Während an Österreichs Grenzen die Migrantenströme „durchgewunken“ werden, kann die Einreise nach Ägypten schon mal etwas länger dauern.

Foto: Bild: unzensuriert.at
Grenzsicherung einmal anders: 90 Minuten in der Warteschlange

Spätestens seit August ist ganz Europa mit einer modernen Völkerwanderung konfrontiert, die selbst bei gnädigster Betrachtungsweise die Grenzen des Machbaren längst überschritten hat. War in den Sommermonaten noch die Grenze Österreich-Ungarn Hauptschauplatz des Migrantenstromes, so hat sich die Situation mittlerweile in die Steiermark nach Spielfeld verlagert. Zehntausende von vermeintlichen „Flüchtlingen“ strömen täglich über die Grenzen nach Österreich. Woher sie genau kommen, weiß keiner. Manche von ihnen stammen aus Syrien, andere aus dem Irak, Afghanistan oder Ägypten. Apropos Ägypten: Während Bürger aus dem „Land der Pharaonen“ ungehindert ohne jeglichen Verfolgungsgrund nach Europa drängen, ist eine Einreise für Europäer in das Urlaubsland am Roten Meer meist mit einer Tortur verbunden.

Kommentar von Unzensurix

Vor rund zwei Wochen gönnte ich mir eine Woche Urlaub. Das Wetter in Österreich war viel zu kalt und zu windig, das Klima in Spanien und Griechenland alles andere als sommerlich. So entschied ich mich für das Taucherparadies Ägypten. Nach knapp vier Stunden Flugzeit landete mein Airbus im 33 Grad heißen Hurghada. Kurz vor der Landung überreichte mir eine charmante Flugbegleiterin – früher auch Stewardess genannt – eine sognannte „Einreisekarte“ für Ägypten.

Die einzelnen Formularfelder sind in Englisch und Arabisch gehalten. Auszufüllen ist neben Vor- und Nachname auch der „Purpose of Arrival“ – also der Reisezweck. „Komisch“ dachte ich mir, „was die so alles von mir wissen wollen“. 2.700 Kilometer entfernt – nämlich im kleinen, österreichischen Grenzort Spielfeld – reisen täglich tausende Migranten, darunter vermutlich auch ägyptische Staatsbürger, ohne jegliche Registrierung und Identifikation in die Alpenrepublik. In Ägypten legt man anscheinend noch Wert auf die Sicherung der Grenzen, schließlich kann eine Gefährdung, ausgehend von den sonnenhungrigen „Ösis“ und „Piefke“, offenbar nicht ausgeschlossen werden.

90 Minuten in der Warteschlange und 25 Euro für ein Visum

Im Ankunftsterminal ging es für mich auf direkten Wege zum Visumschalter. „Moment einmal, ein Visum?“, fragte ich mich – immer mit den Bildern aus Spielfeld im Hintergedanken. Knapp 700 Euro für eine Woche Urlaub bezahlt, den Tourismus in Ägypten gefördert, Arbeitsplätze gesichert und jetzt auch noch 25 Euro für ein Visum. Sei's drum – in Ägypten ist man wohl einen Deut „g'scheiter“ als die Lachnummer-Bundesregierung in Österreich. Mit dem Visumaufkleber im Pass begab ich mich zur Passkontrolle. Doch da sah ich sie bereits: eine gefühlt kilometerlange Menschenschlange vor den Passschaltern. Und da stand ich dann, 90 Minuten mit hunderten anderen Touristen. Es dauerte nicht lange, bis die ersten Ösi-Touristen anfingen, ihren Unmut lautstark kundzutun. Selbstverständlich durfte auch der Vergleich zwischen der österreichischen und der ägyptischen Grenzsicherung nicht fehlen. Ganz zum Missfallen des anwesenden ägyptischen Sicherheitspersonals.

90 Minuten später war es dann auch für mich soweit und ich durfte meinen Pass vorweisen. Der sichtlich genervte Mann hinter dem Schalter zog meinen Pass durch seinen etwas maroden Computer. Und da sah ich sieh bereits, all meine Daten – selbstverständlich mit Foto – am grün-flimmernden Bildschirm aufscheinen. Ein kurzer Mausklick und abgespeichert waren sie, die Daten. Vermutlich werden sie in irgendeiner Datenbank vor sich hin vegetieren und keiner wird sich mehr dafür interessieren. Trotzdem – ich war registriert und identifiziert. So begann für mich mein wohlverdienter Ägyptenurlaub.

Strikter Grenzschutz auf Europas Flughäfen

Alle größeren Flughäfen in der EU kontrollieren beim Sicherheits-Check täglich zwischen 50.000 und 150.000 Passagiere. Inklusive Passkontrolle, Bordtickets, Handgepäck und Personen-Checks. Bei der Kontrolle von Flüchtlingen ist die EU seit Monaten überfordert. Was auf hunderten Flughäfen meist tadellos funktioniert, ist in Spielfeld, Nickeldorf und Co. anscheinend nicht möglich. Nach meiner HAK-Matura entschied ich mich eine Linienpilotenausbildung zu absolvieren. Hunderte Stunden verbrachte ich auf Flughäfen in ganz Europa. Daher überraschte mich die Vorgehensweise am Flughafen Hurghada eigentlich gar nicht. Vielmehr aber die aktuellen Vorkommnisse in Europa.

Wenn ich am Wochenende Freunde zu einem Rundflug mit meiner viersitzigen Cessna einlade, werden wir nicht nur durchleuchtet, sondern ich muss als verantwortlicher Pilot mit meiner Unterschrift die Mitnahme von Getränken durch meine Passagiere bestätigen. Weltweit wird man auf den Flughäfen penibel überprüft – wahrscheinlich zu Recht – während an Europas Grenzen tagtäglich die Politik der offenen Türen zelebriert wird.

Der Autor dieses Artikels lebt, studiert und arbeitet in Wien. Nach seiner Matura absolvierte er eine zweijährige Linienpilotenausbildung.

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