Syrische Kritik an USA: "Hätten sie uns geholfen, wäre Palmyra nie an Terroristen gefallen!"

Russische Su-24 am syrischen Stützpunkt Latakia: Mit ihrer Unterstützung wurden die IS-Terroristen zurückgedrängt. Foto: Mil.ru / Wikimedia (CC BY 4.0)
Russische Su-24 am syrischen Stützpunkt Latakia: Mit ihrer Unterstützung wurden die IS-Terroristen zurückgedrängt.
Foto: Mil.ru / Wikimedia (CC BY 4.0)
30. März 2016 - 6:32

Nach der Rückeroberung der antiken Ruinenstadt Palmyra durch die reguläre syrische Armee werden schwere Vorwürfe gegen die seit 2014 von den USA geführte Allianz laut: Die habe "keinen Finger gerührt, als die Terroristenmiliz des IS im Mai 2015 auf die Stadt vorgerückt sind", betont nun eine Beraterin des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad gegenüber dem Magazin RT Deutsch. Tatsächlich schafften Assads Truppen die Rückeroberung der Weltkulturerbestätte Palmyra und der anschließenden Neustadt Tadmor in der Vorwoche erst mit effektiver Unterstützung des russischen Militärs. Davor war der 2.000 Jahre alte, ehemalige Touristenmagnet zehn Monate lang in der Hand des Islamischen Staats, der einige Kulturstätten als Zeugnis ungläubiger Kulturen zerstören ließ.

Terror-Bekämpfung nur Lippenbekenntnis der USA

„Die Satelliten der USA hätten die Terroristen schon auf dem Weg nach Palmyra erkennen können und die US-Koalition hätte einen Luftangriff starten können“, erklärte Präsidentenberaterin Bouthaina Shaaban gegenüber RT Deutsch, "hätte die US-Koalition wirklich den Terror bekämpft, wäre Palmyra nicht an den IS gefallen". Sie geht sogar so weit zu behaupten, die USA und ihre Verbündeten hätten "nur vorgegeben, etwas gegen den Terrorismus zu tun", in Wirklichkeit hätten sie aber "nichts getan, um deren Vormarsch zu verhindern".

Tatsächlich erscheint es fragwürdig, warum die von Satelliten und Drohnen unterstützten High-Tech-Bomber der US-Allianz zwar sporadisch (dann aber umso euphorischer) von der gezielten Tötung irgendeines hochrangigen Terroristen-Chefs berichten können, aber bisher nicht merkbar imstande waren, barbarische Attacken des IS auf Zivilisten, Andersgläubige und unersetzbare Kulturstätten verhindern zu helfen.

Hilfe für Rebellen verklängert Bürgerkrieg

Stattdessen unterstützte man lieber „moderate“ syrische Rebellengruppen. Ein idealer Weg, die verworrenen Fronten des seit mehr als vier Jahren lodernden syrischen Bürgerkrieges auf unbestimmte Zeit weiter am Laufen zu halten. Waren doch Kriege und Destabilisierungen in diversen Ländern – etwa Irak, Libyen – immer ein Bombengeschäft für die „Weltpolizei“ USA.

Natürlich ist auch Wladimir Putin kein Chorknabe und die Unterstützung Assads eine willkommene Gelegenheit, sich militärisch, logistisch und ökonomisch im Mittelmeer-Raum zu etablieren. Aber immerhin spielt Putin mit halbwegs offenen Karten – und unterstützt zudem keine Rebellen, sondern eine legitime, international anerkannte Regierung dabei, ihr Land wieder zu stabilisieren. Eine Vertreibung der Regierung Assads würde Syrien mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Jahre hinaus in ein blutiges Chaos wie derzeit etwa in Libyen stürzen.

Putin straft Türkei als einziger mit spürbaren Sanktionen

Russland hat – im Gegensatz zu den USA – auch klare Worte zur doppelbödigen Strategie der Türkei gefunden, die offiziell den IS bekämpft, inoffiziell aber Waffen- und Ölgeschäfte mit den Terroristen betreibt, dies aufdeckende Journalisten vor Gericht stellt und das Gros seiner militärischen Potenz gegen die Kurden und nicht gegen den IS mobilisiert. Nach dem Abschuss eines russischen Kampfflugzeuges SU-24 Ende November 2015 an der syrischen Grenze durch mutmaßlich türkische Waffen hat Putin im Rahmen harter Sanktionen nahezu alle wirtschaftlichen Beziehungen zu den Türken eingefroren. Für die Russen verkraftbar, für die Türkei das Wegbrechen eines riesigen Marktes vor der Haustür, der alleine rund 60 Prozent aller Obst- und Gemüseexporte der Türken umfasste.

Die USA hingegen beklagen zwar medial die Menschenrechtsverletzungen unter Recep Tayyip Erdogans Führung, sind aber in Form der NATO vor allem militärisch stark mit dem Land am Bosporus verbunden – starten doch ihre Kampfjets großteils von der türkischen Militärbasis Incirlik, wo neben den Flugzeugen auch rund 1.500 US-Soldaten stationiert sind. Mit welchem Auftrag, scheint immer weniger durchschaubar.

Unzensuriert-TV: Syrien - Ist Frieden möglich?:

 

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