Glyphosat: US-Agrarchemiekonzern Monsanto hat in der EU bessere Argumente als Wissenschaftler

Der US-Konzern Monsanto wird in Europa sein Gift voraussichtlich weiterhin vertreiben dürfen. Foto: Karen Elliot/Wikimedia(CC BY-SA 2.0)
Der US-Konzern Monsanto wird in Europa sein Gift voraussichtlich weiterhin vertreiben dürfen.
Foto: Karen Elliot/Wikimedia(CC BY-SA 2.0)
15. April 2016 - 13:46

Die Zulassung für das Pflanzengift Glyphosat in der Europäischen Union läuft im Juni dieses Jahres aus. Die Neuzulassung des Giftes, das im dringenden Verdacht steht, krebserregend zu sein, ist umstritten. Mit 374 zu 225 Stimmen bei 102 Enthaltungen stimmten am Mittwoch die Abgeordneten des EU-Parlaments einer Verlängerung der Zulassung für weitere sieben Jahre zu.

Giftlobby hatte bessere Argumente als die Wissenschaft

Mit ihrem Ja zur weiteren Zulassung setzten sich die Vertreter der konservativen Parteien und der Sozialisten zum Beispiel über alle Warnungen der Wissenschaftler der WHO hinweg. Und dies, obwohl sich selbst die Experten der einzelnen Mitgliedsländer nicht einig sind, ob man das Pflanzengift als krebserregend einstufen soll oder nicht. Einig waren sich jedoch die Vertreter der beiden großen politischen Blöcke. Der US-Konzern Monsanto scheint die besseren Argumente gehabt zu haben, als die internationale Wissenschaft. Um welche Argumente es sich dabei gehandelt haben mag, möge jeder selbst für sich beurteilen. Um den Schein zu wahren, wollen die „Volksvertreter“ die Zulassung nur um sieben statt der beantragten 15 Jahre verlängert sehen. Und um ihr Gewissen noch etwas weiter zu beruhigen, forderten die Parlamentarier die Kommission auf, eine Liste von Beistoffen zu erstellen, die in Insektenvernichtungsmitteln nicht mehr verwendet werden dürfen. Außerdem soll ein Plan erarbeitet werden, um den Einsatz des Pflanzengifts zu reduzieren.

„Unbedenklichkeitsstudie“ stammt von Pflanzengiftkonzernen

Die Abgeordneten stützten ihre Entscheidung anscheinend auf ein Gutachten der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die das Pestizid Glyphosat als „wahrscheinlich nicht krebserregend“ deklariert hatte. Bezeichnend für die Macht der Giftlobby ist der Umstand, dass die Entscheidung der EFSA wesentlich auf drei Studien beruht, die allesamt aus der Feder glyphosatherstellender Firmen stammen.

Endgültige Entscheidung obliegt EU-Kommission und Mitgliedsländern

Anfang März hatten die Mitgliedsländer und die EU-Kommission eine Entscheidung über die Wiederzulassung von Glyphosat vertagt, da im zuständigen Fachausschuss, dem Experten aller 28 Mitgliedsländer angehören, keine Mehrheit für einen Beschluss zustande kam. Die Entscheidung soll nun im Mai nachgeholt werden. Österreichs zuständiger Bundesminister Andrä Rupprechter will seine Zustimmung von der Expertise der damit beauftragten Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) abhängig machen. Die deutsche Bundesregierung ist Meldungen zufolge bereits vor der Macht des US-Konzerns eingeknickt.

 

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