Nach Kritik an seinem Kommentar verlässt Christoph Biró „für einige Zeit“ die Krone-Redaktion.

Foto: Bild: Michael Thurm / flickr (CC BY-NC-ND 2.0)
Unzensuriert.at bietet Krone-Redakteur Biró journalistisches Asyl

Die Flüchtlingskrise hat ein prominentes Opfer in Österreich. Der Chefredakteur der Steiermarkausgabe der Kronen Zeitung, Christoph Biró, zieht sich – wie er der APA am Dienstag sagte – für einige Zeit aus der Redaktion zurück. Was das genau bedeutet, wird man in den nächsten Wochen und Monaten erleben. Vermutet wird aber ein dauerhafter Abschied von der Krone, nachdem Biró in der Sonntagsausgabe der Zeitung einen Kommentar zur Flüchtlingssituation verfasste, der ihm bis Dienstagvormittag 37(!) Beschwerden beim Presserat und eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft durch die Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch einbrachte.

Wurde Biró zum Rücktritt gedrängt?

Ob Biró aufgrund dieser Empörung selbst den Hut nahm oder von jemanden gedrängt wurde, der Redaktion Adieu zu sagen, bleibt dahingestellt. Schließlich gehört die Kronen Zeitung ja auch zur Mediaprint-Gruppe, bei der der Raiffeisenkonzern Miteigentümer ist. Langjähriger Boss von Raiffeisen war wiederum Christian Konrad, heute Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung. Konrad wird der Kommentar von Biró nicht gefallen haben – davon kann man ausgehen. Biro machte in seinem Artikel keinen Hehl daraus, dass die Stimmung in der Bevölkerung längst gekippt sei. Vorbei seien die Zeiten, da ankommende Flüchtlingsströme mit Applaus empfangen wurden – es sei zuviel passiert seit damals, und wortwörtlich schreibt Biró dann seinen Frust von der Seele:

Wir erfahren von jungen, testosteron-gesteuerten Syrern, die sich äußerst aggressive sexuelle Übergriffe leisten, um es harmlos auszudrücken. Da schlitzen Afghanen in den ÖBB-Waggons die Sitze auf und verrichten nicht nur ihre Notdurft. „Da sitzen wir nicht!“, sagen sie, „da sind ja Christen draufgesessen!“

Polizei und ÖBB bestreiten Vorfälle

Polizei und ÖBB gaben gegenüber dem Kurier reflexartig an, dass diese Vorfälle, über die Biro schreibt, nie stattgefunden hätten. Allerdings gibt es kein Gesetz, dass die Polizei – und schon gar nicht die ÖBB – verpflichten würde, Medienanfragen wahrheitsgemäß zu beantworten. Unzensuriert.at hat aufgrund des Biro-Kommentars folgende Nachricht bekommen:

Die Behauptungen des Herrn Biro stimmen tatsächlich, zumindest im Bezug auf die Polizeibusse in Kärnten, welche Flüchtlinge überstellt haben. Die Sitze wurden aufgeschnitten und dann „in“ den Sitz gek…t.

Alles Erfindungen? Nur Hetze gegen Flüchtlinge? Oder ernste Sorgen von Bürgern, die sich in der Flüchtlingskrise von den verantwortlichen Politikern alleine gelassen fühlen? Mit Biró hatten diese Menschen einen Sprecher, der die Dinge beim Namen nannte und sie in die Öffentlichkeit brachte. Am Dienstag aber machte er sich selbst mundtot, oder er wurde mundtot gemacht. Ihm sei ein Fehler passiert, bedauerte Biró gegenüber der APA, „man muss bei diesem Thema ein ganz besonderes Fingerspitzengefühl haben“. Kaum zu glauben, dass Biró das nach 39 Jahren Erfahrung als Journalist nicht hat.

Unzensuriert.at bietet Biró journalistisches Asyl

Die Redaktion von Unzensuriert.at bietet Biró jedenfalls gerne journalistisches Asyl. Für eine Zusammenarbeit, sehr geehrter Herr Biró, kontaktieren Sie uns bitte jederzeit unter redaktion(at)unzensuriert.at. Wir garantieren Geheimhaltung!

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