Rettungsleute frieren im Winter: "Sind in Wien die Menschen weniger wert als Abfall?"

Medienwirksam stellte Stadträtin Sonja Wehsely 2015 die neuen Uniformen für die Berufsrettung vor. Doch bei den Mitarbeitern soll die "Schutzbekleidung" noch nicht angekommen sein. Foto:  Walter Schaub-Walzer / PID
Medienwirksam stellte Stadträtin Sonja Wehsely 2015 die neuen Uniformen für die Berufsrettung vor. Doch bei den Mitarbeitern soll die "Schutzbekleidung" noch nicht angekommen sein.
Foto: Walter Schaub-Walzer / PID
11. Februar 2016 - 6:31

Die Mitarbeiter der Wiener Berufsrettung verstehen die Stadtpolitiker nicht mehr. Einer wandte sich verzweifelt an die Unzensuriert-Redaktion:

Wir tragen immer noch die selben Uniformen wie vor zehn Jahren. Wir frieren immer noch im Winter. Wir knien immer noch ohne Knieverstärkung oft 30 Minuten am Betonboden während wir reanimieren!

Das Unglaubliche: Die zuständige Stadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) hat sich bereits im September 2015 grinsend mit den neuen Uniformen fotografieren lassen. Doch wo sind diese "Einsatzuniformen, die sicherheitstechnisch auf dem neuesten Stand sind"?

Stadträtin Wehsely ignoriert Presseanfrage

Seit 4. Februar versucht unzensuriert.at sowohl von Stadträtin Sonja Wehsely als auch direkt von der Berufsrettung eine Stellungnahme zu bekommen. Drei Mailanfragen blieben bis dato unbeantwortet. Frau Stadträtin spricht halt nicht mit jedem Journalisten. Schon gar nicht mit einem, der aufdecken möchte, was in der Stadt schief läuft. Und bei der Wiener Berufsrettung scheint einiges los zu sein, was die Mitarbeiter auf die Barrikaden steigen lässt. Dass die Rettungsleute bei Einsätzen frieren, dass die sogenannte Schutzbekleidung bei kleinster Beanspruchung reißt und dass sich die zuständige Stadträtin mit einer Uniformübergabe in der Öffentlichkeit präsentiert, die angeblich gar nicht stattgefunden hat, ist schlimm genug. Doch was auf die Berufsrettung ab Februar zugekommen sein soll, macht die Betroffenen wütend. Ein Insider berichtete unzensuriert.at:

Fahrzeuge der Wiener Berufsrettung werden ab Februar 2016 nur noch mit zwei, statt drei Sanitätern besetzt. Der komplette Bereich "Süd", welcher die Stationen Arsenal, Atzgersdorf, Penzing und Simmering beinhaltet, wird auf Zwei-Mann-Betrieb umgestellt. Internen Gerüchten zufolge, sollen bis Ende des Jahres alle Rettungsfahrzeuge der Wiener Berufsrettung zu zweit ausfahren.

"Wir werden beleidigt, bespuckt und geschlagen"

Der Rettungsmitarbeiter zeigt sich ob dieser Regelung geschockt, denn in einer Zeit, wo es immer öfter gewalttätige Patienten oder Angehörige gebe, reduziere man das Personal:

Regelmäßig werden wir beleidigt, bespuckt und auch geschlagen. Regelmäßig wird uns die Mittagspause verwehrt, da es das aktuelle Einsatzaufkommen nicht zulässt. Weiters stellt sich die Frage, wer als Traghilfe hinzukommt, wenn die beiden Sanitäter mit der Bergung eines 150 kg schweren Mannes überfordert sind?

Dazu hätte unzensuriert.at gerne eine Antwort von Stadträtin Wehsely gehabt. Doch die SPÖ-Politikerin sonnt sich anscheinend lieber im Blitzgewitter der Pressefotografen, als sich den Problemen der Stadt zu stellen. So fragt sich auch der Rettungsmitarbeiter, der Menschen zu transportieren hat:

Sind in Wien die Menschen wirklich weniger wert als Abfall? Denn die MA 48 leert ja bekanntlich weiterhin unsere Mistkübel mit drei Mann aus.

Auskunft erhielt unzensuriert.at vom Vorsitzenden der AUF-Personalvertretung bei der Wiener Berufsrettung, Thomas Berl. Er bestätigte die Vorwürfe des Insiders sowohl was die Uniformen als auch die Zwei-Mann-Besatzung bei den Einsatzwagen betrifft.

wandere aus, solange es noch geht

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Kommentare

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Beweis dafür, dass wir lauter Unfähige in der Regierung haben. Aber alle sind zum Kassieren ihrer Honorare fähig. Das ist Politik!

