Ärger um Putin-Doku im ZDF: "Igor" soll gegen Bezahlung gelogen haben

Eine Doku über Wladimir Putin im ZDF soll inszenierte Szenen und ein gekauftes Interview beinhalten.  Foto: Kremlin.ru / Wikimedia CC-BY 4.0
Eine Doku über Wladimir Putin im ZDF soll inszenierte Szenen und ein gekauftes Interview beinhalten.
Foto: Kremlin.ru / Wikimedia CC-BY 4.0
26. Dezember 2015 - 10:29

Lügenpresse-Rufer haben neues Futter und die Glaubwürdigkeit des deutschen Fernsehens ist einmal mehr in Gefahr: Ein Kronzeuge behauptet, für die ZDF-Dokumentation über den russischen Präsidenten Wladimir Putin gegen Bezahlung gelogen zu haben. Der Mann, der sich in der Doku "Machtmensch Putin" Igor genannt hat, soll in Wirklichkeit Jurij heißen. Dieser gab nun dem russischen Staatsfernsehen ein Interview, in dem er den angeblich ausgemachten Deal schildert. In der Süddeutschen Zeitung weist das ZDF die Anschuldigungen vehement zurück, doch die Vorwürfe wiegen schwer.

Episode mit "Igor" angeblich inszeniert

Die Doku über Putin wurde vorigen Dienstag ausgestrahlt, über ihre Einseitigkeit hat unzensuriert.at bereits berichtet. Im Mittelpunkt standen der Ukraine-Krieg und die Konfrontation mit dem Westen. Ausgerechnet um eine Sequenz zu unterfüttern, die seit eineinhalb Jahren Gegenstand eines wahren Informationskriegs ist, haben die Filmemacher einen Kronzeugen gefunden: Ein schmächtiger Mann Anfang zwanzig erzählt, er habe sich in einem Rekrutierungsbüro gemeldet, um als Freiwilliger seine russischen Landsleute in der Ostukraine zu verteidigen. Sein Gesicht machte das ZDF unkenntlich. Abgesehen davon, dass die Aussage des Mannes mit dem Namen Igor wenig Neues enthielt - schließlich hat selbst Putin nie bestritten, dass in der Ukraine einzelne Personen militärische Aufgaben erfüllen würden - steht nun auch noch im Raum, dass die Szene inszeniert war.

ZDF weist Anschuldigungen zurück

Während das ZDF über Twitter auf die schweren Anschuldigungen reagierte und mitteilte, dass die Vorwürfe gegen die ZDF-Dokumentation "Machtmensch Putin" jeglicher Grundlage entbehren würden, gab Igor - oder besser Jurij - gegenüber dem russischen Staatsfernsehen den angeblichen Schwindel zu:

Im Grunde habe ich einfach gelogen, wie er mir das vorsagte. Er sagte, nach dem Interview wirst du dein Geld bekommen. Er wollte, dass ich sage, dass sich im Donbass die russische Armee befindet.

In Wahrheit, so deckte der russische Staatssender Rossija 1 auf, handle es sich bei Igor um Jurij Olegowitsch. Er sei Jahrgang 1988 und arbeitslos. Triumphierend berichtete man von der "Fälschung" des deutschen Senders, "der einem nur noch leidtun kann". So hätte das ZDF bei der Jagd nach dramatischen Bildern für den deutschen Film nicht einmal die Abzeichen derer betrachtet, die es als russische Soldaten ausgegeben hätten. Das Staatsfernsehen zeigte Bilder aus der ZDF-Doku und kommentierte diese so:

Hier feuern die Kämpfer aus einem Versteck heraus. Die Kamera wackelt, doch schauen Sie: Auf der linken Schulter des Soldaten ist eine ukrainische Fahne. Für den Fall, dass manch ein Zuschauer etwas bemerkt, sorgt die kommentierende Stimme für "Klarheit": "An Kampfhandlungen nehmen viele russische Armeeangehörige teil."

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