Rot-schwarze „Experten“ betrauern rot-schwarze Performance und hoffen auf Griss

Wolfgang Rosam (rechts) weint dem rot-schwarzen System noch nach, Stefan Albin Sengl (links) denkt schon etwas weiter. Foto: Renée Del Missier / The Skills Group bzw. Rosam Change Communications GmbH / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
Wolfgang Rosam (rechts) weint dem rot-schwarzen System noch nach, Stefan Albin Sengl (links) denkt schon etwas weiter.
Foto: Renée Del Missier / The Skills Group bzw. Rosam Change Communications GmbH / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
22. April 2016 - 9:02

Armin Wolf begrüßte am Mittwoch Abend in der ZiB2 zwei Gäste, die er als „Kommunikationsberater“ vorstellte. Für einen von ihnen – Wolfgang Rosam – wurde auch schon der Begriff „Lobbyist“ verwendet. Der andere – Stefan Albin Sengl – leitete die Wahlkampagnen für den noch amtierenden Präsidenten Heinz Fischer. Beide sind bestens vernetzt mit dem rot-schwarzen System, wie die Kunden ihrer Agenturen zeigen. Sengl betreut mit seiner „Skills Group“ derzeit beispielsweise die Wirtschafts- und die Arbeiterkammer, Rosam mit „Rosam Change Communications“ ebenfalls die Wirtschaftskammer und den ORF.

Van der Bellen und Hofer totgeschwiegen

Geladen waren die beiden, um das Finale des Bundespräsidentschafts-Wahlkampfes zu kommentieren. Dort liegen derzeit Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer in den Umfragen voran. Beide Namen fielen in dem acht Minuten und 35 Sekunden dauernden Gespräch kein einziges Mal, dafür umso öfter der von Irmgard Griss.

Rot-schwarzes System setzt jetzt auf Griss

Das bekräftigt den Eindruck, den Beobachter in den letzten beiden Wochen gewonnen haben. Nachdem die Kandidaten der Regierungsparteien, Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und Andreas Khol (ÖVP), kaum noch Chancen auf die Stichwahl haben dürften, versucht das rot-schwarz dominierte polit-mediale Establishment nun, durch gesteigerte Aufmerksamkeit für Griss zu retten, was zu retten ist. Immerhin verdankt auch die ehemalige Präsidentin des Obersten Gerichtshofs die Krönung ihrer Karriere dem rot-schwarzen Proporz und wird daher als im Grunde verlässlich eingestuft.

Lobeshymne auf „unabhängige, parteifreie Frau“

Besonders Sengl ging das Herz über, als er über Griss sprach:

Sie ist unabhängig, parteifrei, keine Politikerin, eine Frau. Das sind alles Dinge, mit denen sie Alleinstellungsmerkmale hat, die sie auch schnell unterscheidbar machen. Das heißt, selbst wenn man weniger Wahlkampfmittel, weniger Budget hat, weniger Werbemöglichkeiten hat, ist das doch auch ein Vorteil.

Immerhin räumte er ein, dass auch die Medien für Griss arbeiten:

Das heißt, sie hat schon, was die Medienpräsenz betrifft, zum Teil mehr Medienpräsenz als andere, die mehr werbliche Budgets und mehr werbliche Möglichkeiten haben. Das alleine zum Beispiel gleicht schon einiges aus.

Rosam: Schwacher rot-schwarzer Wahlkampf „leider Gottes“

Rosam hingegen konnte sich mit der Systemalternative Griss noch nicht allzu sehr anfreunden und betrauerte die schwache Performance von Rot und Schwarz:

Wie man generell überhaupt sagen muss, dass die beiden Vertreter der Regierungsparteien nicht unbedingt den tollsten Wahlkampf hinlegen leider Gottes.

Kritik übte Rosam an „Abweichlern“ wie dem ehemaligen Vizekanzler Erhard Busek (ÖVP), der angekündigt hatte, Griss zu wählen, oder dem roten Spitzendplomaten Wolfgang Petritsch, der für Van der Bellen stimmen will:

Man darf sich wundern, dass zwei Parteigänger, die ewig lange - Busek in der ÖVP und Petritsch in der SPÖ - ihre Karriere gemacht haben, die Partei hat sie jahrzehntelang unterstützt, sich nicht zu schade sind, jetzt einen Kandidaten, der noch dazu am Boden liegt und nicht unbedingt gerade groß performt, noch ihren Senf dazugeben. Die Herren könnten sich das wirklich sparen, der Öffentlichkeit mitzuteilen, warum sie ihre Kandidaten ihrer Partei, der sie ja schließlich angehören, nicht unterstützen und für einen anderen Kandidaten voten. Ich finde das nicht anständig, das ist überflüssig.

Kritische Nachfrage zu dem Gesagten gab es von Armin Wolf keine, saß er doch mit „Experten“ im Studio. Dass auch diese Position schwer ohne den richtigen „Stallgeruch“ zu erreichen ist, versteht sich in Österreich ohnehin von selbst.

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