Exodus

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Ich bin zurzeit Zivildiener bei der Rettung(rotes Kreuz) in der Steiermark und ich muss schon sagen, dass ich diesem Bericht nicht wirklich traue. Wir sind auch öfters mal nach Wien unterwegs und die haben die gleiche Ausrüstung an, wie wir auch. Mit Knieverstärkung! Des weiteren wird es wohl klar sein, dass man bei so einem Beruf die Mittagszeit nicht immer gleich sein kann! Bei einem Notfall muss gefahren werden, da kann man doch nicht warten bis fertiggegessen wurde. In der Steiermark ist auch jeder RTW mit 2 Mann besetzt, da es ja auch nicht mehr braucht. Dieser Artikel dürfte falsch sein

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nach nun mehr fast30 jahren als ehrenamtlicher bei einer rettungsorganisation nahe wien folgendes. keiner der nicht fast täglich nach wien in spitäler fährt oder dort sogar selbst einsätze als hilfestellung für die ma70 hatte, kann erahnen was in wien los ist. die bekleidung ist das eine die geplante besetzung mit nur mehr 2 sanis an bord das andere. die klientel in wien ist leider so dass ich dort als ehrenamtlicher sicher nach einem jahr das hangerl geworfen hätte. nur mehr sozialromantische träumer gehen als ehrenamtliche in wien oder eben zivis aus der not. nebenbei alleine was wien in der ma7o mit den "quotenweiberln " vor ein zwei jahren dort aufführte ist an blödheit nicht zu überbieten. als einsparungen anstanden wurde junge männer heimgeschickt und die quotenfrälen durften bleiben, super wenn du dann mit so einem zarten bauxerl zu zweit einen einsatz in der großfeldsiedlung mitterhofergasse oder rennbahnweg hast und einen ausgefressenen aus dem 5 stock zu tragen hast.

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Geh einmal nach Wien und dann arbeite bei der Gemeinde Wien. Entweder du hast drei rote Parteibücher und schwimmst mit dem Strom, oder du hängst dich besser gleich auf. LIEBER TOT ALS ROT! Ausserdem werden sie Dich lynchen wenn Du bei einem Wohnungseinsatz z.B. auf den Strassenbahnschienen stehst und der Verkehr zusammenbricht. Oder gehst Du zuerst auf Parkplatzsuche? Zu dritt bleibt der Lenker beim Fahrzeug. Und dann gibt es noch etliche Dienststellen, die den 24er haben. Da kann es Dir schon passieren dass du 10 oder mehr Stunden nicht zum essen kommst. Ja mein lieber Steirer, Wien ist anders!

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Aber mit dem muss man bei diesem Beruf eben rechnen, sonst hat man sich den falschen Beruf ausgesucht! Es gibt auch bei uns Tage, da kommt man nicht zum Essen, ist halt so! Auch 24er sind bei uns keine Seltenheit!

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Wie im intramuralen Bereich wird sich im extramuralen zu Tode gespart! Es geht nur um das liebe Geld. Kein Mensch interessier sich für die Patienten oder den Mitarbeiter. Wenn die Mitarbeiter nun klagen wie schwer die Arbeit wird, wie sich die Qualität der Versorgung ändert..., egal was, es wird als lächerlich herab gespielt und für die Öffentlichkeit glaubhaft argumentier. Gefragt sind nicht nur die betroffenen Mitarbeiter, sondern auch die Bürger dieser Stadt! Jeder idiitot kann seit Monaten zusehen oder in den Medien lesen wie der Gesundheitsbereich atomisiert wird. Jeder sieht dabei zu! Wann bewegen sich die Wiener? Erst wennst eine Rettung oder einen Operationtermin brauchst? Dann ist es aber zu spät. Wir müssen laut und präsent werden, es gibt nur den Weg auf die Straße. Eine gscheite Demo muss her, nicht nur eine, solange bis die Zustände aufhören und endlich ein menschlicher weg eingeschlagen wird!

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schon mit ihrem spiegelbild überfordert. und dann kommen noch solche "vorwürfe" auf sie zu. wo sie es doch immer so gut meint. eines muß man ihr aber lassen, sie kann genauso wie ihre kollegen brauner und sima grenzenlos die leut verarxxen, aber immer brav werbewirksam lächeln...

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gilt diesen Menschen die Tag für Tag, bei jedem Wetter versuchen Menschenleben zu retten. Und nicht gerade für üppiges Salär bei familienfeindlichen Diensten. Für diese Menschen, von denen viele Idealisten sind, MUSS etwas getan werden.
Bei diesen Leuten zu sparen möchte ich schon fast als kriminell bezeichnen. Fälle, wo bewiesen ist, dass das Leben oder die Gesundheit des Patienten zu retten gewesen wäre, wenn ausreichend Personal zur Verfügung gestanden wäre, sind persönlich den Verantwortlichen anzulasten!

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es gibt mehrere Möglichkeiten:
1. wirst du bespuckt, getreten oder beschimpft, gehe in längerfristigen
Krankenstand, wegen pysischen bzw. psychischen Ursachen,
wie Angstzustände, Traumatisierung, Verletzung, ...
2. Kündigung einreichen wegen unzumutbaren Arbeitsbedingungen,
und Mindestsicherung beantragen.
3. Streiks organisieren.
4. Und dies können ALLE leicht umsetzen: bei den nächsten Wahlen nie mehr rot,
grün oder schwarz wählen!!!

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… sind eben noch immer zu wenig sogenannte „Flüchtlinge“. Wäre jeder 3. Einsatz für solche Leute, wäre plötzlich Geld zur Genüge da.

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