Grüne Böcke für rosarote Gärten - Wird aus Hans Rauscher noch etwas?

Die Welt ist auch für Grüne nicht mehr so rosarot, wie Standard-Schreiber und -Leser dies gerne hätten. Jetzt gibt's für Glawischnig & Co. Tipps von Hans Rauscher. Foto: Franz Johann Morgenbesser / Wikimedia (CC BY-SA 2.0)
Die Welt ist auch für Grüne nicht mehr so rosarot, wie Standard-Schreiber und -Leser dies gerne hätten. Jetzt gibt's für Glawischnig & Co. Tipps von Hans Rauscher.
Foto: Franz Johann Morgenbesser / Wikimedia (CC BY-SA 2.0)
11. August 2016 - 14:46

Dass linksliberale Positionen heute nur noch mit eklatanten Verbiegungen und Verdrehungen zu halten sind, kann man wohl am schönsten in den Kommentaren von Standard-Kolumnist Hans Rauscher studieren.

Kommentar von Martin Lichtmesz

In einem Beitrag vom 10. 8. versucht Rauscher, den Grünen Beine zu machen, denen er offenbar nicht mehr so recht zutraut, ein effektives Bollwerk gegen sein Lieblingsfeindbild bilden zu können. Die Rede ist natürlich von der FPÖ, die er als "rechtsnationalistische, autoritäre Partei" bezeichnet. Ohne handverlesen abschreckende Adjektive geht's nicht, denn schließlich spielt der blaue Buhmann eine konstitutive und identitätsstiftende Rolle für Rauschers Weltbild.

Die Begriffe "rechts" und "nationalistisch" kombiniert er, um eine maximalfiese Wirkung zu erzielen. Den Begriff "rechts" lasse ich hier einmal außer Acht; auch er ist eine Definitionsfrage. Laut Parteiprogramm setzt sich die FPÖ für eine "Marktwirtschaft mit sozialer Verantwortung", "faire Löhne und gerechte Unternehmensbesteuerung", "Eigentumsbildung und Wohlstand" ein. Man kann sagen, das sei wirtschaftspolitisch ein bisschen weiter "rechts" als etwa die SPÖ, die ebenfalls eine "soziale Marktwirktschaft" anstrebt, nur mit etwas mehr sozialistischer Umverteilung statt proportionaler und leistungsbezogener Fairness. Tatsache ist, dass heute die sozial und wirtschaftlich schlechter gestellten Schichten eher dazu neigen, FPÖ als SPÖ zu wählen.

Rauscher auf der Linie der globalistischen Eliten

Und "nationalistisch"? Rauscher hantiert hier mit völlig verzerrten Maßstäben, die freilich nicht seine Privatsache sind, sondern dem derzeitigen Koordinatensystem der globalistisch orientierten Eliten Westeuropas entstammen: Aus dieser Sicht ist jede Art von nationaler oder patriotischer Opposition gegen die massive Machtexpansion übernationaler Oligarchien "nationalistisch", und sei sie noch so handzahm und weichgespült und noch so klassisch nationalstaatlich-patriotisch oder nationalliberal, wie es heute die FPÖ ist. Aber gut, ich will hier nicht mit Differenzierungen nerven, wo es nur um Schlagwortkeulen geht.

Und "autoritär"? Damit wären wir endgültig beim Bullshit-Bingo angelangt. Auch dies ist ein mit "rechts" assoziiertes bloßes Schlagwort zum pawlowschen Gebrauch ohne konkreten Inhalt, mit dem alleinigen Zweck, die linke Wirbelsäule erschaudern zu lassen. Jedenfalls würde ich gern ein einziges handfestes Argument, irgendeinen Beweis, irgendeine Aussage eines Politikers hören, warum die FPÖ nun "autoritärer" sein soll als irgendeine andere Partei Österreichs.

Nur eine Partei ist derzeit "autoritär"

Wobei: eine fällt mir allerdings ein, die momentan auffällig "autoritär" und mit zensorischen Neigungen auftritt, was Rauscher durch die Blume gesprochen selbst zugibt:

Die Grünen von heute kommen vor allem defensiv, betulich, an Nebenfronten und bei Orchideenthemen engagiert über die Rampe. Dazu kommt ein kräftiger Schuss Bevormundung. Das ist oft mehr als berechtigt – die Liste der sozial schädlichen Verhaltensweisen, die die Grünen sanktionieren wollen, kann man an sich unterschreiben. Aber was zu viel ist, ist zu viel. Auch der Ton, in dem das vorgetragen wird.

