"Stalins Säbel": Unglaubliche Geschichten aus Serbien im und nach dem Balkan-Krieg | Unzensuriert.at

"Stalins Säbel": Unglaubliche Geschichten aus Serbien im und nach dem Balkan-Krieg

Um den prachtvollen, juwelenbesetzten Säbel, den Stalin 1944 dem Partisanenführer Tito schenkte, ranken sich wilde Legenden. Foto: unzensuriert.at
Um den prachtvollen, juwelenbesetzten Säbel, den Stalin 1944 dem Partisanenführer Tito schenkte, ranken sich wilde Legenden.
Foto: unzensuriert.at

Viele kennen den Namen Tesla vom gleichnamigen Elektro-Auto – doch Nikola Tesla (1856–1943) war ein Erfinder, Elektroingenieur und Physiker aus dem serbisch-kroatischen Grenzgebiet (in seiner Geburtszeit gab es Kroatien als Staat noch nicht), der in die USA emigrierte und dort Anfang des 20. Jahrhunderts zahlreiche wegweisende Entwicklungen schuf, unter anderem im Bereich der Elektro-Antriebe. Es ranken sich aber auch sagenhafte Geschichten um Tesla, etwa die potentielle Erfindung „ferngesteuerter“ Energie, also einem Verfahren, in dem geballte Energie – etwa eines Sprengkörpers – drahtlos in ein bestimmtes Zielgebiet teleportiert werden kann, um dort zu detonieren. Eine Waffe von - nicht nur damals - unschätzbarem Wert.

Auf den Spuren von Teslas "Todesstrahlen"

Der serbische Atomphysiker Ivan Perin findet fast genau 100 Jahre nach Teslas Erfindung in einem kleinen Museum in dessen Geburts-Dorf Smijan einige in Vergessenheit geratene, handschriftliche Notizen des in Armut verstorbenen und vielfach unverstandenen Genies. Perin beginnt sich für dessen Arbeit mit den „Todesstrahlen“ zu interessieren, vorerst erfolglos.

Die serbische Mafia erkennt den Wert der Erfindung

Als er zufällig die Bekanntschaft mit einem ehemaligen serbischen Freischärler-Kommandanten aus dem jugoslawischen Bürgerkrieg in den 1990er Jahren macht, der nun einer Mafia-ähnlichen Organisation vorsteht, kommt Bewegung in die Sache. Denn Mafia-Capo Aki erkennt den unschätzbaren Wert der Erfindung und richtet Perin ein großzügig ausgestattetes Labor für praktische Tests ein – und diese verlaufen äußerst vielversprechend.

Stalins Geschenk an Tito als begehrte Handelsware korrupter Militärs

Gleichzeitig wird aus einem riesigen Bunkerkomplex in Belgrad, den Jugoslawiens Langzeit-Diktator Josip Broz Tito (1892 – 1980) nach dem Zweiten Weltkrieg als atomsicheren Kommando- und Wohnkomplex für die Führungsspitze des Landes errichten ließ und den in den 1990ern auch Serbiens Bürgerkriegs-Präsident Slobodan Milosevic (1941 – 2006) bewohnte, die wohl wertvollste Pretiose des Balkanstaates gestohlen: ein mit zahllosen Edelsteinen besetzter, kunstvoll gestalteter Säbel, den der sowjetische Diktator Josef Stalin im vorletzten Kriegsjahr 1944 dem damaligen Partisanenführer Tito wegen dessen Erfolgen im „Kampf gegen den Faschismus“ geschenkt hat.

Die Nachrichtendienste schalten sich ein

Bald wird offenkundig, dass dies nur mit Billigung oder gar aktiver Beteiligung der korrupten Gardetruppen, die den Bunkerkomplex bewachen, geschehen konnte. Nach einer Reihe rätselhafter Todesfälle beginnen sich der israelische und der amerikanische Geheimdienst, aber auch ein ehemaliger jugoslawischer Spitzenagent, dessen Partner in der gemeinsam geführten Detektei ebenfalls zu den Ermordeten gehört, für den Fall zu interessieren. Denn er übersteigt bei weitem nationale Interessen.

Saudis als potente Interessenten

Einiges deutet nämlich darauf hin, dass ein reicher Spross der Saudi Arabischen Königsfamilie den begehrten Säbel kaufen will – in dem in einem Geheimfach auch die Formel für die „Todesstrahlen“ lagern. Vor allem für die Israelis eine tödliche Bedrohung - aber letztlich auch für die Saudis.

Autor gilt als Zeitzeuge der Balkan-Szene seit dem Zweiten Weltkrieg

Der jüdisch-stämmige Autor Ivan Ivanji, geboren 1929 in Serbien und zwischen 1944 und 45 von den Deutschen ins KZ gesperrt, danach in einigen wichtigen, internationalen Kultur-Instituten tätig, ist ein verlässlicher Zeitzeuge der Geschehnisse am Balkan vom Zweiten Weltkrieg bis ins 21. Jahrhundert. Obwohl sicher einige Geschehnisse der Handlung erfunden sind, so hinterlässt das Buch beim Leser einen authentischen, teils durchaus schockierenden Eindruck von den engen Verflechtungen zwischen Regierung, Armee, Polizei, Nationalisten und Mafia im post-jugoslawischen Serbien während des Balkan-Krieges und danach. Ein Land, in dem so ziemlich alles möglich war – und höchstwahrscheinlich bis heute ist.

Leider scheint der Wieser-Verlag beim Korrektor zu sparen, denn anders lassen sich die vielen Rechtschreib-Fehler nicht erklären. Ansonsten aber ein tadelloser Krimi mit viel historisch belegtem Bezug zur Zeitgeschichte.

Ivan Ivanji: Stalins Säbel.
Das Buch kann zum Preis von € 14,95 über buecherquelle.at bezogen werden.

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