In der umkämpften Ostukraine werden 100.000 schwerkranke Menschen, viele davon Kinder, ihrem eigenen Schicksal überlassen.

Bild: Engyles / flickr (CC BY 2.0)
Ukraine überlässt 100.000 sterbenskranke Menschen in Bürgerkriegsregion ihrem Schicksal

Nahezu unbemerkt von der westlichen Öffentlichkeit, spielt sich in der Donbass-Region der umkämpften Ostukraine eine neuerliche humanitäre Katastrophe ab. Durch die Blockade sämtlicher Hilfslieferungen in die Region durch das ukrainische Militär, werden 100.000 (!) sterbenskranke Menschen, viele davon Kinder, sich selbst überlassen. Hinzu kommen 8.000 mit HIV infizierte Menschen, denen lebensnotwenidge Medikamente ausgehen.

Eine der höchsten HIV-Raten in Europa

Der Ukraine, einem der europäischen Länder mit der höchsten HIV-Rate unter der Bevölkerung, droht eine neurliche Aids-Epidemie aufgrund der prekären Gesundheitslage im Osten des Landes. Seit Beginn des Bürgerkrieges ist es nämlich eine Strategie der proeuropäischen Regierung, den Leuten in der Donbass-Region lebensnotwendige medizinische Hilfe und Versorgung vorzuenthalten. Das Argument: Man wolle nicht, dass medizinische Logistik oder Finanzhilfe in die Hände von Separatisten falle. Im November letzten Jahres wurden schließlich sämtliche Finanz- und sonstigen Hilfen in die Region Donbass unterbunden. Die sterbenskranken Menschen müssten sich selbst darum kümmern, wie sie in andere Spitäler der Westukraine kommen. Dies ist wegen der Kämpfe und des Gesundheitszustandes vieler schier unmöglich.

Nun fallen Impfkampagnen ebenso wie Seuchenmonitoring in der Region aus. Auch Blutkonserven werden nicht mehr bereitgestellt, weshalb nicht nur die Aids-Rate aufgrund der provisorischen Bluttransfusionen mit verunreinigten Nadeln dramatisch ansteigt. Auch der Ausbruch von Polio ist bereits in einigen Gebieten dokumentiert.

Ukrainische Regierung erlaubt nicht einmal UNO-Hilfe

Aber auch die Behandlung von Suchtkranken wurde eingestellt. Heroinabhängige bekommen etwa kein Methadon mehr, das zur Behandlung der Sucht eingesetzt wird. Viele sterben an den Folgen des radikalen Entzuges oder gleiten wiederum in die illegale Sucht ab, was ebenfalls hochriskant ist, da die Straßendrogen in der Kriegsregion stark verunreinigt sind. Sowohl die Internationale HIV/Aids Allianz wie auch Ärzte ohne Grenzen appellierten bereits an die ukrainsiche Regierung, zumindest die lebensnotwendigsten medizinsichen Güter wieder in die Donbass-Region zu liefern. Die Regierung blockt jedoch ab. Die Leute in der Bürgerkriegsregion sollen sich selbst und der separatistischen Verwaltung überlassen werden. Nicht einmal UNO-Hilfskonvois dürften in das Gebiet.

Während der Westen vor allem die militärische Aufrüstung des Landes forciert, etwa durch Lieferungen aus den USA und einem zukünftig geplanten NATO-Beitritt, bleibt die humanitäre Lage ein unbeachtetes Thema. Die Menschen in der Ostukraine werden einfach vor die Wahl gestellt, zu fliehen oder an ihren Krankheiten zu sterben.

Demonstration vor Gesundheitsministerium

Jene von Krankheiten betroffene Menschen, die es noch schaffen, zu demonstrieren, versammelten sich erst kürzlich vor dem ukrainischen Gesundheitsministerium, um auf die unmenschliche Lage in der Ostukraine hinzuweisen. Unter dem Titel "Die ukrainische Regierung hat uns abgeschrieben" demonstrierten hunderte Menschen, viele von ihnen an Krebs, Tuberkulose oder HIV erkrankt. Olga Stefanyshyna, Direktorin von "Patienten der Ukraine" und Mitorganisatorin der Proteste, äußerte sich empört über die Zustände. Regierungsoffizielle geben eine halbe Milliarde Dollar für die private Sicherheit aus, aber für sterbenskranke Menschen sei kein Geld da. Zudem wurde das öffentliche Gesundheitsbudget für das Jahr 2016 mit 8,2 Milliarden Dollar veranschlagt, bisher wurden aber lediglich 4,1 Milliarden lukriert, weshalb die Hälfte aller Kranken im Land wohl ohne adäquate medizinische Versorgung auskommen muss, so die Kritik.

Auch die Statistiken belegen dies. Am schlechtesten werden momentan die Tuberkulosekranken versorgt. Lediglich 37 Prozent von ihnen erhalten überhaupt medizinische Behandlungen. Auch die Aids-Raten steigen von Jahr zu Jahr an, zuletzt um sechs Prozent. Letztlich sterben aufgrund fehlender medizinischer Versorgung täglich 1.600(!) Menschen in der Ukraine.

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