Beleidigendes Zöchling-Geschreibsel wird mit Journalistinnen-Preis belohnt

Foto der letztjährigen Preisverleihung: Die inzwischen zu den Grünen gewechselte damalige Vorsitzende des Frauennetzwerks Medien, Karin Strobl (links), mit der Preisträgerin, Puls4-Infochefin Corinna Milborn (Mitte) und Vorstandsmitglied Elisabeth Pechman Foto: Katharina Schriffl
Foto der letztjährigen Preisverleihung: Die inzwischen zu den Grünen gewechselte damalige Vorsitzende des Frauennetzwerks Medien, Karin Strobl (links), mit der Preisträgerin, Puls4-Infochefin Corinna Milborn (Mitte) und Vorstandsmitglied Elisabeth Pechman
Foto: Katharina Schriffl
22. Oktober 2015 - 15:15

Wenn der Journalismus in Österreich noch etwas auf sein Ethos halten würde, dann hätte man Anfang September empörte Stellungnahmen von Berufskollegen einer Christa Zöchling erwarten müssen. Man hätte davon ausgehen dürfen, dass der Presserat von sich aus tun würde, was erst auf Grund einer Beschwerde der FPÖ geschah, nämlich ein Verfahren gegen die Journalistin einzuleiten. Denn was die einst für die Kommunistische Partei kandidierende Profil-Schreiberin in die Online-Ausgabe ihres Magazins kotzte, stellte selbst nach den Maßstäben des in Österreich allgegenwärtigen Meinungs- und Gesinnungsjournalismus eine neue Kategorie dar.

„Es sind die hässlichsten Menschen Wiens“

Nach dem Besuch des FPÖ-Wahlkampfauftakts mit HC Strache auf dem Viktor-Adler-Markt in Wien-Favoriten schrieb Zöchling:

Es ist zum Heulen: die Menschen, die ihm zukreischen und wie sie aussehen. Es sind die hässlichsten Menschen Wiens, ungestalte, unförmige Leiber, strohige, stumpfe Haare, ohne Schnitt, ungepflegt, Glitzer-T-Shirts, die spannen, Trainingshosen, Leggins. Pickelhaut. Schlechte Zähne, ausgeleierte Schuhe. Die Flüchtlinge aus dem Nahen Osten sind ein schönerer Menschenschlag. Und jünger. Und irgendwie schwant ihnen das, den abgearbeiteten, älteren Österreichern. Und sie werden sehr böse und würden die Flüchtlinge gern übers Meer zurückjagen. Aber das kann man ja nicht laut sagen. Sagen sie.

Was der Presserat dazu sagt, ist noch nicht bekannt. Wohl nicht ganz zufällig wurde jedoch keine zwei Monate nach der Entgleisung bekannt gegeben, dass Christa Zöchling den „5. Wiener Journalistinnenpreis“ entgegennehmen darf. Gleich zu Beginn der Jury-Begründung wird ihre Beschäftigung mit der FPÖ und dem Rechtspopulismus dafür als Grund genannt:

Christa Zöchling, geboren 1959 in Graz, arbeitet seit 1992 als innenpolitische Journalistin für das Wochenmagazin Profil. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit der FPÖ, dem Rechtspopulismus in Österreich, auch unter ihren zahlreichen anderen Themen finden sich immer wieder "Ungereimtheiten" in der österreichischen Innenpolitik. Als promovierte Zeithistorikerin gelingt es ihr, wichtige Verknüpfungen mit historischen Ereignissen herzustellen. Immer schaut sie dabei auch über den eigenen Tellerrand. 

Im Jurytext folgt eine weitere Anspielung auf den jüngsten und zahlreiche weitere aggressive Texte gegen die FPÖ:

Diese Haltung ist Christa Zöchling nicht immer gut bekommen und hat mitunter zu offenen und heftig ausgetragenen Auseinandersetzungen geführt.

Preisverleihung im rot-grünen Rathaus

Der Preis wird am 28. Oktober um 19 Uhr im – wie könnte es anders sein? – rot-grün regierten Wiener Rathaus verliehen. Das Preisgeld wird von einer der wesentlichen Inseraten-Drehscheiben im permanenten Medienkauf der Stadt Wien gestiftet, der Wien Holding. Initiiert haben diesen Preis das „Frauennetzwerk Medien“ und die drei Wiener Stadtregierungsmitglieder Renate Brauner, Maria Vassilakou und Sandra Frauenberger – eine rot-grüne Politikerinnenclique also.

Vorsitzende des „Frauennetzwerk Medien“ wechselte zu Grünen

Als Vorsitzende des Frauennetzwerks Medien war auf dessen Homepage bis vor wenigen Tagen „Karin Strobl (Regionalmedien Austria)“ eingetragen. Nach einer Unzensuriert-Anfrage wurde dies auf „Karin Strobl (bis 9. März 2015)“ geändert. Der Hintergrund: Strobl gab genau an diesem Tag bekannt, dass sie als Kommunikationschefin zu den Grünen wechseln werde, diese Tätigkeit trat sie am 1. Juli 2015 an

Die Kassierin des Frauennetzwerks Medien teilte Unzensuriert.at mit, dass derzeit die Stellvertreterinnen Edith Stohl (ORF), Tessa Prager (NEWS) und Elfriede Hammerl (Profil) den Verein führen würden. Neuwahlen fänden erst bei der Generalversammlung im kommenden Monat statt.

Bisherige Preisträgerinnen

Die bisherigen vier Journalistinnen-Preisträgerinnen sind Ulla Schmid (Profil, jetzt ORF), Andrea Hodoschek (Kurier), Petra Pichler (ORF) und Corinna Milborn (Puls4). Ob diese Damen angesichts der diesjährigen Verleihung an Zöchling daran denken, die Auszeichnung zurückzugeben, ist nicht bekannt.

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