Papst Franziskus sieht nicht nur christliche Wurzeln Europas und will an eine friedliche Koexistenz von Christen und Moslems glauben.

Foto: Bild: Casa Rosada / wikimedia (CC-BY-SA 2.0)
Papst spricht sich in Interview gegen Kopftuchverbot für Moslems aus

In einem Interview der französischen Tageszeitung La Croix sprach sich Papst Franziskus erstmals öffentlich gegen ein Kopftuchverbot für Moslems aus. Zudem betonte er, Europa habe nicht nur christliche Wurzeln. Die Rede vom "christlichen Europa" wäre für ihn "triumphalistisch und rachsüchtig".

Kopftuch als Zeichen von "Religionsfreiheit"

In Hinblick auf das Kopftuchverbot Frankreichs für öffentliche Einrichtungen meinte Papst Franziskus: "Wenn eine muslimische Frau ein Kopftuch tragen will, muss sie das tun können, ebenso wie ein Katholik, der ein Kreuz tragen will". Jeder müsse die Freiheit haben, seinen Glauben zum Ausdruck zu bringen, so Franziskus weiter. Zugleich wurde auch die streng laizisitische Ausrichtung der "modernen" französischen Gesellschaft kritisiert. Religionen, hier spricht er explizit nicht vom Christentum als dominierende Religion Frankreichs, würden wie "eine Subkultur" betrachtet und nicht wie eine "echte und eigene Kultur".

Angesprochen auf die Flüchtlingsproblematik, forderte der Papst eine bessere Integration der Ankömmlinge in die europäischen Gesellschaften ein. Man müsse eine "Ghettoisierung" um jeden Preis verhindern. Integration sei für Europa aufgrund der niedrigen Geburtenrate wichtiger denn je. Auch müssten die Wurzeln der Migrationsströme bekämpft werden und nicht diese selbst.

Keine christlichen, sondern "vielfältige" Wurzeln Europas

Im Laufe des Interviews kritisierte der Papst auch die Betonung der christlichen Wurzeln des europäischen Kontinents. Europa habe viele kulturelle Wurzeln, sich lediglich auf das Christentum zu konzentrieren, sei "triumphalistisch und rachsüchtig" und bringe eine kolonialistische Manier zum Vorschein. Ein friedliches Zusammenleben von Christen und Muslimen sieht der Papst prinzipell als möglich an.

Die Beispiele des Pontifex für ein friedliches Zusammenleben der beiden Religionen, seine Heimat Argentinien, die Zentralafrikanische Republik und der Libanon, sind dabei aber mehr als unglücklich gewählt. In Argentinien sind von mehr als 40 Millionen Einwohnern gerade einmal ein Prozent oder 400.000 Meschen Moslems. In der Zentralafrikanischen Republik wurde eben erst ein blutiger Bürgerkrieg, angefacht durch Moslem-Milizen, beendet, und im Libanon steigen die Spannungen zwischen Christen und Molems seit Jahren an, wobei Christen dort bereits die Minderheit bilden.

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