188 Millionen Euro für Medien: Der Boulevard kassiert und schreibt "ungeniert"

Fünf Mal so viel wie die Presseförderung gibt die öffentliche Hand für Werbeeinschaltungen in Zeitungen, vor allem in Boulevard-Blättern, aus. Foto: Nicholas Boos / flickr  (CC BY-ND 2.0)
Fünf Mal so viel wie die Presseförderung gibt die öffentliche Hand für Werbeeinschaltungen in Zeitungen, vor allem in Boulevard-Blättern, aus.
Foto: Nicholas Boos / flickr (CC BY-ND 2.0)
17. März 2016 - 14:15

Einmal eine rhetorische Frage: Warum müssen Kronen Zeitung, Heute und Österreich das schreiben, was der Regierung gefällt? Mutmaßungen liegen auf der Hand: Weil sie den größten Kuchen der Inseratenschaltungen einheimsen. Nämlich – und das ist seit den veröffentlichen Daten der Medienbehörde KommAustria amtlich – mehr als ein Viertel der rund 118 Millonen Euro, die Ministerien, Länder und ihnen nahe stehende Unternehmen im Jahr 2015 für Werbung ausgegeben haben.

Wien "schmiert" Zeitungen am meisten

Die Zahlen wurden im Rahmen des Medientransparenzgesetzes von den betroffenen Ministerien und Ländern selbst gemeldet. Interessant dabei: Wien entpuppte sich wieder als größter Einzelwerber. Die Medien, vor allem der Boulevard, wissen, was sie an Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) haben. Der gab 46 Millionen für seine Medienfreunde aus, das ist fast ein Viertel aller öffentlichen Werbeeinschaltungen. Die verschiedenen Bundesministerien gaben im Vorjahr viel, viel weniger aus – „nur“ rund 14,7 Millionen.

Mehr als 51 Millionen Einnahmen für Krone & Co.

Gut zu beobachten: Wo Kanzler Werner Faymann (SPÖ), Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) und vor allem der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) gut wegkommen, da findet man auch die meisten Inseratenschaltungen, die die Allgemeinheit bezahlt. 2015 – und das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen – verbuchten Kronen Zeitung, Heute und Österreich mehr als 51 Millionen Euro Einnahmen für Inserate und Werbekooperationen. Das ist mehr als fünf Mal so viel wie die gesamte gesetzliche Presseförderung. Diese liegt bei knapp neun Millionen Euro.

Aufgelistet liest sich das so: 22,6 Millionen für die Kronen Zeitung, 14,4 Millionen gingen an das aus dem gleichen Haus stammende Heute und 14 Millionen bekam das Fellner-Blatt Österreich.

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