Die Grünen von heute kommen vor allem defensiv, betulich, an Nebenfronten und bei Orchideenthemen engagiert über die Rampe. Dazu kommt ein kräftiger Schuss Bevormundung. Das ist oft mehr als berechtigt – die Liste der sozial schädlichen Verhaltensweisen, die die Grünen sanktionieren wollen, kann man an sich unterschreiben. Aber was zu viel ist, ist zu viel. Auch der Ton, in dem das vorgetragen wird. - derstandard.at/2000042602986/Wird-aus-den-Gruenen-noch-etwasVWie "defensiv" sich die in der Regel doch sehr aggressiven Grünen hier tatsächlich verhalten, ist Ansichtssache; Pammesberger hat hierzu neulich eine Karikatur mit Frau Glawischnig in der Erdogan-Rolle veröffentlicht. Ansichtssache ist wohl auch, ob "man" sich ausgerechnet von den Grünen vorschreiben lassen will, welches Sozialverhalten sanktioniert werden soll und welches nicht (und mit welchen Mitteln?). Aber immerhin ist diese "Bevormundung" sogar Rauscher "zuviel".

Wer größten Teil der Wähler ausgrenzt, zeigt "autoritäre" Gesinnung

Allerdings hätte er gern, dass Glawischnig & Co sich vehementer ins Zeug legen, um eine Regierungsbeteiligung der FPÖ zu verhindern. Ich frage mich wirklich, was mit dieser verbissenen Deckel-auf-den-kochenden-Topf-Strategie bezweckt werden soll, und dies in einer Zeit, in der die FPÖ in den Umfragen zur stärksten Partei aufgestiegen ist und das halbe Land einen blauen Präsidenten gewählt hat. Wer allen Ernstes verlangt, dass ein so großer Teil der Wählerschaft ausgegrenzt wird und keine Repräsentation in der Regierung findet, zeigt damit nur seine eigene "autoritäre" Gesinnung.

Insofern ist es logisch, daß Rauscher tugendterroristische Kettenhunde à la Glawischnig zum Einsatz bringen will, auch wenn er gleichzeitig ihre Neigung zum Kettenhundetum milde und verständnisvoll-konstruktiv kritisiert. Aber was er und alle seines Schlages nicht begreifen wollen, ist, dass es gerade die von den Grünen betriebene und/oder unterstützte Politik ist, die beständig neue blaue Wähler erzeugt wie die Schlümpfe im Wald, inklusive ihres Willens zu links-korrekten "sozialen Sanktionen" und zur Ausgrenzung der FPÖ. Ausschlaggebend ist dabei vor allem seine Blindheit für die Folgen, die Realität und die Kollateralschäden der laufenden Einwanderungs- und Asylpolitik.

Warum bekommen die Grünen nicht mehr Stimmen?

Darum kann er auch nicht die große Preisfrage beantworten, warum die Grünen die Stimme des "kleinen Mannes" nicht gewinnen können:

Peter Pilz schlägt vor, die Grünen müssten "linkspopulistisch" werden und sich mehr um die Modernisierungsverlierer kümmern, was durch "mehr Gerechtigkeit" erreicht werden könne. Viel Glück. Es gab schon Zeiten, da sich die Grünen um die Unterschichten kümmerten (kümmern wollten), die sie dann nicht wählten bzw. gar nicht wählten. Wenn es noch Potenzial für die Grünen gibt, dann bei der Mittelschicht, die von Abstiegsängsten geplagt ist, aber trotzdem nicht die Primitivparolen der FPÖ ("Ausländer raus und alles wird gut") nachbeten will. Diese Mittelschicht – Angestellte, (kleine) Selbstständige, öffentlich Bedienstete – wird vom Grünwählen durch verschiedene Faktoren abgehalten. - derstandard.at/2000042602986/Wird-aus-den-Gruenen-noch-etwa

Peter Pilz schlägt vor, die Grünen müssten "linkspopulistisch" werden und sich mehr um die Modernisierungsverlierer kümmern, was durch "mehr Gerechtigkeit" erreicht werden könne. Viel Glück. Es gab schon Zeiten, da sich die Grünen um die Unterschichten kümmerten (kümmern wollten), die sie dann nicht wählten bzw. gar nicht wählten.

Das kann durch eine einfache Tatsache erklärt werden: Es sind gerade diese Schichten, die am meisten mit den negativen Folgen der Einwanderung zu tun haben, und die sich von den klassisch linken Parteien verraten und verhöhnt fühlen, denselben Parteien, die um die Stimmen der Einwanderer buhlen und sich zu ihren Schutzpatronen aufschwingen, oft auf Kosten der Interessen der einheimischen Bevölkerung.

