Scheel (rechts) mit Parteifreund Hans-Dietrich Genscher (1927-2016), der am 31. März gestorben war.

Foto: Bild: Bundesarchiv, B 145 Bild-F060665-0012 / Hoffmann, Harald / Wikimedia (CC BY-SA 3.0 DE)
Er wurde 97: Deutscher Alt-Bundespräsident und “Krawattenmann 1969” Walter Scheel verstorben

Wenn Politiker sterben, die sehr alt geworden sind und daher ihre politisch aktive Zeit völlig in Vergessenheit geraten ist, ist es natürlich verständlich, dass man mit salbungsvollen Worten dieses Verstorbenen gedenkt. So erklärte der derzeitige elfte Deutsche Bundespräsident Joachim Gauck zum Tod seines Vor-Vor-Vorgängers, des vierten Präsidenten Walter Scheel: „Mit ihm verlieren wir einen hochgeschätzten Bundespräsidenten und einen Politiker, der die Geschicke unseres Landes viele Jahre in besonderer Weise mitgestaltet hat.“

Nachruf von Unzensurix

Walter Scheel (* 8. Juli 1919 in Höhscheid, heute Ortsteil von Solingen, NRW; † 24. August 2016 in Bad Krozingen, Baden-Württemberg) war vor seinem Engagement als Bundespräsident ein FDP-Politiker in jener Zeit, in der seine Partei den Schwenk als Steigbügelhalter der Schwarzen (CDU/CSU) zu den Roten (SPD) unter Willy Brandt machte.

Von den Schwarzen erhielt er Ministerämter (Wirtschaftsminister, Verteidigungsminister), von den Roten die Funktion des Vizekanzlers. Kurzeitig war Scheel dann im Jahre 1974 auch Regierungschef, als Brandt sehr eilig den Hut nehmen musste und Helmut Schmidt erst einige Tage später zum Bundeskanzler gewählt wurde

Unauffällige Amtszeit

Bei der Wahl des deutschen Bundespräsidenten 1974 wurde er dann mit den Stimmen der SPD und seiner eigenen Partei zum Bundespräsidenten der BRD gekürt.

Rückblickend wird seine Amtszeit (1974 bis 1979) als unauffällig bezeichnet, was einen Bundespräsidenten eher auszeichnet. Die einzige Kritik an ihm war, dass er einen etwas prunkvolleren Regierungsstil als seine bescheidener wirkenden Vorgänger im Amt präferierte.

Krawattenmann des Jahres

Als Kuriosum kann in diesem Zusammenhang erwähnt werden, dass Walter Scheel im Jahre 1969 von der deutschen Werbebranche die Ehrung „Krawattenmann des Jahres“ verliehen wurde. Jedes Jahr erhält ein Mann des öffentlichen Lebens, der durch sein Erscheinungsbild die Krawatte stilvoll in Szene gesetzt hat, diesen Preis (weitere Preisträger, Auswahl: Roy Black 1972, Roger Cicero 2007, Hape Kerkeling 2011).

Inwiefern er in seinen öffentlichen Ämtern wirklich Großes geleistet hat, wie Gauck in einem Kondolenzschreiben an die Witwe Scheel herumwürdigt, wird die Geschichte beurteilen. Jedenfalls steht außer Frage, dass Scheel sehr alt geworden ist.

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