Kurier-Chef Brandstätters Trauma als Leider-Nein-ORF-Boss: Zehn Jahre danach jammert er noch immer

Der verhinderte ORF-Generaldirektor Helmut Brandstätter leidet offenbar noch zehn Jahre nach seiner gescheiterten Kandidatur am Küniglberg. Foto:  Franz Johann Morgenbesser / Wikimedia (CC BY-SA 2.0)
Der verhinderte ORF-Generaldirektor Helmut Brandstätter leidet offenbar noch zehn Jahre nach seiner gescheiterten Kandidatur am Küniglberg.
Foto: Franz Johann Morgenbesser / Wikimedia (CC BY-SA 2.0)
24. Juli 2016 - 21:33

Kurier-Chefredakteur Helmut Brandstätter hat es offenbar noch immer nicht überwunden, dass er vor zehn Jahren nicht ORF-Generaldirekor wurde. Quasi in eigener Sache, ein No-Go in Journalistenkreisen, gab er in seinem Kommentar zum Besten, was er als Kandidat für den Chefsessel am Küniglberg erlebte. Es war nichts dabei, was die Leserschaft ohnehin nicht schon wusste: Dass die Parteien bestimmen, was im Staatsfernsehen passiert. Einzig die Kränkung, dass er es nicht geworden ist, der Chef im ORF-Zentrum, begleitete den elend langen Kommentar, in dem er offenbar eine neue Bewerbung für den Traumposten abgab. Denn wörtlich schrieb Brandstetter am Sonntag im Kurier:

Ich hatte 15 Jahre ORF hinter mir, davon die Hälfte im Ausland als Korrespondent in Bonn und Brüssel, dazu knapp sieben Jahre als Geschäftsführer des Nachrichtensenders n-tv in Berlin, ich hatte gemeinsam mit anderen den Sender PulsTV und schließlich eine Agentur für Kommunikation gegründet.

Ohne Parteien geht im ORF gar nichts

Mit dieser Erfahrung, 15 Jahre im ORF, kam ihm der Mechanismus der ORF-Generaldirektor-Wahl trotzdem spanisch vor? Wie weltfremd musste er doch sein zu glauben, allein ein beeindruckender Lebenslauf reiche aus, um Boss dieses Fernsehsenders zu werden? Oder gaukelt Helmut Brandstätter seinen Lesern nur etwas vor? So ist wohl eher anzunehmen, dass er nicht so naiv war, ohne Rücksprache mit Personen, die als verlängerter Arm der Parteien als Stiftungsräte im ORF fungieren und mit ihrer Stimme den Generaldirektor bestimmen, ins Rennen um diesen Posten zu gehen. Gewisse Sätze im Kurier-Artikel verraten zumindest sein Bemühen in diese Richtung:

Also kontaktierte ich der Reihe nach einige Stiftungsräte. Mit Kurt Bergmann, dem Chef des schwarzen Freundeskreises, war das Gespräch  einfach. Es gäbe keine Alternative zu Lindner/Mück, diesen Befehl aus der ÖVP-Zentrale hatte er umzusetzen.

Treffen mit Walter Meischberger in Grinzing

Bergmann war nicht der einzige Stiftungsrat, um dessen Stimme Helmut Brandstätter buhlte. Sein Drang, ORF-Boss zu werden, war so groß, dass er sich mit dem damaligen BZÖ-Stiftungsrat Walter Meischberger in Grinzing (ob beim Heurigen schrieb er nicht) verabredete. Das Gespräch verlief laut Brandstetter folgendermaßen:

Komplizierter war die Lage für den Stiftungsrat Walter Meischberger.  Er war vom BZÖ entsandt, offenbarte mir aber bei einem Treffen in Grinzing sein Dilemma: Er sei wie seine Partei gegen das Duo Lindner/Mück, würde aber generell alle seine Entscheidungen mit seinem besten Freund, mit Karl-Heinz Grasser absprechen. Ein Satz, an den ich später, auch zuletzt, in anderem Zusammenhang recht oft denken musste. Immerhin: Der meist lebensfrohe Meischberger interessierte sich als einer der wenigen für meine Ideen im Bereich Online.

Ohne Packeleien keine Chance

Zum Schluss seines Kommentars gibt Helmut Brandstätter dann auch zu, gewusst zu haben, dass "man ohne Packeleien keine Chance hat". Seine Verbindungen haben da wohl nicht ausgereicht, um den großen Coup zu landen. Heute ist Brandstätter Kurier-Chef. Wie er zu diesem Posten kam? Darüber kann nur spekuliert werden und die Raiffeisen-Bosse mit besten Kontakten zur Politik werden wissen, warum sie diesem "erfahrenen Medienmann" - wie er sich in seinem eigenen Artikel darstellte - den Job anvertrauten. Wer weiß, wofür das gut war?

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