5.660 Kellereinbrüche sind Schande für Polizei: Räuber-Trio war sogar amtsbekannt

In Wien konnte die Polizei ein Räubertrio, das in 5.660 Kellern einbrach, ein ganzes Jahr nicht stoppen. Foto: Dennis Skley / flickr (CC BY-ND 2.0)
In Wien konnte die Polizei ein Räubertrio, das in 5.660 Kellern einbrach, ein ganzes Jahr nicht stoppen.
Foto: Dennis Skley / flickr (CC BY-ND 2.0)
22. Juni 2016 - 14:30

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Es ist der größte Fall der jüngsten Kriminalgeschichte: In Wien verübte ein Trio innerhalb eines Jahres 5.660 (!) Kellereinbrüche. Das sind durchschnittlich 15 pro Tag. Die Räuber - ob In- oder Ausländer hat die Exekutive noch nicht verraten - gingen auf Diebestour wie andere zur Arbeit und wurden dabei von der Polizei ein ganzes Jahr lang nicht gestört. Dass das Trio schließlich nicht von den Kripo-Beamten, sondern von einem Opfer, das in einem Second-Hand-Shop in Simmering ihr gestohlenes Rad entdeckte, überführt wurde, wirft auch nicht gerade ein gutes Licht auf die Polizeiarbeit.

Polizisten sammeln brav Daten

Man fragt sich da schon, warum die Ermittler eine solche Einbruchsserie nicht aufklären können? Bei dieser Zahl von Delikten, noch dazu verübt von amtsbekannten Tätern, die praktisch kein Wohnhaus in Wien verschonten, müsste es modernen Kriminologen doch möglich sein, dem Treiben ein Ende zu machen. Aber man kennt das ja aus eigener Erfahrung: Bei einem Einbruch nimmt die Polizei zwar brav Daten auf, doch räumt sie gleich ein, dass man sich keine großen Hoffnungen machen solle, dass die Räuber auch gefasst werden.

Von Einbrechern ist kein Geld zu holen

Es scheint fast so, als hätten die Beamten bei Einbruchsdiebstählen bereits resigniert. Zu viele sind es täglich und in der Regel wird davon ausgegangen, dass die Täter mit der Beute bereits über die Grenze geflüchtet sind. Nachforschungen sinnlos! Oder spielt doch eine andere Überlegung eine Rolle? Fassen die Beamten Diebe, verdient der Staat nichts. Denn von der Mehrzahl der Einbrecher ist sowieso nichts zu holen, im Gegenteil sogar: Sie kosten dem Staat Geld, wenn sie im Gefängnis sitzen.

Mit der Radarpistole auf Lauer

Zu verdienen gibt es was bei den Autofahrern. So darf man sich auch nicht wundern, warum oft eine Heerschar von Polizisten mitten in der Nacht plötzlich auf einer Donaubrücke auftaucht, um mit einer Radarpistole Autolenker wegen Schnellfahrens zu überführen. Am Dienstag um 24 Uhr war das auf der Floridsdorfer Brücke zu beobachten. Dort - zweispurig und ohne Gegenverkehr - fährt um diese Zeit keiner die vorgeschriebenen 50 km/h und für die Polizei ist es ein Leichtes, Verkehrssünder am laufenden Band zu bestrafen und abzukassieren.

Marschbefehl zum Geld-Eintreiben

Da kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Polizisten erneut den Marschbefehl bekamen, mehr Geld zu erwirtschaften. Schon einmal hatte eine solche Weisung für einen Riesenwirbel gesorgt. Ein Protokoll aus dem Kommando Floridsdorf legte sogar genaue Mindestzahlen fest, wie viel jedes Wachzimmer und jeder Beamte einnehmen muss. Solche Aktionen, wie Dienstag Mitternacht, bringen der Polizei und dem Staat schöne Einnahmen und dem einzelnen Polizisten womöglich auch bessere Karrierechancen. So ist vielleicht zu erklären, warum die Exekutive bei der Einbruchserie des Trios in die Keller der Wiener versagte und bei der Ausstellung der Verkehrsstrafen so erfolgreich agiert.

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