Registrierkassen-Pflicht treibt nun auch Almhüttenbetreiber in den Ruin | Unzensuriert.at

Registrierkassen-Pflicht treibt nun auch Almhüttenbetreiber in den Ruin

Seit Jahresbeginn fallen auch alle Almhütten unter die Registierkassenpflicht - viele haben aber nicht einmal einen Stromanschluss. Foto: wikimedia.org - Johann Jaritz - CC-BY-SA-3.0-AT
Seit Jahresbeginn fallen auch alle Almhütten unter die Registierkassenpflicht - viele haben aber nicht einmal einen Stromanschluss.
Foto: wikimedia.org - Johann Jaritz - CC-BY-SA-3.0-AT
16. Juni 2016 - 13:00

Die umstrittene Registrierkassen-Pflicht für Betriebe ab einem Jahresumsatz von 15.000 Euro führt zu immer neuen Negativ-Entwicklungen. So registriert man in Salzburg heuer die Schließung etlicher Almhütten mit Ausschank, deren Betreiber sich eine Registrierkasse entweder finanziell oder technisch nicht leisten können. Laut Salzburger Nachrichten werden Wanderer ab Sonntag, dem Beginn des Salzburger Almsommers, mehrfach vor verschlossenen Türen stehen. Alleine in der Tourismusregion Hochkönig bleiben heuer fünf Hütten zu.

Kein Stromanschluss - aber Registrierkassen-Pflicht

Manche der Einkehrstationen sind mehrere hundert Jahre alt und haben nicht einmal einen Stromanschluss – bei Touristen sind solcherart „urwüchsige“ Betriebe besonders beliebt. Die Bauern müssten, um weiter ausschenken zu dürfen, nicht nur eine teure Registrierkassa anschaffen, sondern sich eine eigene Stromleitung in die oft schwer zugänglichen Gebiete legen lassen – das zahlt sich in den meisten Fällen gar nicht aus. Dazu kommt die überbordende Bürokratie für ein in der Regel als Nebengeschäft betriebenes Zubrot.

Tourengeher stehen vor verschossenen Türen

Fachleute befürchten nun – neben Einbußen für die Landwirte – auch Rückgänge im Fremdenverkehr und eine Verwahrlosung der verlassenen Almgebiete und Wege. Alles in allem eine Entwicklung, die nur Verlierer kennt, denn auch der Fiskus kann solcherart nicht mit Mehreinnahmen rechnen.

Memorandum an den Ministerrat

Gemeindebund-Präsident Helmut Mödlhammer spricht bereits von einer Katastrophe. Ein von Salzburger Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Vereinen verfasstes Memorandum soll nächste Woche im Ministerrat in Wien verhandelt werden. Almbauern-Vertreter fordern zumindest eine Anhebung der Mindest-Umsatzgrenze von 15.000 auf 30.000 Euro. Ansonsten droht vielen Bauern, die derzeit wegen des ruinösen Milchpreis-Verfalls ohnehin unter Druck stehen, ein weiterer Verdienst-Entgang.

Selbst 300-jährige Traditions-Betriebe sperren nun zu

„Jahrelang hat man die Bauern ermuntert, sich ein zweites Standbein zu suchen. Wir haben das getan, und jetzt legt man uns bürokratische Prügel in den Weg“, bringt es Andrea Vorreiter von der Lehneralm in Maria Alm, die heuer zugesperrt hat, auf den Punkt. Die Almwirtschaft hier besteht seit 300 Jahren und funktioniert bis heute ohne Stromanschluss. Das Warmwasser wird über Feuer erwärmt, die Jausen-Ausschank täglich frisch mitgebracht. „Viele Besucher haben das geschätzt, weil wir noch eine richtige Alm sind“, so Vorreiter. Sie hätte gerne weitergemacht, „aber hier viele tausend Euro zu investieren und sich damit nur einen Haufen bürokratische Mehrarbeit zu kaufen, zahlt sich beim besten Willen nicht aus“.

Anhebung der Umsatzgrenze als letzte Hoffnung

Vorreiter hofft, wie viele Leidensgenossen, auf eine Anhebung der Umsatzgrenze – aber für heuer ist der Alm-Zug für sie und andere in jedem Fall abgefahren. So wie für viele, vor allem kleinere Wirte, für die sich die Registrierkassenpflicht auch nicht mehr rentiert hat und die still und leise heuer zugesperrt haben. Auch Zelt- und Vereinsfeste sehen sich durch die unselige Gesetzesänderung massiv bedroht. Es wurden sogar schon Kleingewerbe-Betriebe gesichtet, die an ihrem Verkaufspult ein Kunden-Spendensparschwein "für die Anschaffung einer Registrierkassa" aufgestellt haben. Wirtschaftlicher Aufschwung sieht anders aus.

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