Erstmals in der Geschichte der Zweiten Republik wird ein Imam am Nationalfeiertag auf dem Heldenplatz sprechen.

Foto: Bild: Österreichische Außenministerium/ wikimedia (CC BY-SA 3.0)
Nationalfeiertag: Erstmals spricht ein Imam auf dem Heldenplatz

In der Pressestunde am Sonntag hat es Vizekanzler Reinhold Mitterlehner klar wiederholt: Es sei Fakt, dass der Islam zu Österreich gehöre. Wie verankert der muslimische Glaube in unserer Gesellschaft wirklich ist, machen die Feierlichkeiten zum österreichischen Nationalfeiertag am 26. Oktober deutlich: Erstmals in der Geschichte spricht ein Imam bei der Angelobung der Soldaten.

Seelsorger auf Steuergeldkosten

Der Mann, ein 37-jähriger gebürtiger Bosnier, heißt Abdulmedzid Sijamhodzic. Er ist muslimischer Seelsorger beim österreichsichen Bundesheer und dort unter anderem für das Freitagsgebet zuständig. Hauptberuflich ist Sijamhodzic als Religionslehrer in einem Gymnasium tätig. Er ist vom Wiener Stadtschulrat angestellt und übt seine Tätigkeit als Imam auf Basis eines Werkvertrages zwischen der Islamischen Glaubensgemeinschaft und dem Bundesheer aus, berichtet der Standard.

Auf Fälle angesprochen, bei denen muslimische Rekruten die Gelöbnisformel verweigern wollten, weil sie dem islamischen Recht widersprechen würde, wies Sijamhodzic diese Behauptung zurück. Hier gebe es sicher keinen Widerspruch. "Es ist die Pflicht eines Muslims, die Gesetze zu achten. Es besteht Kompatibilität zwischen der Lebensweise eines gläubigen Muslims und den demokratischen Prinzipien eines Staates. Von daher sehe ich überhaupt kein Problem, das in Einklang zu bringen", so Sijamhodzic.

Gesonderter Topf ohne Schweinefleisch

Strenggläubige Muslime beim Bundesheer dürfen ausnahmsweise einen Bart tragen und bekommen an wichtigen Feiertagen und bei religiösen Festen dienstfrei, wobei sie diese Zeiten an anderen Tagen einarbeiten müssen. Auf religiöse Vorschriften Rücksicht genommen wird auch bei der Verpflegung. "Muslime haben einen gesonderten Topf ohne Schweinefleisch. Für jene, die nur halal essen wollen, gibt es die Möglichkeit, ohne Fleisch zu essen."

Islamgesetz machte Militär-Imam möglich

Warum gibt es überhaupt einen Militär-Imam in Österreich? Das haben wir dem von Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) vorgelegten Islamgesetz zu verdanken. Dadurch bekamen Muslime erst das Recht auf religiöse Betreuung in Einrichtungen wie dem Bundesheer, in Justizanstalten sowie in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Beim Bundesheer gab es mit Stichtag 5. Oktober knapp 800 Muslime, die meisten davon, rund 700, sind Grundwehrdiener. Dem Vernehmen nach ist neben dem Imam in der Maria-Theresien-Kaserne in Wien auch noch ein zweiter Imam für den Westen Österreichs geplant.

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