Rauscher weiter:

Wenn es noch Potenzial für die Grünen gibt, dann bei der Mittelschicht, die von Abstiegsängsten geplagt ist, aber trotzdem nicht die Primitivparolen der FPÖ ("Ausländer raus und alles wird gut") nachbeten will. Diese Mittelschicht – Angestellte, (kleine) Selbstständige, öffentlich Bedienstete – wird vom Grünwählen durch verschiedene Faktoren abgehalten.

Hier baut sich Rauscher wieder seinen üblichen, für sein Selbstbild notwendigen Popanz auf: Es gibt keine FPÖ-Parolen, die auch nur sinngemäß auf die Behauptung "Ausländer 'raus, und alles wird gut" hinauslaufen würden. Niemand von Bedeutung in der FPÖ hat derlei jemals ernsthaft behauptet, weder dass pauschal alle "Ausländer 'raus" sollen, noch dass "alles gut wird", wenn das gelingen sollte. Diese "Primitivparole" ist nur das, was herauskommt, wenn die Kritik und die Position der FPÖ zur Asylfrage in grüne oder rosarote Gehirne übersetzt wird. Damit machen sie es sich zu einfach. Umgekehrt lässt sich die Haltung der Grünen jedoch mit einigem Fug und Recht auf die Primitivparole "Alle Ausländer 'rein, und alles wird gut" herunterbrechen.

Der Kurzschluß der komplementären Idiotie

Es sollte klar sein, dass die Antwort auf eine Idiotie keine komplementäre oder seitenverkehrte Idiotie sein kann. Aber so leid es mir tut: Die Ausgangsidiotie liegt eindeutig auf Seiten derer, die mit ihrer unterschiedslosen "Refugees welcome"-Demenz ungeheuren Schaden angerichtet haben. Kritik daran können sie nur als exaktes Negativbild ihrer eigenen Idiotie denken.

Auch wenn Rauscher hier anscheinend überspitzt-polemisch formulieren wollte, er wiederholt eine der üblichen platten Lügen, mit denen die Wähler von der FPÖ ferngehalten werden sollen (siehe dazu auch meine Kommentare hier, hier und hier). Aber vielleicht wollen sich die Linksliberalen mit derlei Verzerrungen nur selbst täuschen; weil sie nicht imstande sind, gegen die reale FPÖ-Einwanderungskritik zu argumentieren, müssen sie Schattengefechte mit Strohmännern führen.

Müssen auch die Grünen "Ängste" ernstnehmen?

Nun aber scheint irgendetwas objektiv schiefgelaufen zu seien, wenn Rauscher den Grünen empfiehlt, sich doch auf die "Abstiegsängste" gewisser Mittelschichten zu stürzen, wie es sonst nur die "rechtspopulistischen" Aasgeier tun (mithin wohl nicht jener Mittelschichten, die bequem in der Bobo-Blase leben, mitsamt Standard und Refugee-Engagement als bürgerliches Statusaccessoire). Soll man also die "diffusen Ängste" dieser Menschen plötzlich doch nicht mehr als so "diffus" sehen und muss man sie gar "ernstnehmen", um es im Jargon der üblichen Verdächtigen auszudrücken?

 Wir leben jetzt aber in Zeiten, wo weite Teile der Bevölkerung ein aktives Herangehen an die Probleme wünschen. (...)  Die Grünen ducken sich beim Thema Zuwanderung eher weg. Sie müssten den Spieß aber umdrehen und mit glaubwürdigen Personen eine realistische Politik anbieten. Nach dem Muster von "tough love" Lösungen anbieten, wie man mit dem Faktum Zuwanderung und seinen teils problematischen Folgen realistisch, aber zugleich zivilisiert umgeht. Wer sonst als die Grünen sollte das tun?Die Grünen ducken sich beim Thema Zuwanderung eher weg. Sie müssten den Spieß aber umdrehen und mit glaubwürdigen Personen eine realistische Politik anbieten. Nach dem Muster von "tough love" Lösungen anbieten, wie man mit dem Faktum Zuwanderung und seinen teils problematischen Folgen realistisch, aber zugleich zivilisiert umgeht. Wer sonst als die Grünen sollte das tun? - derstandard.at/2000042602986/Wird-aus-den-Gruenen-noch-etwas

Na klar! Wer sonst als der Bock ist der beste Gärtner! Wer ist "glaubwürdiger" als die Grünen, die mit Van der Bellen rechtzeitig zum Wahlkampf ihre Heimatliebe und ihren Glauben an Österreich entdeckt haben! Das könnte lustig werden, wenn diese "Teile der Bevölkerung" ausgerechnet den Grünen von ihren "Ängsten" erzählen werden, während diese ganz toll auf sie zugehen und ihren Drang, unpassendes Sozial- und Redeverhalten zu sanktionieren, einmal ausnahmsweise unterdrücken!

