Hamburg als Nährboden für Salafisten - Anzahl hat sich seit 2011 verdreifacht

Die Polizei hat längst kaum noch Chancen, so lange Salafisten ungeniert im Internet oder über Koranverteilungen werben. Foto: Frank / wikimedia (CC BY-SA 3.0)
Die Polizei hat längst kaum noch Chancen, so lange Salafisten ungeniert im Internet oder über Koranverteilungen werben.
Foto: Frank / wikimedia (CC BY-SA 3.0)
30. August 2016 - 10:30

Für radikalisierte Islamisten ist Hamburg anscheinend zur zentralen Drehscheibe ihrer Aktivitäten geworden. Die Zahl der Salafisten verdreifachte sich im Zeitraum von nur fünf Jahren. Besonderes Augenmerk wird dabei vom Verfassungsschutz auf die sogenannten Dschihad-Rückkehrer gelegt.

Rekrutierung erfolgt innerhalb sozialer Netzwerke

Laut deutschem Verfassungsschutz liegt die erfasste Zahl von Hamburger Salafisten bei 620 Personen, davon sind 310 zu den Dschihadisten zu zählen, wie Die Welt berichtet. Mitte Juni lag die Zahl noch bei 580 Personen. Waren es vor fünf Jahren noch knapp 200 Anhänger dieser extremen Auslegung des sunnitischen Islam, so zählt man unter den 620 erfassten Islamisten mittlerweile auch 190 Deutsche, erklärte Verfassungsschutzchef Torsten Voß zur Radikalisierung. Die Mehrzahl derer sei allerdings bereits in Deutschland sozialisiert worden, so Voß weiter. Was immer das heißen mag.

Salafismus "dynamischste Extrem-Bewegung in Europa"

Durch den verstärkten Einblick des Verfassungsschutzes in soziale Netzwerke konnte der dramatische Anstieg der Salafisten in der Szene beobachtet werden. Anders als etwa al-Qaida operieren Sympathisanten und Anhänger des islamischen Staates (IS) über Propaganda und Informationsaustausch in sozialen Netzwerken. Sie gelten als medienaffin und posten regelmäßig salafistische Propaganda. Der Salafismus sei derzeit die "dynamischste extremistische Bewegung Deutschlands und Europas", erklärte Verfassungsschützer Voß weiter.

Hamburger Infostände radikalisieren über Koran-Geschenke

Die Kampagne mit dem harmlos anmutenden Titel „Lies!“ verschenkt, wie auch hierzulande bekannt und verbreitet, Gratis-Koranexemplare an Infoständen im Stadtgebiet. Dies trägt damit ganz erheblich und scheinbar legal - neben den Internetforen - zur Radikalisierung bei. Die Veranstalter sind bekannte Salafisten, die diese Veranstaltungen zur Kontaktaufnahme nutzen.

Zentren der Extremisten bekannt - aber aktiv

Als Zentrum der Hamburger Salafisten gilt die Taqwa- Moschee. Auch die verbotene Hizb ut-Tahrir Organisation versuche, vehement islamische Flüchtlinge zu indoktrinieren. Diese Menschen würden die Religion des Islam missbrauchen, ermahnte Voß.

Heikles Kapitel Dschihad-Rückkehrer

Aus ganz Deutschland seien seit 2013, laut Verfassungsschutz, 850 Islamisten in die Kriegsregionen in Syrien und dem Irak ausgereist. Aus Hamburg waren es circa 70 Personen, von denen vermutlich 20 getötet wurden. Den Rückkehrern allerdings widmet der Verfassungsschutz nun besondere Aufmerksamkeit. Es gäbe durchaus auch Frustrierte und Deserteure unter ihnen, so Verfassungsschützer.

An Hand des Beispiels des 17-jährigen Bilal, der letztes Jahr unter ungeklärten Umständen in Syrien getötet wurde, nachdem er schonungslos über Hintergründe und Vorgänge innerhalb des IS gepostet hatte, versucht der Verfassungsschutz nun zu agieren.

Ehemalige IS-Kämpfer als Informanten

Auch der 28 jährige Harry S., vom Oberlandesgericht im Juli zu drei Jahren Haft verurteilt, warnt nun öffentlich davor, sich dem IS anzuschließen. Wenn er sich wirklich glaubwürdig distanziert, könnte er für Beratungsstellen und Präventionsstrategien der Behörden ein wertvoller Mitstreiter werden, erklärte Voß.

Ob Beratung alleine hilft?

In der Hamburger Beratungsstelle Legato beispielsweise werden derzeit rund 100 Angehörige von Radikalisierten betreut. Zu hoffen bleibt schlussendlich, dass derlei Maßnahmen nicht die einzige Möglichkeit bleiben, Europa vor muslimischen Radikalisierern zu schützen.

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