USA, Land der unbegrenzten Möglichkeiten – nur ein Mythos?

Foto: Bild: Plowboylifestyle / Wikimedia
Oregon: Militante Wutbürger halten Verwaltungsgebäude in Naturschutzgebiet besetzt

Wir befinden uns im Malheur Naturschutzgebiet im Südosten des Bundesstaates Oregon, USA. Das karge Prärieland liegt unter einer Schneedecke. Seit Tagen hält sich dort eine Gruppe bewaffneter Regierungsgegner in einem Verwaltungsgebäude verschanzt, belagert von Polizei und Regierungsbeamten. Angeführt wird die Gruppe von den Söhnen des Ranchers Clive Bundy. Man fühlt sich in die Zeit des Wilden Westens zurück versetzt, es fehlen nur noch die Indianer. Doch die haben die ersten Siedler, wie vielerorts in den USA, längst vertrieben und sie haben heutzutage nur noch vergleichsweise geringe Landrechte in der Region.

"Bundy-Clan" führt Aufständische an

Die Bundys sind als streitbare Familie bekannt und sie kämpfen schon lange gegen den Staat und insbesondere gegen ein Gesetz, den Taylor Grazing Act aus dem Jahr 1934. Dieses Gesetz berechtigt den Staat, auf öffentlichem Grund Weidegebühren einzuheben, welche ihm jährlich Einnahmen in Millionenhöhe bescheren. Die Bundys weigern sich vehement, diese Gebühr an die Regierung zu entrichten, da sie die Meinung vertreten, dass nach alter amerikanischer Tradition öffentlicher Grund allen gehört.

Der nun eskalierte Konflikt hat viele Facetten. Es geht um den Kampf einiger hier verbliebener Rancher um ihre Existenz und gegen die Gängelung freier Bürger durch staatliche Behörden. Es geht auch um den Konflikt des öffentlichen Interesses gegen das private Interesse der Rancher, wirtschaftlich überleben zu können. Es geht laut den Besetzern um Protest gegen staatliche Willkür, gegen ein unverständliches Gerichtsurteil und um die Verteidigung der Freiheit.

Ausgangspunkt der Besetzung

Zur Besetzung kam es am 2. Jänner im Anschluss an eine Solidaritätsdemonstration von etwa 300 Bürgern in der Stadt Burns, Oregon. Auslöser für den Protest war die Verurteilung des Ranchers Steve Hammond und seines Sohnes zu fünf Jahren Haft wegen Brandstiftung und deren  bevorstehender Haftantritt am 4. Jänner. Nach Ansicht des Gerichtes hätten sie sich schuldig gemacht, auf ihrem Land vorbeugend Feuer gelegt zu haben, welches in der Folge auf Land in Bundesbesitz übergegriffen hat. Die „Brandstiftung“ wurde als terroristischer Akt beurteilt. Das harte Urteil stieß in der Bevölkerung weithin auf Unverständnis.

Vermutet wird eine Intrige von radikalen Umweltvereinigungen, die in der Region eine riesige rinderfreie Zone einrichten wollen. Diesem Ziel ist bzw. war Hammond mit seinem Landbesitz und langfristigen Nutzungsrechten auf öffentlichem Land im Wege. Zusätzlich hatte er sich bei den Umweltbehörden unbeliebt gemacht, als er vor Jahren von in das Naturschutzgebiet fließendem Quellwasser etwas abzweigte, um eines seiner ausgetrockneten Felder zu bewässern.

Durch seine Verurteilung wird Hammond von den Aufständischen wahrscheinlich als Symbolfigur staatlicher Willkür und Repression gesehen, der sie sich selbst auch ausgesetzt sehen. Hammond soll sich allerdings von deren Aktion distanziert haben.

Solidarität aus anderen US-Bundesstaaten

Mittlerweile bekommen die Besetzer Verstärkung aus anderen Teilen der USA. Im Rahmen einer gestern abgehaltenen Pressekonferenz bot etwa ein Sprecher des "Pacific Patriots Network" den Bürgern an, sie im Umgang mit Schusswaffen zu traineren. Sollte die Regierung gegen die Besetzer eingreifen befürchte er einen Flächenbrand so heftig wie die amerikanische Revolution im Jahr 1776.

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