Die Helfer des Nikolaus, die schwarz angemalt sind, werten einige Holländer als Symbol der Sklavenzeit.

Foto: Bild: Alias 0591 from the Netherlands/ Wikimedia CC BY 2.0
Schwarz angemalte Helfer: 90 Festnahmen bei Protest gegen den Nikolaus

Wenn eine Wiener Kindergärtnerin ihren Kleinen das Christfest erklärt, läuft sie Gefahr, ihren Job zu verlieren. Der Besuch des Nikolaus (auch ohne dem bösen Krampus) bei Kindern in Einrichtungen der Stadt wird bald ganz der Vergangenheit angehören. Und man wundert sich schön langsam, wie der Christkindlmarkt auf dem Rathausplatz es Jahr für Jahr schafft, seine Tradition fortzuführen. Aber nicht nur hierzulande kämpfen traditionsreiche Feste rund um die Weihnachtszeit ums Überleben sondern zum Beispiel auch in den Niederlanden. Dort kam es am Samstag beim Protest gegen den Nikolaus sogar zu 90 Festnahmen.

"Zwarte Piet" mit roten Lippen und Afro-Perücken

Warum kam es zu dieser gewalttätigen Demonstration? Der Nikolaus kommt der Legende nach stets Mitte November mit einem Schiff aus Spanien nach Holland, genauer gesagt in die Stadt Gouda, um den Kindern Geschenke zu bringen. Das finden bis dato noch alle gut. Doch die Begleiter des Weihnachtsmannes, traditionell schwarz geschminkte Helfer mit roten Lippen und der Afro-Perücke, werten einige als rassistischen Stereotyp. Über die "Zwarte Piet", wie sie genannt werden, gab es schon längere Zeit kontroverse Diskussionen. Diese gingen sogar so weit, dass der Anti-Rassismus-Ausschuss des UNO-Menschenrechtsrates den Niederlanden eine entsprechende Änderung der "Sinterklaas"-Umzüge empfahl. Kritiker sehen in den schwarzen Pieten ein Symbol der Sklavenzeit sowie der Diskriminierung von Menschen mit dunkler Hautfarbe.

Beliebtes Volksfest mit zehntausenden Menschen

Die Gegner der schwarz angemalten Nikolaus-Helfer störten daher das Volksfest und riefen "Zwarte Piet, oprotten (haut ab)!" oder "No more blackface". Leider blieb es aber nicht nur bei verbalen Attacken, die Befürworter und Gegner gingen bald aufeinander los. Die Staatsanwaltschaft nahm 60 Gegner des "Sinterklaas"-Umzuges und 30 Anhänger der Veranstaltung fest. Der Streit erreichte auch den Ministerpräsidenten der Niederlande, Mark Rutte. Er nannte die Zwischenfälle "zutiefst traurig". "Jeder darf über die Farbe des Zwarte Piet reden, doch keiner darf ein Kinderfest derartig stören", sagte er.

Die Veranstaltung dürfte trotz Widerstände sehr populär sein. Auch heuer nahmen wie jedes Jahr zehntausende Menschen bei der Ankunft des Nikolaus teil, darunter viele Kinder. Die Stadt Gouda zog allerdings bereits vorab Konsequenzen aus der Debatte: Erstmals wurde der Nikolaus nicht nur vom Schwarzen Peter begleitet, sondern auch vom Käsepeter mit gelb angemaltem Gesicht und dem Stroopwafel-Peter, dessen Gesicht das gleiche hellbraune Muster zierte wie die beliebten Sirupwaffeln.

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