Der ORF stellte strenge Compliance-Regeln auf. Die Moderatoren wollen auf Nebenbeschäftigungen aber offenbar nicht verzichten.

Bild: Metropolico.org/ flickr (CC BY-SA 2.0)
Der ORF und das Compliance-Problem mit seinen Mitarbeitern: „Zeit im Bild“-Moderator im Molkerei-Video

"ORF-Journalisten verdienen ja ohnehin nicht schlecht", sagte im Februar der Zentralbetriebsrat und forderte ein Ende von Nebenbeschäftigungen der Starmoderatoren. Auch ORF-Stiftungsrat Siggi Neuschitzer schlug in die gleiche Kerbe und verlangte von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz die Offenlegung der Nebenbeschäftigungen prominenter ORF-Journalisten. Das alles nützt nichts – die Moderatoren machen offenbar, was sie wollen: Zuletzt war "Zeit im Bild"-Moderator Tarek Leitner in einem – noch dazu vom ORF vermittelten – Werksvideo einer Molkerei zu sehen. Von YouTube wurde das mögliche Compliance-Problem aber inzwischen gelöscht.

Von Fernsehdirektion genehmigt

Es geht dabei um einen etwa sechsminütigen Clip, in dem Tarek Leitner durch die Milch- und Käse-Produktion der Obersteirischen Molkerei führt. "Es handelt sich hierbei um ein Werksvideo, das bereits 2013 für rein interne Zwecke des Auftraggebers produziert wurde. Die Nebenbeschäftigung wurde durch die Fernsehdirektion genehmigt", hieß es dazu seitens des ORF gegenüber der APA. "Eine Veröffentlichung, zum Beispiel auf der Website des Unternehmens oder auch auf YouTube ist explizit vertraglich ausgeschlossen. Das Video wurde daher auch von YouTube entfernt." Auf der entsprechenden YouTube-Seite steht inzwischen der Vermerk: "Dieses Video ist aufgrund des Urheberrechtsanspruchs von Austrian Broadcasting Corporation – ORF nicht mehr verfügbar." Wie der Clip im Internet auftauchen konnte, ist offen.

Mit Unabhängigkeit nicht vereinbar

Zuvor schon hatte der Moderator der heurigen Sommergespräche, Hans Bürger, mit einem Voestalpine-Werksvideo, das auf der "Blauen Seite" von ORF.at aufgetaucht war und nach heftiger Kritik wieder entfernt wurde, für großen Wirbel gesorgt.

Neben bekannten Unternehmen angeln sich auch immer wieder Parteien ORF-Moderatoren für ihre Veranstaltungen. Beim Osteuropa-Korrespondenten Christian Wehrschütz hatte der ORF-Ethikrat unter anderem kritisiert, dass die "Mitwirkung an Veranstaltungen wahlwerbender Parteien laut ORF-Verhaltenskodex nicht mit der Unabhängigkeit von ORF-Journalisten vereinbar" sei. Wehrschütz war zu einem Vortrag bei der ÖVP-Klubklausur eingeladen. ORF-Journalistin Mari Lang und der freie ORF-Korrespondent Karim El-Gawhary sollen mit Auftritten bei SPÖ-Veranstaltungen für Unmut im Stiftungsrat gesorgt haben.

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