Michael Häupl glaubte den Berechnungen seines eigenen Wahlkampfleiters nicht.

Foto: Bild: SPÖ Presse und Kommunikation/ Wikimedia CC BY-SA 2.0
Häupl in ATV: Stur, präpotent und ahnungslos

Wer noch ein Argument suchte, den SPÖ-Spitzenkandidaten Michael Häupl am 11. Oktober nicht zu wählen, der musste nur die ATV-Sendung "Klartext" mit Moderator Martin Thür am Sonntagabend sehen. Dort präsentierte sich – man muss es leider so respektlos sagen – der abgetakelte SPÖ-Bonze nur noch stur, präpotent und ahnungslos. Selbst mit eindeutigen Fakten unterlegte Missstände schob Michael Häupl einfach in das Reich der Propaganda. Dem Zuschauer wurde schnell klar, dass der jetzige Stadtchef das Ruder nicht mehr im Griff hat.

Desaster mit dem Franken-Kredit

Ziemlich locker sah der amtierende Bürgermeister Wiens Rekordschulden. Jeder dritte Euro des Schuldenbergs steckt noch dazu in einem Frankenkredit. Seit der Schweizer Franken in die Höhe geschossen ist, hat Wien ein Riesenproblem – und allein 1,6 Milliarden Franken mehr Schulden. Dabei handelt es sich um satte 33,9 Prozent der von der Stadt offiziell zugegebenen Gesamtschulden in Höhe von 4,839 Milliarden Euro. Häupl bereitet dies keine schlaflosen Nächte. Im Gegenteil: Er warte auf bessere Zeiten, wolle solange den Kredit verlängern, bis der Schweizer Franken wieder günstiger werde. Als Moderator Thür ihn darauf aufmerksam machte, dass er das Problem nur weiter schiebe und dass selbst der Rechnungshof diese Geschäftsgebahrung scharf kritisierte, verteidigte Häupl immer noch sein Franken-Kredit-Desaster.

Gemeindebau-Betriebskosten zu hoch

Besonders peinlich für Häupl wurde es, als dieser mit den unverständlich hohen Betriebskosten in den Gemeindebauten konfrontiert wurde. Die sollen – nach Berechnungen von NZZ und dossiert.at, die 600.000 Quadratmeter Fläche nachgerechnet haben – 2,24 Euro pro Quadratmeter ausmachen, während die Betriebskosten bei Privaten nur 1,78 Euro pro Quadratmeter liegen würden. Reflexartig sagte Häupl: "Das glaube ich nicht." Was sonst hätte der Sozialist, der seinen Genossen immer wieder günstigen Wohnraum verspricht, denn sagen sollen? Häupl versuchte nun auf besonders fiese Art aus der Nummer herauszukommen. Er sagte nochmals, dass er das nicht glaube, schon gar nicht, nachdem Moderator Thür ihm die Quelle der Angaben genannt habe.

Häupl glaubt auch Statistik Austria nicht

Das ist deshalb besonders fies, weil gerade die Journalisten von NZZ und dossier.at für ihre exakten Recherchen bekannt sind. Erst kürzlich haben sie aufgedeckt, dass die Mieter des Hugo-Breitner-Hofs in Wien-Penzing von ihrer Hausverwaltung, Wiener Wohnen, möglicherweise "betrogen" wurden. Man kam dahinter, dass mehr als tausend Quadratmeter Wohnfläche jahrzehntelang zum Nachteil der Mieter verrechnet wurden. Es wurde eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft eingebracht. Häupl wollte die Wahrheit nicht wissen, auch als Moderator Thür Zahlen der Statistik Austria mit einem ähnlichen Ergebnis präsentierte, konnte er genau so wenig überzeugt werden, als mit dem Hinweis, dass die Berechnungen für die Statistik Austria sein eigener Wahlkampfleiter und Chef der Mietervereinigung, Georg Niedermühlbichler, aufgestellt habe.

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