Westbahn will Entschädigung wegen Flüchtlingen

Das Asylchaos am Wiener Westbahnhof hat bei der Westbahn zu einem Geschäftsrückgang von 15 bis 20 Prozent geführt. Deshalb fordert der private Anbieter nun Rabatte bei diversen Entgelten. Foto: Unzensuriert.at
Das Asylchaos am Wiener Westbahnhof hat bei der Westbahn zu einem Geschäftsrückgang von 15 bis 20 Prozent geführt. Deshalb fordert der private Anbieter nun Rabatte bei diversen Entgelten.
Foto: Unzensuriert.at
21. Oktober 2015 - 11:33

Die staatlichen ÖBB und ihr privater Konkurrent Westbahn liefern sich einmal mehr einen erbitterten Kampf auf der Schiene. Und auch diesmal geht es wieder um Geld. Aufgrund des Asylchaos droht die Westbahn den ÖBB mit der Einstellung diverser Zahlungen.

Wie der Kurier berichtet, fordert Westbahn-Chef Erich Forster in einem Brief an die Vorstände der ÖBB eine Preisminderung bei den Bahnhofsgebühren um 100 Prozent und 20 Prozent Nachlass beim Benützungsentgelt für die Schienen. Als Gründe werden Überbelastungen, mangelnde Reisesicherheit und Verschmutzungen genannt. Eine „umfangreiche Fotodokumentation“ könne sämtliche Probleme belegen.

Unzumutbare Zustände

In dem Schreiben heißt es, dass „die andauernde Flüchtlingskrise“ zu „völlig unzumutbaren und unbeschreiblichen" Zuständen für die Bahnreisenden führen würde. Dadurch „weisen Wien Westbahnhof und Salzburg Hauptbahnhof in keiner Weise eine der Bahnhofskategorie 1 entsprechende Qualität und Nutzungsmöglichkeit für die Kunden auf“. Deshalb fordert die Westbahn eine Preisminderung von 100 Prozent für die Benützung der beiden Bahnhöfe. Bis auf weiteres will sich der private Anbieter schlichtweg weigern, diese Entgelte zu bezahlen.

ORF- und Print-Medienberichte“ über das Asylchaos würden außerdem zu einem Geschäftsrückgang von 15 bis 20 Prozent führen, schreibt Forster in dem Brief. Deshalb ist es für die Westbahn klar: „Wir fordern daher auch, das generelle Benützungsentgelt ab September 2015 um 20 Prozent zu reduzieren“.

Heftige Kritik der ÖBB

Die ÖBB wollen diese Forderungen nicht erfüllen und kündigen ein rechtliches Nachspiel an. „Zweifellos kann die humanitäre Katastrophe nur mit einem gesamtgesellschaftlichen Schulterschluss bewältigt werden. Es ist daher besonders bemerkenswert, dass nun jemand aus der Not der Menschen Kapital schlagen möchte“, sagt Konzernsprecher Michael Braun.

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