Die Justiz will junge IS-Anhänger im Gefängnis de-radikalisieren. Das Mittel dazu ist umstritten: Sie sollen kämpfen lernen.

Bild: www.kickboxen-thaiboxen.de / Michael Nagy / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
Kurioses Projekt in Wien: Radikale Moslems sollen im Gefängnis kämpfen lernen

Wenn in Österreich ein Projekt vorgestellt wurde, bei dem es um De-Radikalisierung ging, konnte man als Bürger oftmals nur noch den Kopf schütteln. So wird es den meisten auch gehen, die mitbekommen haben, was die Justiz nun vorhat: Kampfsportler sollen im Gefängnis IS-Anhängern das Thaiboxen beibringen, um sie von der Gewalt im Namen der Religion abzubringen. Befürchtungen, dass dieser Schuss nach hinten los geht und dass man junge Radikale das Kämpfen lehrt, könnten der Grund für das Platzen des ersten Trainings gewesen sein.

Gefängnisgröße ungeeignet

Laut Presse wurde die Vorstellung des Projektes vor Gefängnismitarbeitern und Vertretern des Justizministeriums nämlich völlig überraschend 50 Minuten vor dem Termin abgesagt. Auf Nachfrage der Presse begründete die Leiterin der Abteilung Vollzug und Betreuung in der Strafvollzugs-Generaldirektion im Justizministerium, Andrea Moser-Riebinger, die Absage damit, dass die Größe des Gefängisses in Wien-Josefstadt ("Einser-Landl") dafür nicht geeignet sei. Außerdem: „Die Fluktation ist hier zu groß.“ Im Einser-Landl sitzen nämlich weitestgehend Untersuchungs-Häftlinge, das heißt für die meisten: maximal sechs Monate.

Kampfsportler vor den Kopf gestoßen

Der Verein „Not in God's Name“ hat Kampfsportler um sich gesammelt, die sich gegen Gewalt im Namen der Religion aussprechen. Unter ihnen sind Größen wie der tschetschenische (und in Österreich aufgewachsene)  Vollkontaktwettkampf-Star Mairbek Taisumov oder Thaibox-Weltmeister Foad Sadeghi, der ein Kampfsportzentrum in Wien betreibt.

Manche fühlen sich ob dieser abrupten Absage vor den Kopf gestoßen und wollen das Gefängnistraining nun nicht mehr durchführen. Der Verein selbst hofft aber dennoch auf eine Zusammenarbeit mit der Justiz, die das auch weiter in Aussicht stellt. Sinnvoll wäre das aber wohl eher mit echten (Langzeit-)Strafanstalten wie Krems-Stein, Garsten (OÖ) oder Graz-Karlau.

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