Der österreichische Humor und der österreichische Rundfunk

Grissemann und Stermann: Die Geistesriesen in der Humorabteilung des Staatsfunks. Foto: Manfred Werner - Tsui / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
Grissemann und Stermann: Die Geistesriesen in der Humorabteilung des Staatsfunks.
Foto: Manfred Werner - Tsui / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
28. März 2016 - 15:41

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Kann es sein, dass der Österreichische Rundfunk derzeit einen sehr speziellen Bildungsauftrag zu erfüllen hat? Weil schon länger die Kritik laut wird, dass der Zwangsgebührenzahler mit amerikanischen Billigserien belästigt wird, dürfte sich der ORF am Riemen reißen und mit aller Kraft versuchen, das fernseherische Niveau noch weiter zu senken.

Kommentar von Unzensurix

Um das zu erreichen, bietet sich eine besondere Form der Volksverdummung an, die sich Comedy nennt. Da dieses Wort im Englischen Komödie bedeutet, hofft man wohl, dass der Fernsehzuschauer deswegen eine Verbindung zum Humor herstellt. Denn, das muss man wohl zugeben, gerade in einer Zeit, wo die Humorlosigkeit zum Prinzip erhoben wird, täte es gut, ein bisschen die Sorgen ins Leo zu verbannen, um nicht ständig mit der Schauerlichkeit der Welt konfrontiert zu werden.

Gern erinnert sich man an das kongeniale Duo Farkas – Waldbrunn, welches, textlich durch Hugo Wiener unterstützt, den Zeitgeist ordentlich aufs Korn nahm, oder an Helmut Qualtinger, dessen subtile Bösartigkeit manchen Spiegel der österreichischen Seele ordentlich zerbrochen hat.

Diese Liste ließe sich nahezu unendlich weiterführen (Maxi Böhm, Heinz Holecek, Cissy Kraner, Otto Grünmandl etc.) und man könnte deswegen daran glauben, dass auch gegenwärtig menschliche Schwächen ein Fundus für Komiker oder Satiriker wären.

Futtertrog nur für politisch Zuverlässige

Tadellose Versuche und auch gelungene Projekte gab es in den letzten Jahren allemal (z.B. Hader oder Düringer), wobei man halt darüber hinwegsehen muss, dass niemand die Hand beißt, die einen füttert, und der Futtertrog in Österreich nur jenen hingestellt wird, die als politisch integer gelten, was hauptsächlich heißt, bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit die FPÖ anzuprangern. Aber das ist man in Österreich bei nahezu jedem Kulturschaffenden gewohnt!

Staatskünstler werben für Staatfirma

Doch unter dem Begriff "Comedy/DIE Nacht" kann man derzeit erleben, wie sich der ORF bemüht, den österreichischen Humor mit aller Gewalt abzukrageln, um stattdessen die vom Staat wahrscheinlich geforderte (geförderte) Massenverblödung herbeizuführen. Denn wenn zwei selbsternannte Geistesriesen in ihrer senilen Talkshow sich bemüßigt fühlen, ab und an einen Seitenhieb auf ihre Brötchengeber (ORF und Konsorten) abzugeben, klingt das ungefähr so, wie wenn ein grüner Präsidentschaftskandidat ununterbrochen versucht, seine politische Unabhängigkeit am Tablot zu servieren. (Weil wahrscheinlich die Zwangsgebühren immer noch zu niedrig sind und der ORF seine Staatskünstler nicht mit dem Gehalt ihrer Direktoren ausstatten kann, müssen diese armen Burschen auch noch für Wasserkraft – ein Produkt der Staatfirma Verbund – werben, damit ihnen ihre finanziellen Felle nicht davonschwimmen. Dabei vermute ich eher, dass sie Wasser höchstens in kohlensäurehaltiger Form für ihren Spritzer benötigen.)

Wenn man dann allerdings noch immer nicht so klug war, die Fernbedienung in die Hand zu nehmen, um auf Off zu drücken, muss man sich leider selbst die Frage stellen, wie es um den Geisteszustand unseres Landes steht. Denn wenn eine Riege völlig talentloser Akteure (beim Wort Schauspieler denke ich eher an Oskar Werner oder Hans Moser) versucht, durch eine Anhäufung von Geschmacklosigkeiten (Vater wird im See versenkt; Priester am Häusl belästigt…) lustig zu wirken, wäre zu rätseln, was der ORF tatsächlich mit solchen Sendungen bezweckt.

Die besten Kabarettisten sitzen in der Regierung

Handelt es sich etwa um die Erfüllung seines hochgepriesenen Kulturauftrags? Dieser ist es ja, mit dem er seine Zwangsgebühren (inklusive Kunstförderungsbeitrag) verteidigt. Deswegen dürfte sich der ORF ja darauf besinnen, dass es in der heutigen Zeit gar nicht mehr notwendig sein muss, irgendetwas Anspruchsvolles (das inkludiert natürlich den Humor) zu produzieren, weil sich das gesamte Kulturschaffen dem vielgepriesenen Zeitgeist anpassen muss. Und jener fordert geradezu, dass man jegliche intellektuelle Aktivität ablegen soll, um nicht auf irrleitende Gedanken zu kommen, wie etwa, dass die talentiertesten Kabarettisten derzeit in Österreich das politische Sagen haben…

Und die sind sowieso in der Glotze allgegenwärtig!

PS: Man möge mir verzeihen, dass ich einige Namen nicht nenne, aber meine Finger haben gekonnt verhindert, diese in die Tastatur zu affichieren… 

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