Aktiv an die selbst erzeugten Probleme herangehen!

Dann können sie ja gerne zeigen, wie sehr sie zu "aktivem Herangehen" an Probleme imstande sind, die sie selber erzeugt haben und nach Kräften fördern und unlösbar zu machen versuchen. Ja, im Grunde besteht ihre ganze raison d'être darin, diese Probleme zu erzeugen und zu schüren, um anschließend darüber zu jammern, dass die FPÖ immer mehr Zulauf bekommt. Wenn es manchmal den Anschein hat, als ob sie in der "Defensive" wären, dann wohl allein deswegen, weil der Rechtfertigungsdruck auf sie immer mehr wächst.

Nein, aus den Grünen wird nix mehr, so oder so. Sie sägen aktiv an dem Ast, auf dem sie selber sitzen, und auch die rosarote Blase der Rauschers wird eines Tages platzen, wenn die harte Realität zuschlägt. Es ist nun vielmehr Aufgabe der FPÖ, "den Spieß umzudrehen" und "mit glaubwürdigen Personen eine realistische Politik anzubieten". Ob sie dazu fähig ist, muss sie unter Beweis stellen; sie sollte sich nicht auf ihren wachsenden Prozentzahlen ausruhen.

Die Grünen von heute kommen vor allem defensiv, betulich, an Nebenfronten und bei Orchideenthemen engagiert über die Rampe. Dazu kommt ein kräftiger Schuss Bevormundung. Das ist oft mehr als berechtigt – die Liste der sozial schädlichen Verhaltensweisen, die die Grünen sanktionieren wollen, kann man an sich unterschreiben. Aber was zu viel ist, ist zu viel. Auch der Ton, in dem das vorgetragen wird. - derstandard.at/2000042602986/Wird-aus-den-Gruenen-noch-etwasDie Grünen von heute kommen vor allem defensiv, betulich, an Nebenfronten und bei Orchideenthemen engagiert über die Rampe. Dazu kommt ein kräftiger Schuss Bevormundung. Das ist oft mehr als berechtigt – die Liste der sozial schädlichen Verhaltensweisen, die die Grünen sanktionieren wollen, kann man an sich unterschreiben. Aber was zu viel ist, ist zu viel. Auch der Ton, in dem das vorgetragen wird. - derstandard.at/2000042602986/Wird-aus-den-Gruenen-noch-et

Die Grünen von heute kommen vor allem defensiv, betulich, an Nebenfronten und bei Orchideenthemen engagiert über die Rampe. Dazu kommt ein kräftiger Schuss Bevormundung. Das ist oft mehr als berechtigt – die Liste der sozial schädlichen Verhaltensweisen, die die Grünen sanktionieren wollen, kann man an sich unterschreiben. Aber was zu viel ist, ist zu viel. Auch der Ton, in dem das vorgetragen wird. - derstandard.at/2000042602986/Wird-aus-den-Gruenen-noch-etwasDie Grünen von heute kommen vor allem defensiv, betulich, an Nebenfronten und bei Orchideenthemen engagiert über die Rampe. Dazu kommt ein kräftiger Schuss Bevormundung. Das ist oft mehr als berechtigt – die Liste der sozial schädlichen Verhaltensweisen, die die Grünen sanktionieren wollen, kann man an sich unterschreiben. Aber was zu viel ist, ist zu viel. Auch der Ton, in dem das vorgetragen wird. - derstandard.at/2000042602986/Wird-aus-den-Gruenen-noch-etwasDie Grünen von heute kommen vor allem defensiv, betulich, an Nebenfronten und bei Orchideenthemen engagiert über die Rampe. Dazu kommt ein kräftiger Schuss Bevormundung. Das ist oft mehr als berechtigt – die Liste der sozial schädlichen Verhaltensweisen, die die Grünen sanktionieren wollen, kann man an sich unterschreiben. Aber was zu viel ist, ist zu viel. Auch der Ton, in dem das vorgetragen wird. - derstandard.at/2000042602986/Wird-au

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