Parlament gibt Spekulationen über das Zustandekommen des „Erdberg-Fotos“ und der nachfolgenden Medienberichte über die darauf abgebildete „Flüchtlingsfamilie“ weitere Nahrung. Das Foto wurde am 3. Juni vom Kurier-Fotografen Jürg Christandl geschossen. Dieser hat danach ebenso wie die Zeitung mehrere Klagen gegen FPÖ-Obmann HC Strache und nun auch gegen den Wiener Klubobmann Johann Gudenus eingebracht. Christandl behauptet, die beiden FPÖ-Politiker hätten ihm vorgeworfen, das Foto inszeniert zu haben. Per einstweiliger Verfügung wurde HC Strache untersagt, Behauptungen zu wiederholen, die er allerdings so nie aufgestellt hat. Die FPÖ hat dagegen berufen. Sämtliche Verfahren sind derzeit noch im Gange.

FPÖ verdächtigte „Journalisten“ und „Gegendemonstranten“ der Inszenierung

Tatsächlich hat die FPÖ niemals Christandl persönlich beschuldigt, das Foto inszeniert zu haben, sondern nicht namentlich bezeichnete „Journalisten“ oder „Gegendemonstranten“, die am 3. Juni bei dem Pressetermin anwesend waren. Die FPÖ-Bezirksgruppe Landstraße sprach sich an diesem Tag gegen die Wiederinbetriebnahme der ehemaligen Zollwacheschule als Massenquartier für Flüchtlinge aus.

Bis heute ist unklar, warum just in der halben Stunde, in der die Freiheitlichen ihre Kundgebung abhielten, eine angeblich aus Syrien stammende Familie in Erdberg ankam. Wie Innenministeriums-Sprecher Grundböck gegenüber Unzensuriert.at bereits am 9. Juni angab, wurde zu diesem Zeitpunkt von den Behörden niemand dort einquartiert, weil das Lager bereits voll besetzt war. Grundböck konnte als mögliche Erklärung nur anbieten, dass die illegal Eingereisten irrtümlich in Erdberg einen Asylantrag stellen wollten. Dies hätten sie jedoch im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen tun müssen, wohin sie anschließend laut Innenministerium auch gebracht wurden.

Flüchtlingsfamilie im völlig überbelegten Lager Traiskirchen ausgeforscht

Traiskirchen war bereits zu diesem Zeitpunkt heillos überbelegt. Dennoch gelang es Journalisten innerhalb weniger Tage, in dem überfüllten Lager genau die auf dem Foto abgebildete Familie auszuforschen und rührselige Artikel über sie zu schreiben, die die zu diesem Zeitpunkt aufgrund des Fotos bereits voll angelaufene Kampagne gegen die FPÖ verstärken sollten. Am schnellsten war dabei die Falter-Journalistin Nina Horaczek, die bereits am 9. Juni um 6.53 per Twitter informierte:

Dies nahm die FPÖ-Nationalratsabgeordnete Dagmar Belakowitsch-Jenewein zum Anlass, sich im Wege einer parlamentarischen Anfrage beim Innenministerium nach den Recherche-Aktivitäten der Falter-Schreiberin zu erkundigen. Immerhin beschwerten sich Journalisten gerade in dieser Zeit, dass ihnen der Zutritt um Flüchtlingslager Traiskirchen von den Behörden nicht ermöglicht werde. Was Belakowitsch-Jenewein daher stutzig machte:

Aufgrund eines Fotos, das zwei Erwachsene Männer und ein Kind von hinten zeigt, findet die "Falter"-Journalistin innerhalb weniger Tage die angebliche Familie, die sie auch sofort zum Interview bittet. Nach einem halben Jahr Flucht geben diese Menschen auch gleich bereitwillig Auskunft!

Registrierter Traiskirchen Besuch der Falter-Journalistin erst am am 9. Juli

Dass sich Falter-Journalistin Nina Horacezk – vermutlich am 8. Juni – tatsächlich in Traiskirchen aufhielt, legen von ihr auf Twitter veröffentlichte Fotos nahe. Dass sie im Flüchtlingslager war, ist hingegen eher zu bezweifeln. Zumindest hat das Ministerium davon keinerlei Kenntnis, wohl aber von einem Besuch mehr als ein Monat später:

Die Journalistin war am 9. Juli 2015 von 14.00 Uhr bis etwa 17.00 Uhr bei einem offiziellen Pressetermin in der Bundesbetreuungsstelle Ost in Traiskirchen anwesend.

Generell, so Innenministerin Mikl-Leitner gegenüber dem Parlament, ist der Zutritt zum Lager „nur nach Maßgabe der Betreuungseinrichtungen-Betretungsverordnung 2005 zulässig. Gespräche mit Asylwerbern können nur in ausdrücklichem Einvernehmen mit den Betroffenen durchgeführt werden.“

Nur vier Syrer waren am 3. Juni in Erdberg

Wie Mikl-Leitner beantwortet, hat sich Nina Horaczek im Ministerium nicht nach der Identität der abgebildeten Personen erkundigt. Die Journalistin dürfte also bereits über die nötigen Informationen verfügt haben, die es ihr auch ermöglichten, die Flüchtlingsfamilie samt Kind in Traiskrichen zu treffen, ohne sie davor im Flüchtlingslager suchen zu müssen. Dies lässt vermuten, dass die Familie bereits bei ihrem Eintreffen in Wien-Erdberg am 3. Juni ihr selbst oder dort anwesenden Personen bekannt gewesen sein dürfte. Denn ohne Zutritt zum Flüchtlingslager eine Familie zu finden, die nur von hinten abgebildet auf einem Zeitungsfoto zu sehen ist, erscheint eher unwahrscheinlich. Über das Massenquartier in Wien-Erdberg sind der Anfragebeantwortung auch andere spannende Informationen zu entnehmen. Ursprünglich war immer wieder beteuert worden, dass dort in erster Linie syrische Flüchtlingsfamilien untergebracht würden. Tatsächlich setzten sich die Bewohner am 3. Juni so zusammen:

Am 3. Juni 2015 waren 470 Fremde in der „Betreuungsstelle Erdberg“ untergebracht. Darunter waren keine Kinder unter 10 Jahren. 26 minderjährige Fremde waren im Alter zwischen 10 und 15 Jahren, 4 hatten die syrische Staatsbürgerschaft.

Über die Herkunft und Identität der auf dem Foto abgebildeten Personen will die Innenministerin unter Berufung auf den Datenschutz keine Auskunft geben. Zu den Fragen, ob diese Menschen tatsächlich aus Syrien stammen, am 3. Juni einen Asylantrag gestellt haben und die in den Zeitungen genannten Namen echt sind, äußert sich Mikl-Leitner daher nicht.

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