Venezuela: Vor Amtsenthebungs-Referendum ist die Polularität von Präsident Maduro im Keller

Die diplomatischen Beziehungen zu den USA normalisieren sich wieder, dennoch ist Venezuelas Präsident Maduro angezählt. Foto: David~ / flickr (CC BY 2.0)
Die diplomatischen Beziehungen zu den USA normalisieren sich wieder, dennoch ist Venezuelas Präsident Maduro angezählt.
Foto: David~ / flickr (CC BY 2.0)
26. Juni 2016 - 9:30

Venezuelas Präsident Nicolás Maduro beabsichtigt eine Neuauflage der Beziehungen zu den USA, die zuletzt von erheblichen Spannungen gezeichnet waren. Der Ankündigung lässt er konkrete Schritte folgen, indem er Außenministerin Delcy Rodríguez anweist, sich mit ihrem US-amerikanischen Amtskollegen John Kerry ins Einvernehmen zu begeben, unzensuriert.at berichtete.

Gastbeitrag von Michael Johnschwager

Kurz darauf tritt Rodríguez in einer Art von Charmeoffensive den Flug nach Washington an. Dort trifft sie auf einen aufgeschlossenen Kerry, der Übereinstimmung signalisiert, die sich abzeichnenden Gespräche „auf hoher Ebene“ führen zu wollen. Diese Initiative nimmt er zügig auf, wobei er gegenüber allen Beteiligten verdeutlicht, dem politischen Klimawandel einen hohen Stellenwert beizumessen.

Wohl wissend um die Befindlichkeiten, denen Venezuelas Regierungsmannschaft angesichts des massiven innenpolitischen Drucks ausgesetzt ist, leistet Kerry einen substantiellen Beitrag, der seinen Goodwill unterstreicht. Selbst für Insider ein überraschender Coup, entsendet er umgehend seinen Berater Thomas Shannon nach Caracas. Shannon gilt als ausgewiesener Kenner des volatilen Beziehungsgeflechts beider Staaten. In seinem diplomatischen Portfolio akkumuliert sich langjährige praktische Erfahrung im Umgang mit Angehörigen des amerikanischen Subkontinents. Dezidiert betriebenes Networking, ergänzt um pragmatische Herangehensweise, qualifiziert ihn als ausgesprochen lösungsorientiert.

Beziehungen auf diplomatischer Ebene zu USA normalisieren sich

So verbindet Shannon eine lang gepflegte Freundschaft mit dem venezolanischen Präsidenten, der  Shannon nicht als Vertreter der Spezies des imperialistischen Gringo wahrnimmt. Maduro sieht in ihm den alten Freund Thomas, einen versierten Vertrauten, den er um Rat bittet. Beide lernten sich in der sog. Boston Group kennen und schätzen, einem Zusammenschluss von Angehörigen des US-Kongress und Abgeordneten des venezolanischen Parlaments. Beobachter gehen davon aus, dass das im Raum stehende Verfahren zur Amtsenthebung (Revocatorio) des Präsidenten Maduro oberste Priorität auf der Agenda des Treffens mit Shannon einnimmt. In dieser Woche sind die Venezolaner aufgerufen, sich für das Verfahren im Register des zuständigen Wahlrates Consejo Nacional Electoral (CNE) einzuschreiben. Um ihr Votum abzugeben, müssen Venezolaner zuvor die Bestätigung ihrer Unterschrift vom CNE einholen.

Jüngste Umfragen des Meinungsforschers Datánalisis prognostizieren einen massiven Vertrauensverlust in die Maduro-Administration. Lediglich drei von zehn Venezolanern wollen für ihn votieren. 75 % der Bevölkerung konnotieren die Wirtschaftskrise ihres Landes direkt mit dem Präsidenten und der von seiner Regierung zu verantwortenden Politik. Die Kritik an der Amtsführung seines Vorgängers, des schon zu Lebzeiten legendären „Comandante“ Hugo Rafael Chávez, betrug weniger als die Hälfte.

Michael Johnschwager, 1949 in Hamburg geboren, war als Außenhandelskaufmann von 1980 bis 1990 in Kolumbien, Venezuela und Honduras privatwirtschaftlich, sowie in Entwicklungsprojekten in Costa Rica in beratender Funktion im Einsatz. Seit 2004 ist Johnschwager als fremdsprachlicher Dozent und Autor mit Schwerpunkt Lateinamerika freiberuflich tätig.

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