Für Katalonien sind die Kosten eines Verbleibs in Spanien höher als die Kosten einer Unabhängigkeit, sagte der Leiter der Delegation Kataloniens, Adam Casals.

Foto: Bild: Teresa Grau Ros/ flickr (CC BY-SA 2.0)
Katalonien wäre nach Unabhängigkeit Nettozahler der EU

Knapp zwei Millionen Menschen haben sich bei der vergangenen demokratischen und freien Wahl eindeutig für die Unabhängigkeit Kataloniens ausgesprochen. Die von ihnen gewählten und durch sie legitimierten Vertreter verfügen über die absolute Mehrheit im Parlament. Dennoch wehrt sich die spanische Zentralregierung mit einer Verfassungsklage gegen die Abspaltung der autonomen Gemeinschaft im Nordosten der iberischen Halbinsel. In einem Interview mit den Deutschen Wirtschafts Nachrichten erklärt der Leiter der Delegation Kataloniens, Adam Casals, warum die Katalanen eine Unabhängigkeit anstreben.

Katalonien wäre Nettozahler in der EU

Vorweg gleich eine Überraschung: Laut Casals wäre Katalonien, wäre es selbständig, im Gegensatz zum Rest Spaniens ein Nettozahler der EU. Was dem Politiker und seinen Landsleuten aber am meisten sauer aufstößt und daher die Unabhängigkeitsdebatte zusätzlich befeuert, sind die vielen defizitären Prestigeprojekte, in welche die spanische Regierung investiert, anstatt das Geld in ein sinnvolles Konjunkturprogramm zu stecken. Er vermisse ein ernsthaftes Engagement im Bildungsbereich und er zweifle daran, dass das Land wirklich vorhat, die horrende Arbeitslosigkeit zu bekämpfen.

Defizitäre Hochgeschwindigkeitszüge

Bei den "defizitären Prestigeprojekten" kommt einem das Grausen. Adam Casals berichtet über eine Investition von 4,7 Milliarden Euro in die AVE-Strecken (Hochgeschwindigkeitsbahntrassen). Keine dieser AVE-Strecken würde positive Zahlen schreiben. Denn Spanien habe mit nur 50 Millionen Einwohnern eine größere Fläche als Deutschland und das Netz könne aufgrund der dünnen Besiedelung einfach nicht die notwendige Anzahl an zahlenden Fahrgästen erreichen. Trotzdem sei Spanien das Land Europas mit dem ausgedehntesten Hochgeschwindigkeitsbahnnetz.

Ein sehr anschauliches Beispiel würde der neue AVE-Bahnhof im Dorf Otero de Sanabria in der Provinz Zamora liefern. Die 26 Einwohner der Ortschaft haben das Privileg bekommen, mit 350 km/h nach Madrid fahren zu dürfen. Diese Art von sinnlosen Investitionen fielen dem Steuerzahler doppelt zur Last, denn nicht nur der Bau und das Befahren solcher Strecken, sondern auch die technisch komplizierte Wartung und Instandhaltung seien mit immensen Kosten verbunden.

Gas-Speicher im Mittelmeer verursachten Erdbeben

Ein weiteres Projekt sei laut Casals das sogenannte Castor-Projekt zur Errichtung von Gas-Speichern am Grund des Mittelmeers. Dieses habe den Steuerzahler schon mehr als 1,4 Milliarden Euro gekostet und noch dazu Erdbeben in bewohnten Gebieten an der Küste bei Castelló verursacht.

Der Flughafen von Ciudad Real, der 1 Milliarde Euro an Steuergeldern kostete und dann für 10.000 Euro an einen privaten Investor verkauft wurde, nachdem dort jahrelang keine Flugzeuge gelandet waren, sei ein weiteres Beispiel von unglaublicher Geldverschwendung. "Die Liste wäre noch unendlich lang…", sagt Adam Casals in den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Daher ist es nicht wirklich verwunderlich, dass die Bewohner Kataloniens diesem Treiben nicht mehr länger zusehen und lieber eigenständig entscheiden wollen, für welche Projekte das Steuergeld eingesetzt wird.

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