ARD verfälscht nach Interview Aussagen von Syriens Präsident Assad

Die ARD interviewte Syriens Präsident Baschar al-Assad und verdrehte im Nachhinein dessen Aussagen. Foto: watchsmart / flickr (CC BY 2.0)
Die ARD interviewte Syriens Präsident Baschar al-Assad und verdrehte im Nachhinein dessen Aussagen.
Foto: watchsmart / flickr (CC BY 2.0)
3. März 2016 - 11:57

Rund vier Jahre lang hat sich der deutsche öffentlich-rechtliche Fernsehsender ARD um ein Interview mit dem syrischen Präidenten Baschar al-Assad bemüht. Nun gelang es einem ARD-Reporter, Assad zu interviewen, doch dessen Aussagen wurden prompt verzerrt und bewusst falsch wiedergegeben. Auch die deutsche Prersseagentur dpa übernahm die Falschaussagen.

Aus USA und Alliierten werden Russland und Iran

Konkret ging es um die Frage, ob Syrien denn noch ein souveräner Nationalstaat sei, angesichts der dutzenden militärischen Parteien, die mittlerweile in den Konflikt involviert sind, oder ob die Politik mittlerweile "in Teheran und Moskau" gemacht werde. Assad antwortete darauf, dass zahlreiche Söldner und Milizen in seinem Land aktiv seien, und zusätzlich durch die Verletzung des Luftraumes durch die USA und ihrer Allierten von keiner Souveränität im klassischem Sinne mehr gesprochen werden könne. Dennoch würden die Verfassung und politische Institutionen immer noch funktionieren.

Der Interviewer Thomas Aders interpretierte diese Aussage kurzerhand um und meinte, Assad wolle sein "Regime" um jeden Preis am Leben erhalten. Die Souveränität sei zudem nicht durch die USA und die Alliierten gefährdet, sondern durch die Waffenhilfe Russlands, des Irans und der libanesischen Hisbollah. Dies behauptete Assad jedoch an keiner Stelle des Interviews.

DPA übernimmt Falschmeldung

Die vom Interviewer nachträglich verfälschten Aussagen, welche angeblich von Assad stammten, wurden prompt von der deutschen Presseagentur übernommen. Sie ziterte den syrischen Präsidenten mit den Worten: „Er räumte ein, dass Syrien nicht mehr ,vollständig souverän‘ sei und militärische Hilfe aus Russland, dem Iran und aus dem Libanon erhalte.“ Kein Wort wurde jedoch über Assads Kritik an der westlichen Allianz wiedergegeben, die dieser für die Verletzung des Luftraumes und schließlich den Souveränitätsverlust verantwortlich machte. 

Alles rund um den Syrien-Konflikt und die nun antizipierte Waffenruhe finden sie in der aktuellen Ausgabe von unzensuriert-TV:

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