Italienischer Staat soll die Vielweiberei legalisieren

Muslime in Italien fordern eine rechtliche Verankerung der Vielweiberei. Foto: Wikimedia / PaoloNapolitano / CC BY-SA 3.0
Muslime in Italien fordern eine rechtliche Verankerung der Vielweiberei.
Foto: Wikimedia / PaoloNapolitano / CC BY-SA 3.0
8. August 2016 - 13:00

Nach islamischem Recht ist es erlaubt, vier Ehefrauen zu haben. Korrekterweise spricht man bei dieser Form der Mann-Frauen-Beziehungen von „Polygynie“ (Vielweiberei). Allerdings wird meist in diesem Zusammenhang das Wort „Polygamie“ (Vielehe) verwendet (Polygamie kann ja auch bedeuten, dass eine Frau vier Männer ehelicht – in einer mohammedanischen Gesellschaft eher weniger gefragt).

Mehrere Ehefrauen am Standesamt

So ist es auch eindeutig, was ein gewisser Roberto Piccardo, der sich seit seinem Übertritt zum Islam Hamza (nach dem Onkel Mohammeds) Piccardo nennt, fordert: Eine Legalisierung der Polygamie. Er möchte, dass Mohammedaner in Italien auch zivilrechtlich, also vor dem Standesamt, mehrere Ehefrauen angetraut bekommen können (Dass in Italien wie in vielen Ländern Europas die Vielweiberei trotzdem praktiziert wird, gilt als offenes Geheimnis).

Hamza Piccardo ist Gründer der „Union der islamischen Gemeinden und Organisationen in Italien“ (UCOII), die der Muslimbruderschaft nahe steht und sich für eine aktive Rolle der Muslime in Italien stark macht.

Für Moslems soll Polygamie Zivilrecht werden

Und weil in Italien gerade ein Gesetz in Kraft getreten ist, welches homosexuellen Paaren gestattet, ihre Lebenspartnerschaft vor dem Standesamt besiegeln zu lassen, fühlt er sich als Moslem dazu berufen, für seine Glaubensbrüder eigene Rechte einzufordern. Auf Facebook schrieb er daher: „Wenn es hier um Zivilrechte geht, dann ist Polygamie ein Zivilrecht. Muslime sind mit homosexuellen Lebenspartnerschaften nicht einverstanden und trotzdem müssen sie ein System akzeptieren, das sie erlaubt.“

Deswegen urteilt Piccardo nach mohammedanischem Rechtsverständnis, dass keinerlei Grund bestehe, weshalb die Republik Italien solche mohammedanische Ehegemeinschaften nicht akzeptiere, wenn sich die beteiligten Personen (also der Gatte mit den schleiertragenden Gattinnen) einverstanden zeigen.

Leichte Kritik von Regierungspartei – scharfe von Lega Nord

Die italienische Rechtsanwältin und Politikerin der Regierungspartei (PD, Partito Democratico) Debora Serracchiani meinte dazu brav juristisch: „Jahrhundertelange Kämpfe für die Frauenrechte können nicht einfach zur Seite gestellt werden. Polygamie hat nichts mit Zivilrechten zu tun.“

Schärfer allerdings protestierte die Lega Nord, die mit der andauernden Dialogbereitschaft der Regierung Premiers Matteo Renzi mit mohammedanischen Organisationen so ihre Schwierigkeiten hat. Paolo Grimoldi, Parlamentsabgeordneter und Gründer des „Movimento Giovani Padani“ (Bewegung der Jugend Padaniens), meinte in Anbetracht der andauernden Beschwichtigungspolitik gegenüber dem Islam: „Das ist der gemäßigte Islam, mit dem die italienische Regierung den Dialog offen halten will.“

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