Krampuslauf aus Angst vor Asylanten abgesagt

Der heurige Krampuslauf der „Moorteufel Steindorf“ in Ossiach wurde abgesagt. Man könne sich nicht sicher sein, wie die Asylwerber auf das Spektakel reagieren. Foto: Johann Jaritz / Wikimedia (CC BY-SA 3.0 AT)
Der heurige Krampuslauf der „Moorteufel Steindorf“ in Ossiach wurde abgesagt. Man könne sich nicht sicher sein, wie die Asylwerber auf das Spektakel reagieren.
Foto: Johann Jaritz / Wikimedia (CC BY-SA 3.0 AT)
21. Oktober 2015 - 11:15

Die Kärntner Krampusgruppe „Moorteufel Steindorf“ hat am Dienstag ihren für den 21. November geplanten Krampuslauf in Ossiach (Bezirk Feldkirchen) abgesagt. Grund dafür ist die geplante Eröffnung des Asyl-Verteilerzentrums in der Gemeinde. Man könne sich nicht sicher sein, wie die Asylwerber auf das Spektakel reagieren.

Das Verteilerzentrum wird derzeit von Grund auf saniert. Wann die ersten Asylwerber einziehen, ist noch unklar. Dennoch will der Brauchtumsverein auf Nummer sicher gehen. „Da dieses Thema seit Monaten polarisiert wie kein anderes, können und wollen wir das Risiko, dass es zu Zwischenfällen/Auseinandersetzungen kommt, nicht eingehen“, heißt es in einer Stellungnahme des Vereins an alle teilnehmenden Krampusgruppen.

„Alkohol macht die Zunge weich“

„Stellt euch vor, einer von euch gibt einem sich in den Zuschauern befindenden Flüchtling einen ganz normalen Rutenhieb! Kein Mensch weiß, wie er darauf reagiert, weil er unser Brauchtum nicht kennt und eventuell den Schlag als persönlichen Angriff auf sein Leben sieht, oder vielleicht einfach nur auf Stunk aus ist!“ Natürlich könne sich jeder der Teilnehmer an dem Lauf „sehr gut selbst verteidigen“, trotzdem könne die Situation schnell eskalieren.

Darüber hinaus sei es laut dem Verein auch leicht möglich, dass es zu „Stänkereien unter den Zusehern“ kommt: „Wie gesagt, jeder hat seine ganz persönliche Einstellung zum Thema Flüchtlinge! Und Alkohol macht ja bekanntlich die Zunge weich“, heißt es wortwörtlich. Und weiter: „Genauso kann es ja auch sein, dass sich unter den Flüchtlingen welche befinden, die nur auf Stunk aus sind und die Konfrontation suchen!“

Veranstalter sieht Sicherheitsproblem

Gegenüber der Kleinen Zeitung verteidigt der Schriftführer des Vereins, Anton Truppe, die Absage. „Mit Ausländerfeindlichkeit hat das nichts zu tun“, so Truppe. Es sei ein reines Sicherheits- und Haftungsproblem. „Niemand konnte uns sagen, wie viele Flüchtlinge Ende November in Ossiach sein werden. Und wir wissen auch nicht, wie sie auf dieses Brauchtum reagieren“, sagt Truppe. Zwar sehe die Polizei kein erhöhtes Gefahrenpotenzial, als kleiner Verein wolle man aber trotzdem kein Risiko eingehen.

Ossiachs FPÖ-Bürgermeister Johann Huber hat „vollstes Verständnis für die Moorteufel. Ich finde es stark, dass sich diese jungen Männer schon im Vorfeld solche Gedanken um die Sicherheit machen.“ Von der Jungen ÖVP hingegen kommt Kritik an der Absage. Landeschef Sebastian Schuschnig: „Einen traditionellen Perchtenlauf abzusagen, weil Flüchtlinge zuschauen könnten, die vielleicht zurückhauen, ist dermaßen daneben. Wenn wir selbst unsere Bräuche nicht hoch halten, wie sollen wir dann von Zuwanderern verlangen, diese zu achten?“

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