Das EM-Spiel Österreich-Ungarn hebt das Weekend-Magazin auf die politische Bühne und titelt mit dem Duell „Gut“ gegen „Böse“.

Bild: Screenshot Weekend
Vor dem EM-Spiel gegen Ungarn: Weekend macht daraus ein Duell „Gut gegen Böse“

Österreich bestreitet heute, Dienstag, in Bordaux sein erstes Spiel bei der EURO 2016. Gegner ist Ungarn. Es sollte ein sportliches Duell zweier Nachbarstaaten sein, deren Bürger sich immer nahe fühlten. Doch das Magazin Weekend sieht das völlig anders hetzt auf eine unglaubliche Art gegen den Gruppengegner bei der EM: Es titelt mit "Gut gegen Böse" und schmückt das Cover Foto von SPÖ-Bundeskanzler Christian Kern und Premierminister Viktor Orbán. Der "Gute" ist Kern, der "Böse" Orbán.

Orbán als Fußballfan verunglimpft

Bei Fußballspielen ist man ja schon einiges gewohnt. Vor allem wenn es zum Aufeinandertreffen zwischen Deutschland und England kommt, wird von den britischen Medien regelmäßig die Nazikeule hervorgeholt, um damit bei den Fans die Stimmung anzuheizen. Dieser schreckliche Boulevard-Journalismus dürfte nun auch Österreich erreicht haben. Zumindest sieht sich die Wochenzeitung Weekend plötzlich auserkoren, ein Fußballspiel der Europameisterschaft auf die politische Bühne zu heben und Orbán, weil er ein Fußballfan ist, zu verunglimpfen. Der ungarische Premierminister wird kritisiert, weil er in den vergangenen Jahren viel Geld in den Fußball investierte und das Team es schaffte, bei der EM teilzunehmen. Was daran schlecht sein soll, diese Antwort bleibt das Weekend schuldig.

Holocaust-Vergleich und "autoritärer Führerstaat"

Die Absicht ist erkennbar. Der ganze Artikel zielt darauf ab, Ungarn und seinen Premierminister Vikor Orbán unter dem Deckmantel einer Fußballberichterstattung durch den Dreck zu ziehen. Da der "böse" Orbán, der die Flüchtlinge so schlecht behandelt und dadurch ein Feindbild für alle Österreicher sein soll. Dort der "gute" Christian Kern, der die Zuwanderung nicht einschränken will und mit Zahlentricksereien sogar die von der Bundesregierung festgelegte Obergrenze untergraben möchte.

Die Realität sieht freilich anders aus. Ungarn machte in der Flüchtlingspolitik vor, was Österreich und andere EU-Länder erst viel später, als sie von der Massenzuwanderung überrascht wurden, taten. Und Orbán hat – im Gegensatz zu Werner Faymann und Christian Kern – die Österreicher und seine Politiker nie beleidigt. Faymann griff in die unterste Schublade und stellte gar einen Holocaust-Vergleich her, Kern verglich Ungarn mit einem "autoritären Führerstaat".

Mit Sport Ungarn diffamieren

Wer ist also "gut" und wer ist "böse"? Fest steht: Im Weekend-Artikel wird in unglaublicher Weise nunmehr auch der Sport dazu benützt, um Ungarn zu diffamieren. Das EM-Fußballmatch als Kampf von "Gut" (Christian Kern) gegen "Böse" (Viktor Orbán). In Österreich lebende Ungarn sind empört. Rechtsanwältin Eva Maria Barki aus Wien hat Beschwerde beim Presserat eingereicht, wo – so Barki gegenüber unzensuriert.at – bereits ein "selbständiges Verfahren" eingeleitet wurde. Egal, wie das Urteil des Presserates ausfällt und das Spiel heute ausgeht: Das Klima zwischen beiden Staaten und unter den Fans hat die Zeitung schon im Vorfeld vergiftet.

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