Tochter über Pietätlosigkeit empört: Diakonie schickte Bettelbrief an tote Mutter

Die Adventzeit ist nicht nur eine besinnliche, sondern bietet sozialen Organisationen stets auch die Chance, mit sogenannten Bettelbriefen erfolgreich Spenden zu lukrieren. Gerade vor Weihnachten ist die Bereitschaft, Armen zu helfen, immer besonders groß. Das dachte sich wohl auch der Flüchtlingsdienst der Diakonie, der derzeit solche Briefe samt Zahlschein verschickt. Allerdings nicht an einen Haushalt, sondern die Menschen werden ganz persönlich mit Namen und genauer Adresse angeschrieben. Auch Edeltraud M. in Traisen (Niederösterreich) erhielt so ein Schreiben, in dem ihr mitgeteilt wurde, dass der Winter komme und Kinder ein Dach über dem Kopf bräuchten. Eine Spende wird die Diakonie von dieser Frau aber nicht mehr bekommen, denn Edeltraud M. verstarb am 6. Juli 2010.

Adressen von Agenturen gekauft

Der Diakonie Flüchtlingshilfe etwas zu spenden, daran denkt auch die Tochter der verstorbenen Edeltraud M., Dagmar H., nicht. Sie ist nach diesem Brief an ihre tote Mutter sehr verärgert. "Ich frage mich, wie die an die Adresse meiner Mutter kommen?", so Dagmar H. gegenüber Unzensuriert.at. "Meine Eltern hatten niemals ein Telefon angemeldet, meine Mutter hat vor sicher 20 Jahren das letzte Mal bei der Quelle etwas bestellt und da auch immer den Widerruf für Verwendung der Daten angekreuzt. Jedenfalls ist dieser Brief eine Frechheit sondergleichen: Adressen klauen oder kaufen von toten Menschen und dann Bettelbriefe schreiben," ärgert sich Dagmar H.

Bei der Diakonie Flüchtlingshilfe bekam sie von einer Dame Auskunft, dass die Adressen von Agenturen gekauft würden. Die Mitarbeiterin der Diakonie versprach, die Agentur, die ihnen den Namen und die Adresse der toten Frau in Niederösterreich verkaufte, herauszusuchen und diese dann Dagmar H. mitzuteilen.

Agentur beruft sich auf Datenschutz

Versprechen gehalten. Tags darauf erhielt Dagmar H. von der Diakonie tatsächlich die besagte Firmenadresse von der ProfileAddress Direktmarketing GmbH in Wien. Als Dagmar H. den Mitarbeiter dort mit dem Fall konfrontierte, sprach dieser selbst von einer "mysteriösen Sache". Telefonische Auskunft könne er aber keine geben – das gehe nach den Bestimmungen des Datenschutzes nicht. Dagmar H. wurde aber zugesichert, dass sie innerhalb von acht Wochen einen eingeschriebenen Brief erhalten würde, in dem die Sachlage dann erklärt werde.

Sorgloser Umgang mit Telefonnummern

Wirbel um Adressenklau und gekaufte Telefonnummern gibt es immer wieder. Zuletzt sorgten die Neos in Wien für Aufregung und Verstimmung bei den Betroffenen, als diese am Wahlsonntag von Neos-Spitzenkandidatin Beate Meinl-Reisinger eine SMS mit der Aufforderung, zur Wahl zu gehen, bekamen. Die Neos gaben an, die Telefonnummern von der Post gekauft zu haben. Die Affäre um diese SMS-Versendungen zeigte einmal mehr, wie sorglos manche Organisationen mit dem Datenschutz in Österreich umgehen.

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