Wenn "Profil" gegen unzensuriert.at recherchiert: Antworten werden einfach ignoriert

Profil-Journalistin und Fachfrau für FPÖ-Medien Ingrid Brodnig (hier bei der "No hate speech"-Enquete Ende Juni in Wien). Foto: SPÖ Presse und Kommunikation / wikimedia.org (CC-BY-SA-2.0)
Profil-Journalistin und Fachfrau für FPÖ-Medien Ingrid Brodnig (hier bei der "No hate speech"-Enquete Ende Juni in Wien).
Foto: SPÖ Presse und Kommunikation / wikimedia.org (CC-BY-SA-2.0)
12. September 2016 - 21:00

Wenn es um „Recherchen“ gegen vermeintlich Rechte geht, werden bei linken Medien wie dem profil alle ethischen Regeln des Journalistenberufes automatisch außer Kraft gesetzt. Da bezeichnet etwa die frühere Grazer KPÖ-Kandidatin Christa Zöchling im September 2015 die Besucher einer freiheitlichen Wahlveranstaltung als "die hässlichsten Menschen Wiens", wird dafür vom sogar vom Presserat gerügt und knipst ein Jahr später schon wieder - diesmal beim Wahlauftakt für Norbert Hofer in Wels - die Fans der Freiheitlichen, wie unzensuriert.at erst gestern aufgedeckt hat.

Ehemaliger SJ-Mann schreibt gegen alternative Medien

Ebenfalls hochaktiv gegen "Rechts" sind Jakob Winter, der direkt von der Sozialistischen Jugend in die profil-Innenpolitik gewechselt war, und seine Kollegin Ingrid Brodnig, ehemals Falter-Redakteurin und Hauptprotagonistin einer Kampagne gegen "Hass im Netz".

Im Visier der beiden stehen alternative Medien, die auch berichten, was der Mainstream gerne unter den Teppich kehren will. Über die tendenziöse Berichterstattung über die neue oberösterreichische Wochenzeitung Wochenblick hat unzensuiert.at bereits informiert.

Die Recherche-Praktiken der profil-Redaktion

Aber auch unzensuriert.at selbst war im Mai dieses Jahres Gegenstand solcher Recherchen. Wir haben die Sache damals wegen der geringen Aufmerksamkeit, die ein profil-Artikel erregt, unkommentiert gelassen. Aufgrund der auffälligen Parallelen zur "Enthüllungsstory" über den Wochenblick und der generell immer zweifelhafteren Arbeitsweise des einstigen Aufdeckermagazins haben wir uns nun aber entschlossen, unsere Leser über die Praktiken in der profil-Redaktion zu informieren.

Das lief damals so: profil schickte einen Fragenkatalog, den der Geschäftsführer unseres Herausgeber-Verlags beantwortete – in der Reportage des profil erschien indes etwas völlig anderes, keine einzige unserer Antworten wurde auch nur erwähnt.

Profil stellt Fragen, unzensuriert.at antwortet brav

Hier einige Teile der Korrespondenz zwischen profil und Unzensuriert-Geschäftsführer am 19. und 20. Mai 2016. Zunächst antwortete unzensuriert.at auf die allgemein gehaltene Anfrage des Redakteursduos mit einem Quellenhinweis und einem Vergleich:

Wie es zur Gründung kam, können Sie im Unzensuriert-Jahrbuch 2009 nachlesen.
 
Der Erfolg seit damals ist sehr groß. Bei einem Budget, das in etwa 5% dessen ausmacht, was Profil an Inseratengeldern von öffentlicher Hand bekommt, haben wir etwa doppelt so viele Leser wie profil.at.
Dem entsprechend sehen wir auch unsere Rolle in der österreichischen Medienlandschaft.

Auf konkrete Nachfragen gab es dann auch konkrete Antworten, etwa diese:

 - Sie haben angesprochen, dass Sie viele Leser auf Ihrer Seite haben. Wie viele Unique Clients verzeichnen Sie denn im Monat? Uns würde eine konkrete Zahl sehr interessieren, die den Einfluss Ihrer Seite verständlich macht.

 zwischen 25.000 und 50.000 pro Tag

 - Die Texte auf unzensuriert.at werden ja nicht namentlich gekennzeichnet, auch ist auf Ihrer Seite keine Übersicht über die Mitarbeiter vorhanden. Können Sie uns verraten, wie viele Mitarbeiter beschäftigt unzensuriert.at?

