Salzburger Straßenstrich: Flüchtlinge, Bürgervereine und Abschiebungen

In Salzburg nimmt die Straßenprostitution überhand, nun werden die Bürger aktiv. Foto: Ralfdix / wikimedia (CC BY-SA 3.0)
In Salzburg nimmt die Straßenprostitution überhand, nun werden die Bürger aktiv.
Foto: Ralfdix / wikimedia (CC BY-SA 3.0)
15. Oktober 2015 - 9:50

Im Salzburger Stadtteil Schallmoos neigt sich die Geduld der Anrainer dem Ende zu. Schuld daran ist, wie so oft, die Politik. Zwar versprach Vizebürgermeister Harald Preuner schon vor einigen Monaten sich der immer größer werdenden Problematik der Straßenprostitution in der Umgebung anzunehmen, doch der ÖVP kam laut dem Standard die Flüchtlingskrise dazwischen und die Einsatzkräfte wurden offenbar andernorts dringender gebraucht. Allein im ersten Halbjahr 2015 seien es 640 Anzeigen gegen 214 Prostituierte gewesen. Nun wollen sich die Bewohner selbst helfen.

Drohende Abschiebung

Bereits im August wurde von VP-Vizebürgermeister Preuner und der Polizei ein konkreter Plan ausgearbeitet, wie man der überhandnehmenden Straßenprostitution begegnen kann. Was sich zu Beginn noch nach einer guten Idee und handfesten Maßnahme anhörte, ist nun schon wieder in Vergessenheit geraten. Die unzähligen Flüchtlinge am Hauptbahnhof hingegen sind in den Fokus der Exekutive gerückt.

Ursprünglich sollte die Polizei im Stadtteil Schallmoos vermehrt Damen kontrollieren, die ihre sexuellen Dienste illegal an Freier anbieten. Bis zu drei Anzeigen bekommen die Frauen von der Polizei persönlich zugestellt, da sie oftmals keinen festen Wohnsitz nachweisen können. Wenn sie danach noch immer auf dem Strich anzutreffen sind, droht ihnen aufgrund des Geschlechtskrankheiten- und Aids-Gesetzes eine Abschiebung in ihr Heimatland. Eine drastische Strafe mit der man sich erhoffte, der Straßenprostitution mitsamt ihrem Zuhälterwesen Herr zu werden.

Bislang geschah jedoch nichts, weswegen sich der Stadtteilverein unter Vereinsobmann Franz Seidl nun selbst helfen will. Gemeinsam mit einer Gruppe von Anrainern sollten nächtliche Kontrollgänge organisiert und notfalls auch Autokennzeichen von Freiern fotografiert und veröffentlicht werden. Auf eine ganz andere Karte setzt Salzburgs Sozialarbeiterin für Sexarbeiterinnen, Christine Nagl von der Beratungsstelle PIA. Trotz enormer Gesundheitsgefahr für Sexarbeiterinnen und Freier will sie sogenannte „Toleranzzonen“ schaffen.

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