„Unabhängiges“ VOR-Magazin: „Wählen Sie bitte nicht die FPÖ!“

Die Nähe zur SPÖ werde auch nach dem Echo-Verkauf erhalten bleiben, soll Geschäftsführer und Neo-Eigentümer Christian Pöttler bei einer Mitarbeiterversammlung versichert haben. Mit dieser Aussage zitierte die Online-Ausgabe der Neuen Züricher Zeitung einen Mitarbeiter des Echo-Medienhauses. Der in roter Hand befindliche Konzern wurde Ende 2013 an eine Beteiligungsfirma verkauft – mitsamt dem VOR-Magazin, einem Gratisblatt, das in Öffis aufliegt. Im Impressum wird das Heft als „unabhängig“ ausgewiesen – ein Witz, wie sich vor der Wien-Wahl herausstellte: Im Vorwort fleht der Chefredakteur des VOR-Magazins seine Leser an: „Wählen Sie bitte nicht die FPÖ.“

Offene Fragen in der Inseraten-Affäre

Der Chefredakteur des VOR-Magazins ist kein unbeschriebenes Blatt. Thomas Landgraf war zu der Zeit, als Bundeskanzler Werner Faymann Infrastrukturminister war, dessen Sprecher und maßgeblich in die damalige Inseraten-Affäre involviert, die zu einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss und zu Ermittlungen der Staatsanwaltschaft führte. Schließlich kam nichts dabei heraus, die Staatsanwalt stellte die Verfahren gegen Faymann und seinem damaligen Staatssekretär Josef Ostermayer (beide SPÖ) ein. Der Antikorruptions-Experte und ehemalige Rechnungshofpräsident Franz Fiedler sagte dazu in der „Zeit im Bild“: „Auch wenn die Staatsanwaltschaft keine strafrechtliche Relevanz erkennt, bleiben Fragen offen.“

Das Profil berichtete am 8. Oktober 2011, dass aus vorliegenden Unterlagen hervorgehe, das das zum Echo-Medienhaus gehörende VOR-Magazin am 18. April 2007 an Thomas Landgraf, dem damaligen Faymann-Sprecher im Verkehrsministerium, ein Angebot für einen Sonderteil mit dem Titel „So fährt die Ostregion 2020“ gelegt habe. Das Profil schreibt:  

Der Sonderteil wurde bezahlt – allerdings nicht vom Infrastrukturministerium. Am 13. August 2007 erging eine Rechnung des VORmagazins über die Summe von 35.999 Euro an die ÖBB Holding AG, am 5. Dezember 2007 folgte eine zweite Rechnung über 75.600 Euro – insgesamt also mehr als 110.000 Euro. Die ÖBB Holding ist damals erst nachträglich informiert worden, dass vom Ministerium eine Vereinbarung mit dem Magazin getroffen wurde, so ein ehemaliger ÖBB-Manager.

Landgraf mit Erinnerungslücken

Im Untersuchungsausschuss – so berichtet Die Presse am 26. September 2012 – konnte oder wollte sich Thomas Landgraf nicht mehr daran erinnern, wie die strittigen Kooperationen mit Medien von Kronen Zeitung und Österreich zustande gekommen seien. Der Verdacht der Justiz, die gegen Faymann und sein (Ex-)Team ermittelte war: Das Kabinett habe die Kampagnen eingefädelt, aber von ÖBB und Asfinag bezahlen lassen.

Dieser Thomas Landgraf agiert nun weiter dreist, nennt sein Gratisblatt „unabhängig“ – was einer Täuschung der Leser und Inseratenkunden gleichkommt – und gibt als Geschäftsführer und Chefredakteur eine eindeutige Wahlempfehlung ab. In der Ausgabe kurz vor der Wien-Wahl schreibt er:

Regiert eine fremdenfeindliche Partei im Wiener Rathaus, dann werden es sich internationale Spitzenforscher wohl zweimal überlegen, ob sie wirklich in Wien arbeiten wollen. Womit Forschungseinrichtungen absiedeln würden und wieder Arbeitsplätze verloren gingen. [.] Daher gehen Sie am 11. Oktober bitte wählen und wählen Sie bitte nicht die FPÖ!

Unzensuriert-TV hat in seiner Ausgabe „Das System SPÖ“ detailliert über die Machenschaften des echo-Verlags, zu dem das VOR-Magazin gehört, berichtet:

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