Die Redakteure von Unzensuriert sind ehrenamtlich tätig und sind in einem Redaktionskollektiv organisiert. Da ich als Geschäftsführer nicht im Redaktionskollektiv tätig bin, kenne ich die genaue Anzahl der Mitarbeiter nicht. Ich schätze, es sind so zwischen 20 und 25 Personen.

 - Wer die FPÖ kritisiert, bekommt häufig auch einen unvorteilhaften Artikel von unzensuriert.at gewidmet. Ist dies gezielt eines der Redaktionsinteressen von unzensuriert.at, die Kritiker sichtbar zu machen?

 Den Inhalt bestimmt das Redaktionskollektiv. Als GF nehme ich darauf keinen Einfluss.

 - Zum Schluss würde uns noch interessieren: Wie finanziert sich Ihre Seite denn?

 Über Werbeeinnahmen.

Was dann wirklich in der profil-Geschichte unter dem Titel „FPÖ im Internet: Tag für Tag ein Propagandastück“ veröffentlicht wurde, liest sich wie ein bezahlter PR-Artikel des Van der Bellen-Wahlkampfbüros und der Wiener Rathauskorrespondenz.

Mit viel Phantasie wird da über „Halbwahrheiten, Verschwörungstheorien, Schreckensmeldungen“ in den FPÖ-Medien schwadroniert, zu denen natürlich – entgegen den Aussagen unseres Geschäftsführers  – auch unzensuriert.at zählt. Die FPÖ mache „gezielt Stimmung im Internet“ – und liefere ihren Anhängern „eine perfekte digitale Parallelrealität“ mit eigenen Sites, Videonachrichten und Facebook-Accounts.

Neidvolles Loblied auf Effizienz der FPÖ-Medienorgel

Eine ähnliche Schreckgespenst-Geschichte war auch schon im Kurier erschienen. Wobei beide Blätter – ob unabsichtlich oder nicht – mehr oder weniger direkt der Professionalität, Effizienz und den Reichweiten der blauen Medienwelt ein Loblied singen. So heißt es etwa: „Die Online-Inszenierung erklärt einen Teil des Erfolgs der Freiheitlichen. Weitgehend unbemerkt von den traditionellen Medien und klassischen Parteien entsteht im Netz ein neuer Machtfaktor in der Meinungsbildung.“

Migranten-Portraits statt echter Recherche auf der Straße

Manchmal wird es im profil-Text dann durchaus skurril, wenn das frühere Aufdecker-Magazin etwa meint, „Wer sich länger auf der Plattform unzensuriert.at umsieht, kann den Eindruck gewinnen, Österreich stehe kurz vor dem Zusammenbruch.“ - Wer mit Kriminalbeamten oder Sozialarbeitern auf der Straße spricht, so wie unzensuriert-Journalisten, hört tatsächlich von solch schlimmen Zuständen – im Unterschied zu profil & Co. schreibt unzensuriert.at es aber auch, anstatt sie totzuschweigen und stattdessen Portraits angeblicher Flüchtlinge zu bringen (siehe profil-Serie „Check in“).

Lokalaugenschein in "Arabisch Meidling" gefällig?

„Der Wiener Bezirk Meidling ("Arabisch-Meidling") erinnere an einen "Stadtteil in Bagdad", heißt es beispielsweise. In 15 Jahren werde "die Hälfte der Bevölkerung asylwerberischer Abstammung sein", wird ebenfalls aus unseren Berichten exzerpiert. profil-Mitarbeitern steht es jederzeit frei, einen Rundgang durch „Arabisch-Meidling“ (oder „Türkisch-Ottakring“ oder „Balkanesisch-Rudolfsheim“ oder….) zu machen und ebenfalls Eindrücke zu sammeln.

Und was die demographische Entwicklung in Österreich angeht, möge profil doch einmal ein paar Wiener Schulen besuchen und recherchieren. 100 Prozent "Migrationshintergrund", vor allem Moslems, sind da keine Seltenheit.

Öllinger: unzensuriert.at als "Dreckschleuder"

Schließlich rutscht profil mangels echten Substrats dann in die unterste Schublade ab – die offene Beschimpfung: „Der Name ‚Unzensuriert‘ suggeriert Unabhängigkeit. Tatsächlich aber ist das Blog fixer Bestandteil der freiheitlichen Öffentlichkeitsstrategie.“ Dann wird der Grün-Abgeordnete Karl Öllinger zitiert, „der auf seiner Website stopptdierechten.at seit Jahren die einschlägige Szene im Netz beobachtet: „Im blauen Mediensystem fungiert unzensuriert.at als Dreckschleuder.“

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